Einatmen, ausatmen, da ist er wieder: der unverwechselbare Duft, der die ganze Grillsaison in der Luft liegt. Grillsaison ist natürlich etwas für Freizeit-Griller. Eine Grillsaison gibt es für Thorsten Brandenburg nicht. Der deutsche Meister am Grill legt die Grillzange das ganze Jahr nicht aus der Hand. Außer, wenn er über Rezepte und Erfahrungen bloggt.

Thorsten Brandenburg

GRILLMEISTER: Thorsten Brandenburg


SEINE GRILL-BIOGRAPHIE begann erst richtig, als er von seiner Frau einen Kugelgrill zum Geburtstag bekam. Bis dahin hatte Thorsten sich mit Flachgrill und Kotelett begnügt. Doch nun eröffnete ihm der Kugelgrill neue Welten: Rundumhitze, Räuchern, indirektes Garen. Statt Würstchen landeten bald ganze Bratenstücke auf dem Rost. Heute tritt Thorsten bei internationalen Grillmeisterschaften an und trägt die Titel „Deutscher Meister der Amateure“ und „Vizemeister der Profis“. Eigentlich, sagt Thorsten, grillt er erst seit sechs Jahren „richtig“.

Bald baute er seine Terrasse zur Open-Air-Küche um. Er feuerte, experimentierte und klickte sich durch Grillforen zum Rezeptaustausch. Dann wurde ihm alles zu unübersichtlich. Vor drei Jahren eröffnete Thorsten seinem Blog BBQPit um dort seine Rezepte für Freunde zu sammeln. Inzwischen ist BBQPit zu Deutschlands größtem Grill-Blog herangewachsen – mit bis zu 25.000 Lesern am Tag. 

Garen am offenen Feuer ist seit je her Männerdomäne. Es sieht nicht aus, als würde sich daran etwas ändern.


Diese sind, wie nicht anders zu erwarten, in erster Linie Männer; oder Frauen, die Geschenke für ihre Männer suchen. Nahrungszubereitung am offenen Feuer ist seit je her Männerdomäne und es sieht nicht aus, als würde sich daran etwas ändern. Den Grund dafür vermutet Thorsten irgendwo in der Steinzeit. Die Leser, die sich im Kommentarbereich und über Facebook bei ihm melden, sind vor allem Grill-Amateure. Für die wird der Blog auch geschrieben. Hier geht es nicht um das Fachsimpeln unter Profis, sondern um Tipps und Rezepte, mit denen jeder etwas anfangen kann. Deshalb sind die Beschreibungen detailliert und die Umsetzung ist machbar – auch für den technisch nicht so hochgerüsteten Anfänger am Feuer.

So geht Grillen - Blogoskop
RAUCHZEICHEN: Thorstens Tipps richten sich auch an Gelegenheits-Griller

Würstchen, Steak, Burger, Kotelett, natürlich grillt Thorsten auch die Klassiker. Aber auch denen verleiht er durch selbst gemachte Saucen, Marinaden, Beilagen und eigene Gewürzmischungen einen speziellen Dreh. Im Mittelpunkt des Blogs steht natürlich das Fleisch in all seinen Varianten. Die Rezepte für gefüllte Brote, Süßkartoffelpommes, Avocadosalat, Apfelchutney und gegrillte Erdbeeren sind allerdings weit mehr als Sidekicks. Auch hier zeigt Thorsten: Würstchen mit Kartoffelsalat können ganz anders schmecken, als wir es kennen.

Eine gute Glut braucht vor allem eins: Geduld.


Wer durch die Technikempfehlungen, Restauranttipps und die vielen Rezepte klickt, möchte nach der Lektüre zum Glück nicht die Grillschütze an den Nagel hängen und Vegetarier werden (übrigens gibt es eine große Auswahl vegetarischer Rezepte), sondern eigentlich am liebsten sofort loslegen mit Holzkohle und Grillgut. Thorsten hat uns seine wichtigsten Tipps für Anfänger und Gelegenheits-Griller verraten:

1. Der richtige Grill

„Klar, für den einmaligen Einsatz auf der Picknickdecke tut es ausnahmsweise auch ein Einmal-Grill von der Tanke. Viel mehr hat der Anfänger aber von einem einfachen Rundumgrill. Ein kleiner Kugelgrill oder ein anderes Modell mit Deckel kostet nicht viel, lässt sich leicht transportieren und hat die besseren Grilleigenschaften.“

2. Das Feuer

„Eine gute Glut braucht vor allem eins: Geduld. Mit einem Anzündkamin sind Holzkohle und Briketts in etwa 20 Minuten durchgeglüht. Viele Griller nehmen zu viel Holzkohle und Briketts. Meist wird dann auch viel zu heiß gegrillt. Das Ergebnis kennt jeder: Die Wurst ist innen roh und außen schwarz. Ich sage immer: Man muss vorher entscheiden, ob man Grillen oder Schmieden will.“

3. Das Fleisch

„Bei Fleisch empfehle ich generell: lieber selten, dafür aber qualitativ hochwertig. Das darf dann auch etwas mehr kosten. Es lohnt sich außerdem, mal ein bisschen weiter zu denken als Würstchen. Dabei muss es nicht gleich langsam gegartes Pulled Pork sein. Spieß mit Hähnchen und Apfel zum Beispiel geht einfach, schmeckt sehr gut und macht was her.“ 

4. Soßen und Marinaden

„Marinaden selbst zu machen ist nicht schwer und das Ergebnis schmeckt immer besser als die fertig marinierten Sachen aus dem Supermarkt. Außerdem weiß man, was drin ist. Das Gleiche gilt für die Saucen. Hier ist zum Beispiel eine Sauce mit Cherry Coke.“

Cherry Chipotle BBQ-Sauce

Macht sich gut als Glasur auf Ribs oder als Dip.

Das brauchst du:

  • 2 Gläser Kirschmarmelade (340g je Glas)
  • ca. 400ml Cherry Coke
  • ca. 400ml Ketchup
  • 4 EL Zitronensaft
  • 4 EL Worcestershire Sauce
  • 4 EL scharfer Senf
  • 3 EL Chipotle Salsa
  • etwas Chili- und/oder Chipotlepulver
  • 3 EL Liquid Smoke Hickory

So geht’s:

Alle Zutaten werden in einem Kochtopf zusammen gerührt und erhitzt bis es anfängt zu kochen. Dann lässt man die Sauce auf niedriger Temperatur langsam reduzieren, damit sie dickflüssiger wird. Die Menge der Sauce sollte etwa 1/3 der Ursprungsmenge betragen. Das dauert relativ lange und man sollte regelmäßig umrühren.

Zuletzt geht man mit einem Pürrierstab durch die Sauce, um die Kirschstücke zu zerkleinern. Den Schärfegrad kann man mit dem Chilianteil selbst bestimmen. Lieber nicht übertreiben, nachwürzen geht immer.

Sobald die Sauce abgekühlt ist, kann man sie in Flaschen füllen und im Kühlschrank bis zu sechs Monate aufbewahren. Die Sauce eignet sich perfekt als Glasur, wie zum Beispiel auf Ribs. Sie ist fruchtig-süss, würzig und sie hat durch das Chipotlepulver und den Liquid Smoke ein tolles Raucharoma.