• Jeden Monat stellen wir euch ein spannendes Start-up vor!
  • Wir wollen uns nicht auf schöne Pressetexte verlassen, sondern die Angebote wirklich ausprobieren.
  • Natürlich im Selbstversuch, egal ob Sportprogramm, Hundetraining oder Reiseportal.
  • Diesmal: Die Gentleman-App Mr. Noble.
Da ist er wieder, dieser Spruch: Tür aufhalten? Ach komm, du bist doch emanzipiert. Gilt wahlweise auch für: Du findest alleine in deinen Mantel, kannst als erste ins Restaurant spazieren und brauchst keine Begleitung auf dem Heimweg. Interessant daran: Darauf, dass er ein Gentleman sei, besteht der Sprücheklopfer dann doch. Die moderne Variante eben. Ach ja? Schauen wir doch mal, was der moderne Gentleman wirklich können muss – außer eine Krawatte zu binden.
KLEIDERSCHRANK im Smartphone: Mr. Noble
KLEIDERSCHRANK im Smartphone: Mr. Noble


Mr. Noble ist nach eigener Beschreibung das „digitale Schweizer Taschenmesser für den Gentleman“. Mr. Noble solle ein „Helfer für Stilfragen“ sein, sagt Mit-Gründer Til Benzino. „Die Idee entstand vor etwas mehr als zwei Jahren, als ein Bekannter (mein jetziger Kollege) feststellte, dass es keine Website oder App gibt, die alle Infos über die Details der klassischen Herrenmode an einem Ort bündelt.“
Ich öffne die App und lande: in einem Kleiderschrank.  In der kostenlosen Grundversion von Mr. Noble schaue ich mir Anzüge und Hemden an, lerne etwas über Geschichte und Hersteller, Passformen und Muster. Nicht zu vergessen: die Pflege. „Im Idealfall wäscht man seine Hemden auch immer selber“, lerne ich hier, es gibt umfangreiche Bügeltipps – von der richtigen Ausrüstung bis zur detaillierten Schritt-für-Schritt-Anleitung. Der Gentleman scheint sich in Sachen Hausarbeit emanzipiert zu haben. Selbst bei Anzügen wird die professionelle Reinigung erst angeraten, „wenn Lüften, Ausbürsten und feuchte Lappen nicht mehr helfen.“

Ich frage mich: Geht es für den modernen Gentleman heute nur noch um den Look – und nicht mehr um seine Umgangsformen?

Doch zurück zum Kleiderschrank: Krawatte binden – das kann auch für uns Frauen hilfreich sein. Weil der Freund/Mann/Vater/Neffe/Cousin/Sohn es nicht hinkriegt oder wir selbst eine tragen wollen. Nach einem In-App-Kauf lerne ich reichlich über die richtige Länge und Breite, das perfekte Material und die angesagte Tragweise. Und da gibt es natürlich auch: Viele, viele Knoten. Four-in-Hand (das einfache Ding), einfacher Windsor oder auch Eldredge. Der sieht nach drei Knoten gleichzeitig und ein bisschen unbequem aus, deshalb entscheide ich mich für einen doppelten Windsor.

Keine Argumente gegen Schnauzer

Dass für einen Gentleman auch das Aussehen oberhalb der Krawatte wichtig ist, wundert mich nicht. Ein ausführliches Pflege-Kapitel beschäftigt sich unter anderem mit Haaren und Bärten. Drei Tage, voll oder geschnauzt? Kenne ich alles schon von meinem Mann. Ich suche nach einem Hinweis, dass der Schnauzer nicht besonders gentlemanlike ist, um meinen Angetrauten in Zukunft davon abzubringen. „Sehr von der Mode beeinflusst, erlebt diese Bartform immer wieder eine Renaissance“, muss ich aber lesen – und den Kampf gegen den Schnauzer dann wohl doch weiter alleine ausfechten.

Perfekt ausgerichtet und anzusehen

SCHUHE und Gürtel passen, verspricht der digitale Stilberater
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Ich lockere kurz den engen Windsor um meinen Hals und wende ich mich wieder Mr. Noble zu. Wine & Dine! Na, wenn das nicht das klassische Feld für gentlemanmäßiges Verhalten ist. Ein Blick in die App und schon hat Mann das richtige Vokabular für die Weinbegleitung. Auch über Tee und Kaffee ist etwas dabei, besonders ausführlich kann sich der angehende Gentleman über Whiskey informieren. Und dann, endlich, beim Thema „Zu Tisch“ finde ich einen Verhaltenshinweis: „Sich zu Tisch manierlich verhalten zu können, ist eine der Pflichttugenden des Mannes von Welt“. Aha. 
Die Herren finden hier auch etwas über Tischordnungen und das Tischdecken. Während ich mich noch mit der perfekten Ausrichtung des Wasserglases befasse, werde ich ein Gefühl nicht los: Weitere Verhaltensregeln werde ich bei Mr. Noble nicht finden. Wenn die Männer mit dieser App das perfekte Gentleman-Aussehen hinbekommen und beim Abendessen einen guten Wein auswählen, ist das aber auch schon ein Gewinn. Fürs Türaufhalten suche ich mir einfach eine andere App.


Seit 2013 gibt es das „Coca-Cola Founders Network“, das weltweit nach jungen, kreativen und motivierten Gründern sucht, um sie bei der Entwicklung innovativer StartUp-Ideen zu unterstützen. 10 StartUp-Teams aus Metropolen wie Rio de Janeiro, Buenos Aires, Bangalore, Istanbul oder Singapur und Berlin gehören inzwischen dazu.