Ein Lächeln auf der Straße, eine Überraschungs-Party mit Freunden, die Sonne kitzelt dein Gesicht, ein unerwarteter Kuss. Egal ob kleine Freuden im Alltag oder große Gefühle: Es ist dein Augenblick. Sei ganz bei dir. Erlebe ihn. Taste The Feeling!

MUSKELKATER IST ein ambivalentes Gefühl. Schmerzen fühlen sich eigentlich nie gut an, bei Muskelkater ist das anders. Denn dieses zwischen bleischwer und stechend changierende Gefühl in allen meinen Körperteilen habe ich mir nicht zugezogen, sondern erarbeitet. Er ist der Beweis, dass ich mich angestrengt habe, dass meine Muskeln noch da sind, wo sie hingehören. Und arbeitswillig obendrein. Wie aber bin ich in diesen bewundernswerten und zugleich bemitleidenswerten Zustand gekommen, der mich bei jedem Aufstehen und Hinsetzen ächzen lässt?

Fit werden, aber nicht irgendwie: zum ersten Mal beim Personal Training.

Natürlich durch Sport. Aber nicht irgendeinen Sport, sondern durch das Training der Reichen und Schönen. Ich war zum ersten Mal beim Personal Training.

Eins vorweg: Ich bin nicht unsportlich. Irgendwann vor Weihnachten aber ereilte mich trotzdem der Fluch aller Sitzberufler: Rückenschmerzen. Bestialische Rückenschmerzen. Dagegen half das übliche Maß an Bewegung nicht mehr. Spazierengehen mit Hund war zu unspezifisch, beim Radfahren im Winter froren mir die Finger ab, die ich dringend zum Tippen brauche, Balletttraining machte ich nur noch halbherzig, weil das Springen mit Rückenschmerzen mich erst Recht an den Rollator denken ließ.

Rückenschmerzen

AUTSCH! Sitzberufler erwischt der Rückenschmerz besonders häufig 

So konnte es nicht bleiben. Doch: Ich war noch nicht bereit für Rentner-Yoga und Wassergymnastik, ich wollte wieder fit werden und zwar nicht irgendwie, sondern gezielt, deshalb fragte ich jemanden, der sich auskennt.

Als ich zum ersten Mal beim Training erschien, brachte ich einen alten Bekannten mit: den Schweinehund.

Mein Personal Trainer und ich sind miteinander befreundet. Deshalb hatte ich Bedenken, ob wir die heilige Trainingszeit nicht einfach verquatschen würden. Um das zu vermeiden, erwarb ich, meinen guten Vorsätzen und meinem Leidensstand entsprechend, eine Fünferkarte zu einem schwindelerregenden Preis. Ein großzügiges Weihnachtsgeschenk an meinen Rücken. So lernte ich meinen Trainer und meinen Rücken ganz neu kennen. Der eine ist strenger als ich dachte, der andere eine Diva.

Mehr Sauerstoff, bitte!

Als ich zum ersten Mal zum Training erschien, brachte ich gleich noch einen alten Bekannten mit: den Schweinehund. Er ließ mich tatsächlich sagen, dass ich nach einer längeren Fahrradstrecke und den drei Stockwerken, die ich hochgerannt war, schon warm genug sei. Zählt nicht, ließ mich mein neuer Trainer wissen. Fünfzig mal auf den Stuhl steigen. In Turnschuhen. Wieso Turnschuhe? Wir gehen doch nicht Joggen. Ich hasse Joggen. Trotzdem. Nach zwanzig Mal war ich außer Atem. Und lernte zu atmen. Atmen, wieso? Mache ich doch den ganzen Tag automatisch und nachts sogar im Schlaf.

Wirbel für Wirbel

Dennoch: einatmen vor der Bewegung und ausatmen wenn die Anstrengung am größten ist. Der Muskel muss mit Sauerstoff versorgt werden sonst wird das nichts. Dieses Atmen sollte tief und laut sein, sonst gilt es nicht. Bei gelegentlichen Stippvisiten in Yoga-Kursen fand ich diese exzessive Atmerei auf den Nebenmatten immer ausgesprochen störend. Jetzt sollte ich also selbst prusten wie ein Walross während sich mein Rücken Wirbel für Wirbel von der Matte löste. Wirbel für Wirbel war allerdings die Ansage meines Trainers. Ich pfuschte ein bisschen, beschleunigte ein bisschen, hob zwei bis drei Wirbel auf einmal und merkte: unter genauer Beobachtung geht das nicht. Alles zurück auf Los und noch einmal von vorn. Wirbel für Wirbel. Es geht nicht darum, erster zu sein, sondern alles obersupersorgfältig zu machen. Atmen nicht vergessen.

Personal Training

NICHT AUFGEBEN: Ein Personal Trainer weckt die Motivation

Obersupersorgfältig machte ich nicht nur das Aufrollen, sondern auch die Übungen auf der Pilatesrolle, Bauch- und Rückenübungen, Hebeübungen, Ausfallschritte und Liegestütze. Nicht zehn, nicht zwanzig, sondern drei Mal zwanzig. Da wird es interessant. „Der letzte Satz muss dem Freizeitsportler so schwer fallen, dass er kaum noch korrekt ausgeführt werden kann“, sprach der Trainer. „Sonst bekommt der Muskel zu wenig Reize und bleibt unbeeindruckt.“ Da kann ich als Freizeitsportler nur sagen: So war es. Nicht erst beim letzten Satz.

Vielleicht ist das der größte Unterschied zwischen dem Training mit Personal Trainer und dem einfach-so-zwischendurch-in-der-Gruppe. Wer alleine vor sich hinsportelt oder beim Aerobic hinten steht, lässt gerne mal Fünfe gerade sein. Unter vier Augen geht das nicht. Um es abzukürzen: ich habe gekämpft, gelitten und war nach 50 Minuten stolz wie Bolle. Bis ich am nächsten Tag versuchte, mir die Zähne zu putzen und merkte: An den Liegestützen können wir noch arbeiten. Wenn ich die Arme wieder hochbekomme. Meine Fünferkarte bietet ja noch ein paar Gelegenheiten. Und wenn ich dann an meiner inneren Haltung arbeite, schaffe ich es vielleicht auch allein, weitere Rückenschmerzen zu vermeiden. Ein gutes Gefühl.