Die Fanta Spielplatz-Initiative geht in die heiße Phase: Noch bis zum 7. Juni 2015 können Spielplätze vorgeschlagen werden - danach wird abgestimmt! Sophie Lüttich, Bloggerin von BerlinFreckles und Spielplatzexpertin berichtet über die Situation in Berlin.
Warum beschäftigst du dich mit Spielplätzen?
Ich interessiere mich seit fünf Jahren dafür, damals kam mein Sohn ins Spielplatzalter. Inzwischen habe ich drei Kinder. Spielplätze sind in allen Großstädten ein großes Thema. Außer Häusern, Straßen und definierten Spielplätzen gibt es nicht viel. Berlin-Friedrichshain ist nicht eben für Freiflächen zum Toben bekannt. Umso größeren Wert legen Eltern auf Spielplätze, die keine Gefahr darstellen, wo die Kinder spielen können, ohne dass Mama und Papa ständig hinterherklettern müssen, weil die Kinder sonst vom kaputten Gerüst fallen.
Gibt es schöne Plätze, wo du wohnst?
Tatsächlich gibt es hier einige schöne Spielplätze. Meist sehen die aber nur am Anfang toll aus. Da sieht man, dass da Fördermittel drinstecken. Leider klappt es nicht mit der Wartung.
Woran liegt das?
Ich war im Kindergarten Elternvertreterin und saß dann im Bezirkselternausschuss. Eltern von Vorschulkindern haben dort durchaus Beteiligungsrechte. Es gibt zum Beispiel eine Spielplatzkommission. Dort habe ich erfahren, dass das Geld des Bezirks gerade reicht, damit zwei Mal pro Woche Müll entfernt wird. Das hat mich schockiert. Ich dachte immer, es sei klar, dass eine kinderfreundliche Stadt Geld für die Wartung in die Hand nimmt.
Was passiert statt Wartung?
Aus Sicherheitsgründen wird abgesperrt oder abgebaut. Die Spielplätze werden immer leerer. Erst fehlt die Schaukel, dann die Rutsche, dann ein Spielhaus. Irgendwann gibt es nur noch Sand. Das freut die Krabbelkinder, zumindest bis sie aus dem Sandkuchenalter raus sind. 
Wie kann man das ändern?
Aktionen wie die Fanta Spielplatz-Initiative bringen da eine ganze Menge. Nicht nur, weil Eltern ihre Spielplätze vorschlagen können. Solche Initiativen führen dazu, dass die Aufmerksamkeit steigt. Wer einen Spielplatz anmeldet, muss den Zustand beschreiben und später Leute aktivieren, dafür abzustimmen. Neulich haben Eltern sogar die Zeitung eingeschaltet, um auf einen Platz aufmerksam zu machen.
Die Initiative bringt den Zustand der Spielplätze also erst ins Bewusstsein?
Ja, die Eltern kommen überhaupt erst auf die Idee, dass sie etwas tun können und sie bekommen eine andere Einstellung gegenüber dem Spielplatz. Unter Eltern gibt es manchmal eine Full-Service-Mentalität, die auf Spielplätzen einfach nicht funktioniert. Da kommt nicht der Roomservice und macht alles wieder schick, wenn die Mamas ihre Kaffeebecher liegenlassen. Deshalb habe ich gleich ja gesagt, als Fanta fragte, ob ich darüber berichte. 
Was ist bei den meisten Spielplätzen zu tun?
Manchmal müssen Teile ausgetauscht oder repariert werden, da geht es dann um Sturzgefahr und Verletzungsgefahr. Spielplätze aus Holz sind wunderschön, aber auch wartungsanfällig und schnell gefährlich. Weniger dramatisch ist, dass die meisten Plätze furchtbar phantasielos sind. Meist trifft man auf das Modell 0815: Eine Schaukel, eine Rutsche, Sandkiste, basta. Da wundern wir uns, dass Kinder keinen Spaß haben. Ich habe es schon oft erlebt, dass meine Kinder nach kurzer Zeit wieder vor mir standen und sagten, sie haben es alles durch. Denen ist es dann langweilig. Wenn ich irgendwann anfangen muss, meine Kinder zu suchen und sie ins Spiel vertieft finde, ist der Platz toll.
Wie sieht für dich der perfekte Spielplatz aus?
Ich finde es immer schön, wenn es Möglichkeiten gibt, sich zu verstecken. Kinder wollen nicht ständig in einer Arena sitzen, umringt von Mamis und Papis. Da können Findlinge liegen, vielleicht gibt es ein Gebüsch und Wasser natürlich. Wenn Kinder matschen können, ist das ganz groß.
Wie sehen andere Bloggerinnen das Thema Spielplatz?
Da wird gerade ein Thema viel diskutiert: Es gibt Untersuchungen, ob Spielplätze gendergerecht sind. So ein Quatsch. Das Problem ist nicht, dass unsere Spielplätze nicht mädchen- oder jungengerecht sind, sondern dass sie so phantasielos sind, dass damit niemand etwas anfangen kann oder dass sie so ruinös sind, dass sie gefährlich werden. Es gibt auch Gemeinden, die haben einen Spielplatz und der ist tot. Da quietscht ein altes Karussell vor sich hin und am rostigen Klettergerüst blättert die Farbe ab.
Muss es denn immer ein offizieller Spielplatz sein?
Eigentlich nicht. Was ich bei der Fanta Spielplatz-Initiative schön finde: Man kann nicht nur Spielplätze nennen, sondern auch Spielräume, also Flächen oder Straßen. Hier gibt es eine Anwohnerinitiative, die sich dafür einsetzt, eine ruhige Straße temporär zur Spielstraße zu machen, so dass man an drei Tagen pro Woche die Kinder mit Kreide und Ball rausschicken kann. Wenn es genug Spielräume gibt, dann muss ein einziger Spielplatz auch nicht mehr alles leisten und allen gefallen, vom Krabbelkind bis zu den tobenden Großen. 
Was würdest du dir von der Fanta Spielplatz-Initiative wünschen?
Ich fände es toll, wenn irgendwo eine Wasserspielanlage entsteht. Da haben alle Kinder etwas davon. Das ist anders als bei einer Schaukel, wo nur ein Kind schaukelt und drei andere warten müssen. Mit Wasser kann jeder etwas anfangen. Mein Sohn ist sechs, der baut Staudämme, meine Tochter drei und matscht mit Wasser und Sand. Beide lieben es.