Kinder sind Entdecker – kleine Abenteurer, die die Welt erobern möchten. Freies und kreatives Spielen ist dabei besonders wichtig, da es die motorischen, kognitiven und sozialen Fähigkeiten fördert und entscheidenden Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung nimmt. Am besten geht das in der freien Natur: Hier gibt es genügend Platz, der die Fantasie anregt und Raum fürs Toben und Experimentieren lässt. Wenn aber Wetter und Terminkalender nicht mitmachen, kann auch das eigene Zuhause zum Spielplatz werden. Dirk Schelhorn, Experte der Fanta Spielplatz-Initiative für kreatives Spielen, hat dafür viele einfache, doch fantasievolle Tipps.

Das Wohnzimmer als Abenteuerspielplatz

Kinder sind stolz, wenn ihre Freunde zu ihnen zum Spielen kommen. Wenn sie dann noch das Wohnzimmer – also das Zentrum des Familienlebens – für ihre Aktivitäten nutzen dürfen, sind sie umso begeisterter.

Eine anregungsreiche Umgebung und die Ermutigung zu neuen Bewegungs- und Materialerfahrungen sind wichtige Voraussetzungen für die kreative Entwicklung. Das Wohnzimmer bietet mit Tischen, Stühlen, Sofa, Fenstern und Topfpflanzen viele Elemente, die ins Spielen integriert werden können. Tische und Stühle eignen sich perfekt als Rückzugsorte: Mit Laken oder Decken versehen, ist schnell eine kleine Höhle geschaffen, in der gespielt werden kann. Ebenso lässt sich aus abgedeckten Stühlen einfach ein Tunnel bauen. Die Idee lässt sich noch ausweiten: Warum nicht einmal mit Laken und Bindfäden eine Zeltstadt aus Stühlen und Tischen bauen? Variable Möbel helfen auch bei Kindergeburtstagen: Statt am Tisch sitzen zu müssen, dürfen die Kleinen wie Beduinen auf dem Boden feiern.

Der Garten als Spiel- und Bewegungsparadies

Auch der eigene Garten bietet viel Entdeckungspotential für Kinder. Mit einfachen Mitteln kann aus dem eigenem Garten schnell ein Spielparadies werden.

Kinder brauchen Naturerfahrung und lieben es, Dinge zu entdecken. Dabei spielen Pflanzen eine große Rolle. Blütensträucher wie z. B. Sommerflieder, der viele Schmetterlinge lockt, ein Kletterbaum, Kräuter, Waldhimbeeren am Zaun und Wicken für Blütengirlanden ermöglichen, mit allen Sinnen die Natur zu erkunden. Durch gezielte Strauchpflanzung können Höhlen oder Nischen zum Zurückziehen entstehen. Oft reichen dazu zwei bis drei Sträucher in einer hinteren Ecke des Gartens, wie z. B. Hasel oder Ebereschen. Aus alten, an Zaunpfosten oder Bäumen befestigten Bettlaken, lässt sich schnell eine Hängematte zum Schaukeln oder auch als Ort zum Lesen und Vorlesen machen. Zum Erobern des Gartens reichen einige Bohlen, Baumstammabschnitte oder Steine – damit bauen Kinder sich selber ihren Weg und können nach Herzenslust experimentieren. Seile zwischen Bäumen eignen sich zum Balancieren. Zum Ausprobieren lädt auch eine kleine Kuhle mit Sand, Steinen, Blättern und Tannenzapfen ein. Zusätzlich regen lose Materialien wie Stöcke, Bretter, Kieselsteine, Seile und alte Planen die Kinder an, fantasievoll eine eigene Welt zu schaffen.

Die einzelnen Empfehlungen lassen sich einfach in jedem Garten umsetzen und wer weiß – vielleicht entdecken so auch die Erwachsenen das Kind in sich?