Die Sommersonne scheint flackernd durch die Blätter. Leise Instrumente sind zu hören. Wir singen. Ich trage ein gestreiftes Sommerkleid. Und Libellenflügel auf dem Rücken. An der linken Hand halte ich Susanne, an der rechten Daniel, der sich gerne Regenwürmer auf die Zunge legt. Zusammen tanzen wir unter dem blauen Himmel im Kreis, keine fünf Jahre alt, hin und wieder zurück. Kichern, wenn einer den Richtungswechsel nicht mitbekommt und wir über unsere Füße stolpern.

Erst zwölf Jahre später tanze ich das nächste Mal neben Daniel. Laute Musik dröhnt durch den dunklen Raum. Diesmal halten wir uns nicht an den Händen, jeder tanzt für sich allein in der Kleinstadtdisko. Konzentriert bemüht, nicht aus dem Takt zu geraten und dabei möglichst gut auszusehen.

Die schönste Art zu tanzen ist die Bewegung in absoluter Selbstvergessenheit.

Heute tanze ich wieder wie ein Kind. Vergessen ist der Teenager-Anspruch, mich nicht lächerlich zu machen, ich weiß: Die schönste Art zu tanzen ist die Bewegung in absoluter Selbstvergessenheit. Wenn ich mich nicht darum schere, was ein anderer über meine Mooves denkt, sondern Beine, Arme und Hüfte einfach das tun können, was die Musik von ihnen fordert. Dieses Gefühl, wenn der Rhythmus die Kontrolle übernimmt, ist pure Lebensfreude. Wenn erst der Kopf im Takt wippt, die Finger anfangen, auf dem Tisch zu trommeln, und schließlich die Füße zappeln, bis dich nichts mehr zurückhält und du auf die Tanzfläche stürmst. Viele Songs vermögen dieses Gefühl in mir auszulösen – da muss ich nur in die Journey Wasser-Playlist oder 50 Songs rund um die Liebe reinhören. Besonders großen Spaß macht das Zappeln auch immer noch zum wunderbaren Song Happy von Pharrel Williams. Vielleicht auch, weil das Extrem-Musikvideo dazu so viele selbstvergessene Tänzer zeigt. Das ist schön, albern, manchmal auch komisch anzusehen. Und ich möchte am liebsten sofort mittanzen.

Schön choreografiert

Aus der Zuschauerperspektive liebe ich natürlich auch die Perfektion und Schönheit des choreografierten Tanzes. Ob Ballerina im Spitzentanz oder den Youtube-Knaller Evolution of Hip Hop Dancing mit Jimmy Fallon und Will Smith, das Musikvideo-Meisterwerk Thriller von Michael Jackson oder die Leichtfüßigkeit von La La Land. Ja, überhaupt, Film und Tanz! Unzählige Szenen sind in die Geschichte (und die Clubs der Republik) eingegangen. Die ikonische Pose aus dem 70er Jahre-Klassiker Saturday Night Fever sieht man immer noch auf der Tanzfläche, fast jeder hat schon mal bei John Travolta, Uma Thurman und ihrem Twist aus Pulp Fiction geklaut. Nur die Hebefigur von Dirty Dancing, die habe ich noch nie im Original gesehen...

Taste The Feeling - Tanzen
HAPPY MOVES: Erst selbstvergessen tanzen, dann eine neue Erfrischung holen

Tierisch viel Rhythmus

Doch trotz dieser unvergesslichen Szenen und Tänze: Ich bleibe glücklich ohne Choreografie. So wie übrigens auch das Tierreich. Kakadu Snowball tanzt genauso mitreißend wie eine Gruppe von Flamingos oder Buckelwale in den Tiefen des Meeres. Die beste Interpretation des Jungle Boogie, die ich kenne, seht ihr allerdings bei diesen Bären in den kanadischen Rocky Mountains. Feel the Funk! Let it flow!