Vielleicht wäre es mit der perfekten Geschäftsidee auch möglich, auf dem Mond erfolgreich zu sein. Dennoch: Bevor ein Unternehmer sich ans Gründen macht, sollte er sich gut überlegen, wo er arbeiten möchte. Auf dem Land? In einem Gewerbegebiet? Oder doch in einer pulsierenden Metropole, die gleichzeitig unternehmerfreundlich und kreativ ist? Coca-Cola kooperiert immer wieder mit jungen Startups - zuletzt mit den BerlinGeekettes, die Frauen zum Programmieren zusammenbringen und im Oktober 2013 mit Coke in Berlin einen großen Women-Hackathon veranstaltet haben. Auf Journey stellen wir drei Städte vor, die für Gründer momentan zu den spannendsten Orten der Welt zählen. 

Die perfekte Stadt

Gesucht wird eine Stadt mit…
  • geringem Kapitalverzehr. Ideal ist ein Ort mit niedrigen Miet- und  Lebensmittelpreisen, am besten unter 1.000 Euro im Monat
  • Zugriff auf relevante, aber kostengünstige Arbeitskräfte
  • schnellem und preisgünstigem Internetservice
  • einer gut entwickelten Infrastruktur – ÖPNV, Verfügbarkeit von Lebensmitteln und Verbraucherserviceleistungen
  • einer großzügigen Visapolitik
  • einer überschaubaren Bürokratie
  • steuerlichen Anreizen für Unternehmensgründungen
  • Vernetzungsmöglichkeiten, um eine Kundenbasis auf- und auszubauen, Mentoren sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden und/oder finanzielle Unterstützung zu sichern
Die perfekte Stadt für alle Startups wäre ein preisgünstiger, kreativ inspirierender Ort zum Leben. Sie hätte ein Umfeld, in dem klamme Unternehmer auch mit begrenzten Ressourcen gründen können, zugängliche Mentoren und Berater und Zugriff auf unterschiedliche Finanzierungsmodelle. Leider gibt es diesen Ort nicht. Jedenfalls nicht ganz. Aber es gibt drei Städte auf der Welt, die eine ganze Menge Vorteile vereinen. 

Kreativ, cool, international: Die drei Gewinner

Von wegen New York, Rio, Tokio – die interessantesten Städte für Neugründer sind Berlin, Tel Aviv und Bangkok. Alle drei haben sich als dynamische internationale Technik-Gründerstandorte bewährt. Und die Entwicklung geht weiter. Jeder dieser Standorte kann für Neugründungen im Technikbereich die perfekte Startrampe sein. Hier sind die Vor- und Nachteile der drei Hot Spots.

1. BERLIN, DEUTSCHLAND

Berlin gilt als einer der angesagtesten Standorte für Technik-Startups in Europa. Hier sitzen interessante Unternehmen, die sehr viel Medienaufmerksamkeit bekommen und Millionen an Risikokapital auf sich vereinen. Nach Recherchen der Plattform Startup Genome, steht Berlin hinter London an zweiter Stelle bei Neugründungen in einer europäischen Stadt und beherbergt zurzeit etwa 2.500 Technikunternehmen – darunter auch Technikriesen wie Google und Twitter.
Berlin

Tech Town Berlin: Riesen wie Google oder Twitter sind hier genauso zuhause wie junge Startups


Die Stärken:

Berlin wächst noch
Berlin befindet sich in einer wirtschaftlichen Entwicklungsphase. Vor allem seit der Wiedervereinigung im Jahr 1990 hat sich der Standort  ständig weiterentwickelt. Im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Städten, wie Frankfurt und München, gibt es in Berlin keine ausgebaute Industrielandschaft. Das hat Vor- und Nachteile; Vorteile zum Beispiel für kapitalschwache Startups.
Angebot und Nachfrage
In Berlin ist die Nachfrage immer etwas höher als das Angebot. Es gibt einen Überschuss an Fachkräften, aber wenige Jobs, die zur Verfügung stehen. Im Vergleich zu einem Großteil von Europa werden deshalb niedrigere Löhne gezahlt.
Bezahlbare Mieten
Berlin breitet sich immer weiter aus. Weil weniger Menschen viel Geld verdienen, gibt es leer stehende Immobilien zu erschwinglichen Preisen. Die Mieten sind verhältnismäßig niedrig und betragen etwa ein Drittel der Mieten in London oder Paris.
Kreativmetropole
Die niedrigen Lebenshaltungskosten ziehen junge Musiker, Künstler, Filmemacher, Designer und andere Kreative  an. In den letzten Jahren hat sich Berlin zu einem Zentrum für Kunst und Kultur in Westeuropa  mit einer dynamischen und inspirierenden Ausgehszene entwickelt. Auch ein Startup hat schließlich gelegentlich Feierabend.
Austausch
Gründer und Unternehmer gehen recht offen miteinander um. Sie behalten ihr Wissen nicht für sich, sondern tauschen sich gerne mit anderen aus. Unternehmer treffen sich, sie sprechen über Fachliches, helfen sich gegenseitig mit Empfehlungen und Geldquellen. Teilen spielt hier eine viel größere Rolle als in anderen Technologiezentren. Manchmal ist das zwanglose Treffen auch der Anfang einer Kooperation.
Startup-Erfolgsgeschichten: TradeMob, The Football App (die größte mobile Fußball-Community der Welt).

Die Schwächen:

Wenig Geld
Das Wachstum wird durch einen Mangel an Finanzmitteln bedroht. Zwar ist es meist nicht schwierig, eine Anschubfinanzierung in Höhe von ein paar tausend Euro zu finden, die nächste Finanzierungsrunde aber – die wesentlichen zwei bis drei Millionen Euro, die ein Unternehmen zum Wachsen braucht – ist eine große Herausforderung. 



2. TEL AVIV, ISRAEL

Obama hat Tel Aviv einmal die Heimat der „künftigen Weltwirtschaft“ genannt - und das aus gutem Grund. Die Stadt hat eine lange Tradition selbständiger Unternehmen, ein hochentwickeltes Finanzierungs-Ökosystem, eine dynamische Unternehmerkultur und eine breite Talentbasis, trotz Größe und isoliertem Standort.
Gründer befinden sich hier in bester Gesellschaft: Diese Stadt hat die höchste Dichte von Startups weltweit. Gemäß Statistik ist Israel heute Standort von 4.800 Startups und mindestens zwei Dutzend Accelerator-/Incubator-Programmen. Darunter befinden sich einige, die von Microsoft und Google betrieben werden. Allein in Tel Aviv gibt es mehr als 700 Startups in der Gründungsphase und etwa 1.200 High-Tech-Firmen - Tendenz steigend. Aus diesem Grund hat Startup Genome das Startup-Ökosystem von Tel Aviv als das zweitbeste der Welt hinter Silicon Valley bezeichnet.
Tel Aviv

Tel Aviv - eine der Städte mit der größten Dichte an Startups


2. TEL AVIV, ISRAEL

Obama hat Tel Aviv einmal die Heimat der „künftigen Weltwirtschaft“ genannt - und das aus gutem Grund. Die Stadt hat eine lange Tradition selbständiger Unternehmen, ein hochentwickeltes Finanzierungs-Ökosystem, eine dynamische Unternehmerkultur und eine breite Talentbasis, trotz Größe und isoliertem Standort.
Gründer befinden sich hier in bester Gesellschaft: Diese Stadt hat die höchste Dichte von Startups weltweit. Gemäß Statistik ist Israel heute Standort von 4.800 Startups und mindestens zwei Dutzend Accelerator-/Incubator-Programmen. Darunter befinden sich einige, die von Microsoft und Google betrieben werden. Allein in Tel Aviv gibt es mehr als 700 Startups in der Gründungsphase und etwa 1.200 High-Tech-Firmen - Tendenz steigend. Aus diesem Grund hat Startup Genome das Startup-Ökosystem von Tel Aviv als das zweitbeste der Welt hinter Silicon Valley bezeichnet.

Die Stärken:

Inspirierende Atmosphäre
„Es ist etwas Kulturelles“, sagt Yaniv Feldman, Gründer und Chefredakteur von Geektime.com. Er glaubt, dass die Israelis ihre größten Hürden – militärische Konflikte, kleines Land und geografische Isoliertheit sowie den Mangel an natürlichen Ressourcen – in die größten Trümpfe des Landes umgewandelt und damit die Grundlage für eine erfinderische Kultur geschaffen haben: „Die Israelis werden stets gezwungen, ihre Fantasie einzusetzen, um ihre Ziele zu erreichen. Außenstehende scheinen von dieser Kultur, die Risiken eingeht, inspiriert zu werden.“
Startups willkommen
Tel Aviv zieht viele Außenstehende an  und kommunale Behörden bemühen sich darum, die Stadt in einen Standort zu verwandeln, an dem Jungunternehmen zusammenfinden. Führende Politiker  setzen sich dafür ein, dass Aufenthaltsbeschränkungen gelockert werden. Sie bieten ein spezielles Startup-Visum an, das Ausländern ein temporäres Aufenthaltsrecht in Tel Aviv einräumt. Freies Netz gibt es übrigens in allen öffentlichen Bereichen.Tel Aviv verbessert ständig die Bedingungen für Gründer – und zieht damit auch ausländische Investitionen an.
Finanzierungsmodelle für alle
Israel pflegt ein robustes Risikokapital-Ökosystem. „Wir haben etwa 16 oder 17 Startup-Accelerators und etwa 25 Risikokapitalgeber,” erklärt Feldman. Für ein Land dieser Größe ist das sehr viel. Auch wenn die lokale Risikokapitalgeber-Szene im Vergleich zu den USA und Europa verhältnismäßig klein ist, steht viel Geld zur Verfügung – sowohl in der Gründungsphase als auch später. Startups haben im letzten Jahr mehr als 2,14 Milliarden Dollar an Finanzierungen erhalten, davon kam ein Viertel von lokalen Private Equity-Firmen.
Startup-Erfolgsgeschichten: Waze (die Crowdsourcing-Navigations-App, die von Google für mehr als eine Milliarde Dollar übernommen wurde); Trusteer (eine Cybersecurity-Firma, die laut Tech Crunch vor kurzem von IBM für etwa 800 Mio. USD gekauft wurde); My Heritage, die zweitgrößte Ahnendatenbank mit sozialem Netzwerk der Welt.

Die Schwächen:

Leben kostet
Die größte Schwäche von Tel Aviv sind die hohen Lebenshaltungskosten. Im letzten Jahr protestierten zehntausende Israelis landesweit gegen wachsende Wohnungs- und Lebenshaltungskosten. „Es gibt in diesem Bereich viel zu tun“, sagt Feldman. „Israel kann sich nicht selbst versorgen. Waren und Dienstleistungen müssen von außen eingebracht werden, damit das Land überleben kann. Das kostet.“
Exitstrategie
Die Szene ist stark von technologiegetriebenen Exits abhängig, also von Unternehmen, die nur wenige Jahre nach der Gründung erfolgreich veräußert werden. Das kann zur Schrumpfung oder Verknöcherung der Szene führen. 



3. BANGKOK, THAILAND

Die Startup-Szene in Bangkok ist im vergangenen Jahr explodiert. Sie ist noch nicht stark entwickelt aber sie ist vielversprechender als die meisten Startup-Ökosysteme.
Es gibt zur Zeit etwa zehn Unternehmen, die sich im Bereich von Loyalty Apps Konkurrenz machen und zahllose Gruppen, die Klone erwerben. Allerdings sind die Chancen groß, dass mit zunehmender Reife des Ökosystems ein Teil der Energie in andere Bereiche gelenkt wird.

Amarit Charoenphan von Hubba

Vernetzung für Startups in Thailand: Amarit Charoenphan gründete HUBBA Coworking Space, Thailands ersten Co-Working Space für Technologie und kreative Startups


3. BANGKOK, THAILAND

Die Startup-Szene in Bangkok ist im vergangenen Jahr explodiert. Sie ist noch nicht stark entwickelt aber sie ist vielversprechender als die meisten Startup-Ökosysteme.
Es gibt zur Zeit etwa zehn Unternehmen, die sich im Bereich von Loyalty Apps Konkurrenz machen und zahllose Gruppen, die Klone erwerben. Allerdings sind die Chancen groß, dass mit zunehmender Reife des Ökosystems ein Teil der Energie in andere Bereiche gelenkt wird. Bangkok ist das Zentrum der zweitgrößten Volkswirtschaft Südostasiens. Dies ist der Hauptgrund, warum Thailand als die sich am schnellsten modernisierende Volkswirtschaft der Region gilt. Die technische Infrastruktur, zum Beispiel Internet- und Smartphone-Verbreitung, entwickelt sich mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit. In Thailand gibt es mehr Handy-Verträge als Einwohner. Nach Schätzungen des thailändischen Ministeriums für Information und Kommunikation wird die Zahl der Internetnutzer des Landes bis Ende des Jahres 52 Millionen erreichen. Das entspricht einer Verbreitung von nahezu 75 Prozent. Zum Vergleich: die Verbreitung  in den USA liegt derzeit bei 80 Prozent.   Schließlich gibt es alleine in Bangkok über 18 Millionen Social Media-Nutzer. Die Stadt gilt damit als Facebook-Hauptstadt der Welt.

Die Stärken:

Unternehmer vor
Bangkok hat ein sehr gut etabliertes Unternehmertum. Recherchen des Global Entrepreneurship Monitor (GEM) haben bestätigt, dass Unternehmer einen Großteil der erwachsenen erwerbstätigen Bevölkerung im Land ausmachen. Diese Einstellung zieht sich durch: 86 Prozent der 18- bis 64-Jährigen betonten, dass sie bereit wären, neue Unternehmen zu gründen. Allerdings betrifft das in erster Linie „klassische“ Unternehmen. „Es gibt einen großen Bedarf an Unterstützung und Mentoring, um sich im digitalen Raum tatsächlich auszuzeichnen“, sagt Efraim Pettersen Ivender, CEO und Gründer von eKita, einer globalen Bildungstechnologieplattform. „Aber sie sind wissbegierig und bereit, zu lernen.“ 
Designer unter sich
Es gibt unglaublich viele Talente, insbesondere im Bereich Design. „Pixar, Lucas Arts und Disney haben hier nicht umsonst große 2D-/3D-Studios gebaut“, erwähnt Ivender. „Leider sind sie noch nicht so gut auf der Programmierungsseite.“ Aber auch das ändert sich.
Billig leben
Bangkok hat sehr niedrige Lebenshaltungs- und Betriebskosten. Zum Vergleich: Sie liegen etwa um 51 Prozent  niedriger als in New York, gemäß expatistan.comStartup-Erfolgsgeschichten: Builk, ein soziales Netzwerk im Baugewerbe, um dieses Gewerbe in das digitale Zeitalter zu begleiten, in dem Ingenieure, Unternehmen und Zulieferer online zusammengeführt werden; Ookbee, eine E-Book-Plattform, die auf einen lokalen Marktanteil von 90 Prozent kommt und sich erfolgreich nach Vietnam, Singapur und Malaysia ausgeweitet hat; und The Venture Catalyst Group, mit einer neuen Cloud Client-Plattform namens Penta. Mit dem Ziel, eine neue Cloud-Plattform für Smart TV, VoiP, Gesundheitslösungen und vieles mehr zu gestalten.

Die Schwächen:

Fremde Gründer unter Vorbehalt
Das Geschäftsumfeld ist erst einmal misstrauisch. „ Thailand ist noch kein voll modernisiertes demokratisches Land“, gibt Ivender zu. „Demzufolge sind alle unsere Firmen in Singapur ansässig. Wir versuchen, so wenig wie möglich hier zu haben.“
Geldgeber gesucht
Es gibt keine etablierte Angel- oder Risikokapital-Finanzierung. „Es gibt sehr viel Geld. Wohlhabende Familien und Menschen, die Angels sein möchten“, erläutert Amarit Charoenphan, Startup-Unternehmer, Mitgründer und Co-CEO von @HUBBA Coworking Space, Thailands erstem Co-Working Space für Technologie und kreative Startups. „Aber nur wenige verstehen Technologieinvestitionen. Sie kennen nur Unternehmen, die Dividenden ausschütten, wie Läden, Fertigungsbetriebe oder Immobilien.“ Alle Fonds für die Region sind deshalb in Singapur oder Hongkong ansässig, wobei ein hoher Anteil der Finanzmittel aus Japan stammt.