Ein Trend geht um die Welt: Rund um den Globus verbringen immer mehr Menschen ihre Arbeitszeit am Computer – und das in der Regel unter Stress und länger als vorgesehen. Die negativen Folgen sind vielfältig: Zu wenig Zeit für Familie und Freunde und unausgewogene Ernährung sind nur zwei Beispiele. Dabei ist gutes Essen in netter Gesellschaft der beste Stresskiller. Mit der Aktion "mmmh & aaahh – Zusammen schmeckt's besser" will Coca-Cola die Deutschen deshalb wieder an einen Tisch holen. Andere Länder machen es uns vor: Nach unserem Bericht über die italienische Esskultur folgt hier ein Kurztrip an eine russische Tafel...

Restaurant Dascha in Berlin Friedrichshain

Im Restaurant Dascha in Berlin Friedrichshain erzählt uns Julia Azovskaja von Geselligkeit und russischen Traditionen


Der russische Tisch ist voll. Voll mit gutem Essen, voller Menschen, voller Leidenschaft. Wenn Julia Azovskaja von Gelagen in ihrer Heimat erzählt, will man weg von seinem kleinen Salat, den man sich allein in der Mittagspause hastig reinschaufelt – an einen Tisch mit Familie und Freunden. „In Russland ist die Geselligkeit beim Essen wichtiger als das Essen selbst“, sagt Julia, die im russischen Restaurant Datscha in Berlin Friedrichshain arbeitet.

Ein Tisch voller Köstlichkeiten

Dabei gibt es bei einem traditionellen russischen Abendessen mehr als genug zu essen für alle: Salate, Suppen, Fleisch- und Fischgerichte und süßer Nachtisch kommen auf den Tisch, bis er sich in der Mitte durchbiegt. Wichtiger Unterschied zu einem Essen in deutscher Runde: Alle Gänge werden zusammen und nicht nacheinander serviert. „Die Struktur und Ordnung eines deutschen Mahls gibt es in Russland nicht“, verrät Julia. „Jeder isst, was er will, wann er will.“

Beim Wodka wird es kompliziert

Doch so einfach ist es dann doch nicht: Wenn Wodka ins Spiel kommt, kommen auch die Regeln. Die erste Regel ist tatsächlich keine Legende: Wodka gehört zu jedem guten Essen. Natürlich trinken nur die Erwachsenen, und keineswegs immer. Aber als Begleiter eines geselligen Essens ist das Nationalgetränk ein Muss. Zweites Gebot: Niemand trinkt allein! Während der Deutsche zwischendurch ohne Absprache einen Schluck Wein oder Bier nimmt, wird das Wodka-Glas gemeinsam und immer nach einem Trinkspruch geleert. Getrunken wird auf alles Schöne im Leben: Die Liebe, die Gesundheit, die Freundschaft...

Nicht nur gegessen und getrunken, auch gekocht wird gemeinsam

Und noch etwas gilt es penibel einzuhalten, mahnt Julia Azovskaja: „Die Flasche wechselt nicht die Hand!“ Wer also den ersten Wodka eingeschenkt hat, ist den ganzen Abend dafür zuständig. Ansonsten herrscht Arbeitsteilung: Beim Gemüse Schnippeln, Fleisch Schmoren oder Füllen und Falten der Pelmeni (Teigtaschen) fassen die Gäste mit an.

Keine leichte Kost

Fleisch, Fisch und Kartoffeln spielen in der russischen Küche eine große Rolle, an Fett wird nicht gespart. „Wir bieten unseren Gästen in der Datscha grünen Salat an; in Russland aber müssen Sie einen Salat ohne Mayonnaise lange suchen!“ warnt Julia. Olivje zum Beispiel, ein typischer russischer Salat, besteht aus gekochten Kartoffeln, Erbsen, Möhren, Eiern, Salzgurken, Fleischwurst und  Mayonnaise. Vielen Restaurantgästen ist das zu viel Masse.

Auf Ausgewogenheit kommt es an

Allerdings gehören die gehaltvollen Zubereitungen nicht den ganzen Tag auf den Speiseplan. Morgens isst man zum Beispiel Haferflocken oder Buchweizenbrei, gesüßt mit варенье, mit Marmelade also. Während man sich den Tag über mit Suppe, Gebäck und Tee über Wasser hält, wartet man auf das üppige Mal traditionell bis zum Abend. Wer sich in Russland an alte Gepflogenheiten hält, braucht keine Angst um seine Figur zu haben. Zu wenig Bewegung, zu viel Stress und ein Überangebot an kalorienreichen Speisen sorgen allerdings genau wie in Deutschland auch in Russland für eine steigende Zahl an Übergewichtigen.  „Russland muss, was gesundes Essen und Nachhaltigkeit angeht, noch lernen. Und das tut es. Mal sehen, was am Ende von den Traditionen übrig bleibt.“ Die Liebe zum gemeinsamen Essen muss unbedingt bleiben. Auf die Geselligkeit!

Rezepttipp: Soljanka (einfach und schnell)

Soljanka

Deftiges Nationalgericht, einfaches Rezept: die russische "Soljanka"


Zwiebeln mit Speck anbraten. Geschnittene Fleischwurst dazugeben, nach Geschmack auch Salami.

Paprika in Würfeln hinzufügen, dann Tomatenmark und Knoblauch unterrühren. Anschließend gewürfelte Gurken und Gurkenlake dazugeben.

Alle Zutaten mit ausreichend Fleischbrühe bedecken und 20 Minuten köcheln lassen. Danach würzen, frische Kräuter wie Dill und Petersilie dazugeben und kurz vor dem Servieren mit saurer Sahne und Zitrone abschmecken – am besten aber vor dem Verzehr noch einige Stunden ziehen lassen!