Sie sind mitten unter uns, um die Ecke, über die Straße, am anderen Ende der Stadt, für jeden wahrnehmbar und doch sind es geheime Orte: Spielplätze. Wer keine Kinder hat, weiß nichts von diesen Parallelwelten, von ihren Bewohnern, ihren geheimen Regeln, von Grabenkämpfen im Sandkasten. Unsere Autorin verbringt dort ihre Nachmittage.

GESTERN WAR ICH auf dem Spielplatz. Wie immer. Aber etwas war anders. Die Sommerferien sind vorbei, alle kleinen und großen Urlauber sind unterschiedlich braungebrannt wieder da und nachmittags stellt sich die wiederkehrende Frage: Welcher Spielplatz darf es heute sein? Die Antwort ist nicht leichter geworden in den letzten drei Wochen. Suchten wir bis Juli noch Orte mit Wasser und Schatten, so schlagen gerade die Bedürfnisse um. Morgens ist es empfindlich kühl, nachmittags mal so, mal so und dann schnell wieder kalt. Die ersten Eltern ziehen bei der Diskussion um den passenden Spielplatz schon lange Gesichter und wollen lieber nach Hause. Nix da.

Kurze Hose oder Skianzug? Es sieht aus, als gäbe es auf dem Spielplatz zwei Klimazonen.


Solange es nicht hagelt oder gewittert ziehen mein Sohn und ich auf den Spielplatz. Notfalls auf einen, von dem wir schnell nach Hause oder in ein Café flüchten können. Wenn die Auswahl des Spielplatzes und die Klamotten zur Wetterlage passen, ist das alles kein Problem und in jedem Fall für die allgemeine Laune besser als ein stickiges Kinderzimmer.

Neulich auf dem Spielplatz - Herbst
KURZ VOR Saisonende

Hier ist also unsere Checkliste für den Herbst. Im Grunde geht es um die gelungene Kombination aus Kleidung, Ort und Spiel.

1. Die Klamotten

Neulich hatte es am Nachmittag etwa 19 Grad im Schatten. Die Luft war etwas kühl, die Sonne gab sich aber alle Mühe. Mein Sohn spielte vor sich hin und leierte gerade eine Diskussion darüber an, ob er sich seine Kapuzenjacke wohl ausziehen könne. Ich schaute auf meinen Kleinen, der kurze Hosen trug und sich irgendwo seiner Schuhe entledigt hatte. Mehr sollte er in meinen Augen nicht ablegen. Dann schaute ich auf zwei andere Kinder: Gummistiefel, Steppjacke, Schal. Hm. Es sah aus, als gäbe es auf dem Spielplatz zwei Klimazonen.

2. Eine Frage der Matschhose

Matschhosen, also diese praktischen Gummiverpackungen für Kinder, sind eine feine Sache. Wenn das Kind damit nicht in ein Riesenmatschloch springt – wie bei uns neulich passiert – halten sie wirklich eine ganze Menge ab. Aber: ein kletterndes Kind ist damit so gut angezogen wie mit Gummistiefeln zum Wettlauf. Alles ist irgendwie unbequem und verschwitzt. Meine ganz persönliche Matschhosen-Abfrage lautet: Regnet es oder hat es gerade geregnet, sind alle Rutschen und Geräte klatschnass? Dann klar, rein in die Gummischicht, sonst ist nach dem ersten Mal Rutschen das Geschrei riesengroß. Sonst aber: bloß nicht. Die Skihosensaison steht vor der Tür und die ist lang genug.

Neulich auf dem Spielplatz - Herbst
Bodenfrost: Ein Fall für die gefütterte Matschhose

3. Der Ort

Eigentlich ist alles prima, nur eine leicht bedrohliche Wolke am Himmel? Dann geht es doch meist darum, sich für einen Spielplatz zu entscheiden, der im Notfall auch mal einen Guss mitmacht. Auf vielen Spielplätzen gibt es diese kleinen Häuschen, in denen Kinder gerne Eis-Verkaufen spielen, andere Spielplätze punkten sogar mit einer teilweise überdachten Spielfläche. Das kann mal ganz lauschig sein. Im Zweifel ist ein gelüftetes Kind, das draußen gespielt hat, besser zu ertragen als ein trockenes Kind, das den ganzen Tag drinnen war.

Wenn das Wetter wirklich grauenvoll ist, rennen wir 20 Minuten und gehen danach einen Kakao trinken.

4. Das Spiel

Ist der Bodenfrost schon zu erahnen, wird es schwierig, wenn die Kinder trotzdem darauf bestehen, stundenlang bewegungslos im Sand zu sitzen und vor sich hinzubuddeln. Da ist die gefütterte Matschhose keine schlechte Wahl. Trotzdem versuche ich, mein Kind je nach Wetterlage ein bisschen vom Boden wegzuholen. Meist stellt sich die Frage nicht, weil er sowieso die ganze Zeit rennt oder klettert.

5. Rennen hilft

Manchmal versuche ich trotzdem einzugreifen, wenn mir die Kombination aus Kleidung, Temperatur und Spiel ungünstig scheint. Faustregel: je kälter, desto mehr Bewegung muss sein.

Wenn das Wetter wirklich mal grauenvoll ist, rennen wir 20 Minuten über einen Fußballplatz und gehen danach einen Kakao trinken. Das hat auch was. Oder wir schnappen uns den Regenschirm und sammeln Kastanien. Oder wir nutzen den regennassen Sand für die beste Sandburg aller Zeiten. Ach, der Herbst ist eigentlich gar nicht so übel. Ein bisschen freue ich mich darauf.

Übrigens: Die Gewinner der Fanta Spielplatz-Initiative stehen fest. Wer sich über einen Scheck freuen darf, erfahrt ihr unter „Ranking“ hier.