Ein Lächeln auf der Straße, eine Überraschungs-Party mit Freunden, die Sonne kitzelt dein Gesicht, ein unerwarteter Kuss. Egal ob kleine Freuden im Alltag oder große Gefühle: Es ist dein Augenblick. Sei ganz bei dir. Erlebe ihn. Taste The Feeling!

FÜNF SEKUNDEN, vielleicht zehn. Dann hat das Reh in wenigen kraftvollen Sprüngen den schneebedeckten Weg überquert und ist wieder im Wald verschwunden. Selbstverständlich und entspannt sah das aus. Ich hingegen verwandelte mich in eine quietschende Zwölfjährige, die nicht fassen kann, dass meine nur wenige Meter vor mir spazierenden Freunde das Überraschungsbambi nicht gesehen haben. Minutenlang zeige ich wie ein fehlgestellter Wegweiser in die Richtung seines Verschwindens.

Verliebte Ameisen, schlurfende Pinguine

Taste The Feeling - Pinguin
TAKE A WALK on the wild side: Pinguin in Südafrika

Für mich eine typische Begegnung mit einem wilden Tier. Das Gefühl in diesem Moment gleicht dem ersten Kuss. Aufregung und Freude, Sehnsucht und Neugier durchströmen mich. Ich will unbedingt mehr davon und erzähle auf jeden Fall meinen Freunden davon. Bin ich in Begleitung, muss diese den wilden Moment unzählige Male mit mir rekapitulieren.

Weißt du noch? Das Eichhörnchen, das im Central Park eine Nuss vergraben hat? Der Seehund, der im Hafen von Kapstadt faul in der Sonne lag? Oder die Pelikane, die den Fischern ihren Fang klauen wollten?

Zum Wildlife gehört für mich alles, was ungezähmt und (größtenteils) unbeschränkt auf dem Erdball umherläuft. Marienkäfer und Mäuse ebenso wie Emus und Elefanten. Gut, ein Ameisen-Rendezvous verzückt mich vielleicht nicht gleichermaßen wie der Pinguin, der im südafrikanischen Simon’s Town tollpatschig an mir vorbeischlurft. Doch fürs wilde Entzücken braucht es nicht zwingend Löwen und Giraffen.

Taste The Feeling - Hirsch
SCHÖN RÖHREN? Hirsch in Deutschland...

Ich informiere mich über Wildvogelarten und richte ihre Leibspeisen in meinem Vogelhäuschen an. Sammle Erfahrungen mit den Lieblingsblumen der Hummeln und kann dann nicht genug davon bekommen, sie beim Einsammeln des Blütenstaubs zu beobachten, immer nur kurz davor, sanft über ihren (in meiner Fantasie sehr flauschigen) kleinen Pelz zu streicheln.

„Einem wilden Tier kann ich nicht einfach meine Meinung aufzwingen. Alles ist vollkommen ihm überlassen.“

Die Wildtierbegegnung ist auch so aufregend, weil sie unberechenbar ist. Passiert sie überhaupt? Vielleicht sehe ich heute auf dem Heimweg einen Fuchs. Oder ein Eichhörnchen. Oder die tollpatschige Landung einer Ente im Kanal. Und was passiert dann? Einem wilden Tier kann ich nicht einfach in Frauchen-Attitüde meine Meinung aufzwingen. Ob es einen Moment stehen bleibt, in meine Richtung schaut oder niedliche Geräusche macht. All das ist vollkommen ihm überlassen. Und so schmachte ich Eichhörnchen an, damit sie nicht gleich wieder in den Baumwipfeln verschwinden. Gebe in der Einsamkeit eines nordamerikanischen Naturparks brunftähnliche Geräusche von mir, damit der Hirsch ein wenig näher kommt.

Taste The Feeling - Pelikan
... oder doch den Schnabel halten? Pelikan im Hafen

Nicht jedes wilde Tier löst bei mir die gleichen Reaktionen aus. Als ich das erste Mal einen wilden Elefanten gesehen habe, hatte ich Tränen in den Augen, ergriffen von seiner, so schnulzig das klingt, majestätischen Schönheit. Quietschend konnte man mich bislang nicht nur nach dem Reh-Intermezzo erleben. Sondern auch im Angesicht dieses einschlafenden Erdmännchens. Diese Reaktion auf seinen Anblick ist allerdings ungetrübtem Spaß geschuldet. Ich bekomme mein Lachen einfach nicht unter Kontrolle.