Sie sind süß. Sie sind so gut wie kalorienfrei. Sie sind umfangreich getestet und von offiziellen Behörden für sicher befunden worden - zuletzt von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) im Dezember 2013. Und doch stehen sie immer wieder in der Kritik: Süßstoffe. Einige Mythen und Vorurteile halten sich hartnäckig - obwohl Aspartam und Co. zu den am besten untersuchten Lebensmittel-Zusatzstoffen überhaupt gehören. Was ist dran an der Kritik? Journey fragt nach bei der Oecotrohologin Anja Krumbe vom Deutschen Süßstoff-Verband.

1. Süßstoffe machen hungrig. Oder?

Nein, Süßstoffe machen nicht hungrig! Sie machen allerdings auch nicht satt. Wer satt werden will, der muss Energie zuführen in Form von Kohlenhydraten, Fett oder Eiweiß. Süßstoffe liefern keine Energie, sie sorgen einfach nur dafür, dass ein Getränk oder eine Speise süß schmeckt. Die Lust auf Süßes können Süßstoffe stillen, den Hunger nicht.

2. Wir hören immer wieder, Süßstoffe machten dick. Stimmt das?

Nein, Süßstoffe machen nicht dick! Gewicht zulegen kann man nur, wenn die Kalorienaufnahme langfristig größer ist, als der Kalorienverbrauch. Süßstoffe liefern keine Kalorien und können also auch nicht zur Gewichtszunahme beitragen.

3. Dann machen Süßstoffe also schlank?

Von ganz alleine machen Süßstoffe leider nicht schlank. Sie können aber bei der Gewichtsreduktion sehr hilfreich sein, wenn sie im Rahmen eines ausgewogenen Ernährungs- und Bewegungsverhaltens eingesetzt werden.

4. Man sagt, Süßstoffe werden in der Schweinemast eingesetzt, damit die Ferkel schön rund werden. Richtig?

Süßstoffe werden keinesfalls in der Schweinemast eingesetzt. Wenn überhaupt, dann wird Saccharin verwendet, um das Futter für die Ferkel nach dem „Abstillen“ schmackhaft zu machen. Das hat mit „Schweinemast“ nichts zu tun, da Süßstoffe nicht den Appetit fördern. 

5. Süßstoffe werden künstlich hergestellt und sind damit irgendwie "unnatürlich".

Es ist richtig, die meisten Süßstoffe werden in der Fabrik hergestellt, das heißt aber keinesfalls, dass sie ungesund sind. Süßstoffe unterliegen strengsten rechtlichen Anforderungen, bevor sie für den Verzehr freigegeben werden.

„Herstellung in der Fabrik“ bedeutet für Süßstoffe, dass einzelne Stoffe – die zum Teil auch in Lebensmitteln vorkommen – anders verbunden werden und damit einen extrem süßen Geschmack bekommen. Chemische Reaktionen finden wir übrigens auch im Alltag, zum Beispiel beim Kochen, Backen oder Braten, auch hier tragen die dabei ablaufenden Stoffumwandlungen zum Aroma (z.B. Röstaroma) der Speisen bei. Auch in unserem Körper laufen ständig chemische Reaktionen ab, z.B. wenn Nahrung in ihre Bestandteile zerlegt wird.

6. Dürfen auch Kinder Süßstoffe verzehren?

Süßstoffe sind auch für Kinder gesundheitlich kein Problem, wenn sie – wie alles – in Maßen verzehrt werden. Als Faustregel gilt: Nur soviel süßstoffgesüßte Produkte für Kinder verwenden, wie auch für zuckergesüßte Produkte empfohlen wird. Ein besonderer Vorteil der Süßstoffe: sie sind zahnfreundlich. Das fällt vor allem bei Kaugummi, Bonbons und Lutschern ins Gewicht, bei denen es einen langen Kontakt zu den Zähnen gibt.

7. Aspartam ist reine Chemie und kann vom Körper nicht verwertet werden.

Aspartam kommt in der Natur nicht vor, aber es besteht aus natürlich vorkommenden, Bestandteilen (Phenylalanin, Asparaginsäure und Methanol), die miteinander verknüpft werden, so dass eine süß schmeckende Substanz entsteht. Bei der Verdauung wird Aspartam in diese Bestandteile zerlegt und verdaut, als wäre es ein natürliches Lebensmittel.

8. Aspartam enthält Methanol. Ist das gefährlich?

Bei der Verstoffwechselung von Aspartam entstehen neben den Aminosäuren Phenylalanin (ca.50%) und Asparaginsäure (ca.40%) auch 10% Methanol, ein Alkohol, der von Natur aus auch in Säften, wie Tomatensaft und Obst, z.B.Bananen vorkommt. Von „gefährlich für die Gesundheit“ spricht man bei Methanol erst, wenn eine sehr hohe Konzentration überschritten wird. Geht man von einem Erwachsenen mit 70 kg Körpergewicht aus, wäre eine kurzfristige Aufnahme von 7.000 Milligramm Methanol notwendig, um einen toxischen Effekt zu erzielen. Um diese Menge mit einem Lightgetränk zu erreichen, müssten ungefähr 2900 Gläser á 200 Milliliter getrunken werden – und das in kurzer Zeit! Wartet man mit dem Trinken zu lange, wird das Methanol aus den ersten Gläsern beim Trinken des letzten Glases bereits abgebaut sein. Tomatensaft wäre übrigens deutlich „gefährlicher“, da er nahezu dreimal mehr Methanol enthält, als Lightgetränke. Aber auch mit Saft oder anderen natürlichen Lebensmitteln, die Methanol enthalten, ist eine Gesundheitsgefährdung durch die sehr geringe Konzentration ausgeschlossen.

9. Wenn man sehr viele Light-Produkte konsumiert, liegt man schnell über dem täglich annehmbaren Aufnahmewert. Oder?

Es gibt einen Richtwert, der die höchste empfohlene Verzehrsmenge für bestimmte Zusatzstoffe beschreibt: den so genannten ADi-Wert (Acceptable Daily Intake). Unter dem ADI-Wert versteht man die Menge eines Zusatzstoffes, die bezogen auf das eigene Körpergewicht täglich über die gesamte Lebenszeit ohne Gesundheitsrisiko konsumiert werden kann. Dieser Wert beinhaltet einen hundertfachen Sicherheitszuschlag. Selbst wenn man kurzfristig mehr konsumiert und den ADI-Wert überschreitet, sind keinerlei gesundheitliche Beeinträchtigungen zu befürchten, da der ADI-Wert lediglich eine Empfehlung für das langfristige Konsumverhalten darstellt. Bei normalen Konsumgewohnheiten ist es in der Praxis unmöglich, den ADI-Wert zu überschreiten. 

10. Sind Süßstoffe Auslöser von Krankheiten?

Alle seriösen und nach wissenschaftlichen Standards durchgeführten Studien zeigen, dass bei normalem Konsum keine Krankheiten durch Süßstoffe verursacht werden. Neben den bereits vor der Zulassung durchgeführten Sicherheitsstudien liegen zahlreiche weitere wissenschaftliche Arbeiten vor, die eindeutig zeigen, dass vom Süßstoffkonsum keine Gefahr ausgeht. Krankheiten, auch Krebs, entstehen in der Regel durch ein komplexes Zusammenspiel verschiedener auslösender Faktoren. Warum ein Mensch z.B. einen Tumor bekommt und ein anderer nicht, lässt sich bis heute nicht eindeutig beantworten. Einerseits kann die Veranlagung für Krebs vererbt werden, also in den Genen festgelegt sein. Andererseits können äußere Faktoren die Entwicklung verursachen oder eine vererbte Veranlagung verstärken. So gelten beispielsweise Rauchen, exzessive Sonneneinstrahlung, aber insbesondere auch Übergewicht als Ursache für Stoffwechsel- und Koronarerkrankungen und sogar für die Entstehung von Tumoren. Süßstoffe können insbesondere bei der Vorbeugung von Übergewicht eine positive Rolle spielen und somit zur Vermeidung von Krankheiten beitragen.