Ein Lächeln auf der Straße, eine Überraschungs-Party mit Freunden, die Sonne kitzelt dein Gesicht, ein unerwarteter Kuss. Egal ob kleine Freuden im Alltag oder große Gefühle: Es ist dein Augenblick. Sei ganz bei dir. Erlebe ihn. Taste The Feeling!

DU KOMMST AUS DEM KINO und es ist Tag. Wie kann das sein? Du blinzelst die Menschen an, die ganz normale Tages-Dinge tun, sie gehen einkaufen, nehmen den Bus nach Hause, rennen zur Kita, stehen im Stau. Nur du selbst bist ein wenig aus der Welt gefallen. Ein Gefühl wie ein Besuch auf einem fremden Stern.

Was war geschehen? Im Grunde nicht viel. Ich hetzte wie üblich durch meinen Alltag als ein Termin, für den ich drei Stunden eingeplant hatte, abgesagt wurde. „Verflixt“ war der erste Gedanke. Der zweite: „Ich habe drei Stunden geschenkt bekommen.“

Mittags ins Kino? Alleine? Irgendwie verrückt, irgendwie gut. Nichts wie rein.

Geschenke wirft man nicht einfach weg, dachte ich, während ich durch die Straßen ging. Da kam ich an einem Kino vorbei. „La La Land“ lief in der Mittagsvorstellung. In fünf Minuten. Mittags ins Kino? Alleine? Irgendwie verrückt, irgendwie gut. Nichts wie rein. Eine kalte Coke und einen Becher Popcorn als Lunch – und schon sank ich zur Unzeit in den weichen Kinosessel und kam mir vor wie im Urlaub.

In den ersten Minuten schaute ich mich noch staunend um. Im Kino mit einer Hand voll Leute, die sich lose in dem riesigen Saal verteilten, ein paar Schüler, verliebte Dreizehnjährige wahrscheinlich. Dann fragte ich mich, wann ich eigentlich zuletzt tagsüber im Kino gewesen war. Bei der Berlinale vor ein paar Jahren, gelegentlich in einem sehr heißen Sommer, in dem das klimatisierte Kino eine Alternative zum Badesee war. Beides lange her. Seit dem bin ich daran gewöhnt, mich abends mit Freunden zu verabreden, vorher etwas essen zu gehen und danach bei einem Glas Wein den Film zu besprechen. Erstaunlich, wie schnell Gewohnheiten Gesetz werden. Tagsüber ins Kino? Ein bisschen wie Kindergeburtstag, wenig erwachsen eben. Aber müssen wir jeden Tag erwachsen sein?

Aus der dunklen, entrückten Hollywood-Filmwelt trat ich in einen normalen leicht bewölkten Alltag.

Gewohnheiten sind stark. Doch schon nach der Werbung hatte ich vergessen, dass ich mir einen freien Nachmittag außer der Reihe gönnte. Ich versank im Film, ließ mich einlullen, einsingen, eintanzen. „La La Land“ ist ein netter, gezuckerter Musical-Film, vollgepackt mit Anspielungen auf Klassiker der letzten und vorletzten Jahrzehnte, ein bisschen Fred Astaire, ein bisschen Woody Allen, ein bisschen „Fame“, viel Jazz; 128 Minuten zum Träumen, Erinnern, Fallenlassen.

Jetlag für acht Euro

Als der letzte Song verklungen, der Abspann gelaufen, der Vorhang geschlossen und das Licht wieder an war, tastete ich mich zurück in einen normalen, leicht bewölkten Alltag. Keine Lichter, kein Glitzer, niemand spielte Klavier und niemand sang. Die Menschen sprachen ihre normalen Sprachen und machten wenig zauberhafte Tagsüber-Dinge. Ich blinzelte, nahm mir ein paar Minuten Zeit, um im Hier und Jetzt anzukommen und ging jetzt wirklich nach Hause.

Taste The Feeling – Tagtraum im Kino

ZURÜCK in der Gegenwart, aber die Melodie klingt weiter

Mehr La La im Berliner Winter!

Dennoch: Mein Weg war nicht mehr wie drei Stunden zuvor. Ich war entspannt, verzaubert, aus der Welt geworfen. Auf der Straße stauten sich die Autos, einige hupten. So beginnt auch der Film. Gleich könnte jemand das Radio aufdrehen, schöne Menschen würden aus den Autos springen und auf den Kühlerhauben tanzen. Wer weiß? Vielleicht ist der Kontrast zwischen der Berliner Februar-Tristesse und dem bunten Hollywood-Musical gar nicht so unüberwindbar?

So dachte ich, während ich die melancholische Klavier-Melodie vor mich hinsummte, mit der Pianist Sebastian im Film immer wieder die Grenzen zwischen Traum und Leben, zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen Ideal und Kompromiss einreißt. Die Melodie wird mir noch eine Weile bleiben und mich daran erinnern: Es war ein gutes Gefühl, mich mitten am Tag selbst zu überraschen. Ich beschloss, mir öfter einen kleinen Ausflug auf die andere Seite des Tages zu gönnen.