Warum nehmen wir eigentlich unser Smartphone so selbstverständlich und naiv mit in den verdienten Urlaub? Sollten wir nicht langsam mehr Erfahrung damit gesammelt haben?

Rob Vegas
ROB VEGAS, Blogger, Autor und Moderator, kennt noch Disketten und führt wichtige Telefonate weiterhin per Festnetz. Hier staunt er regelmäßig mit uns über die Wunder des digitalen Lebens.
Twitter: @robvegas
http://www.robvegas.de
SMARTPHONES im Urlaub sind ein echtes Abenteuer. Das meine ich ernst. Vor allem können sie einem im schlimmsten Fall glatt die komplette Quality Time mit Freunden und Familie verhageln. Das Drama beginnt meist schon am Gate: Man steigt mit 15 Prozent Akku in den Flieger, weil man Ladegerät und Powerbank dummerweise in den Koffer gepackt hat. Setzt dann der Pilot zur Landung im Süden an, so wird nicht erst der Airport durch die Fenster des Fliegers bestaunt, sondern sofort der Flugmodus am Telefon deaktiviert.

Habe ich hier Netz? Welcher Anbieter ist für meine virtuelle Reise nun verantwortlich? Erst einmal mit einer SMS und einem „OK“ das Datenvolumen im Ausland freischalten. Da muss man auf einmal 14 Tage lang mit nur 500 MB auskommen. Da wäre es glatt einfacher, mit zwei Tropfen Wasser die Wüste Gobi ohne Sandalen zu durchqueren.

„500 MB für 14 Tage. Es wäre einfacher, mit zwei Tropfen Wasser die Wüste Gobi ohne Sandalen zu durchqueren.“

Ist man aber erst einmal einen neuen Beziehungsstatus mit dem Netzanbieter im Urlaubsland eingegangen, stellt sich oft ein trügerisches Gefühl der Zufriedenheit ein. Man ist wieder online und nicht auf überteuerte Postkarten und das klapprige Fax im Hotel angewiesen. Zwar wollte man eigentlich abschalten, nicht für die Kollegen erreichbar sein und Erholung finden, aber dennoch muss die eigene Umwelt schleunigst mit Highlights aus dem eigenen Urlaub bei Facebook versorgt werden!

Auch Mutti hat man versprochen, sich noch vor der Passkontrolle umgehend zu melden. Ein Foto vom Hotelzimmer zur Beruhigung in der Heimat kann da nicht schaden. Sollte ja eigentlich mit Meerblick sein, leider ist aktuell ein Baukran im Weg. Man kennt das. Das Foto etwas beschneiden und der Baukran ist zumindest online nicht mehr vorhanden.

Rob Vegas – Smartphone am Strand
GEFAHRENZONE STRAND: Für Smartphones bedeutet Urlaub Stress

Anscheinend vergessen wir alle außerdem nach jedem Urlaub aufs Neue unsere kurzen Dramen mit dem eigenen Telefon: Am Strand weht feiner Sand in die Ladebuchse und lässt den Stecker beim nächsten Anschluss melodisch knirschen. Die schmierige Sonnencreme hat nicht nur wieder hässliche Tapser auf dem Display hinterlassen, sondern sich auch gleich noch in jede Ritze des digitalen Freundes gesetzt.

Spätestens beim gepflegten Sonnenbad am Strand erhalten wir dann auch einmal im Jahr die Nachricht von unserem Telefon, dass der Akku gerade überhitzt und sich das Gerät in 30 Sekunden automatisch abschalten wird. Derlei Hinweise gäbe es in Castrop-Rauxel höchstens, wenn sich ein Asteroid im Anflug auf das örtliche Rathaus befände.

„Nirgends lauern für ein Smartphone mehr Gefahren als im Urlaub!“

Im Urlaub sehen wir nicht nur wir ferne Länder und wollen den dortigen Lifestyle kennenlernen. Auch unser Smartphone lernt ein komplett neues Umfeld kennen. Da will man das beste Foto für Instagram von einem Boot aus knipsen und schon liegen 700 Euro auf dem Meeresgrund. Nirgends lauern für ein Smartphone mehr Gefahren als im Urlaub!

Am Strand ist es begehrtes Diebesgut und im Zimmer ist das Ladekabel dann doch zwei Zentimeter zu kurz, um es sicher ablegen zu können. Stattdessen fliegt es mindestens dreimal über den Fliesenboden, oder nimmt gar ein spontanes Bad im Pool.

Und dann ist da diese eine Nachricht auf dem Schirm, welche immer die ganze Stimmung im Urlaub trübt. Die kommt immer – und meist schon zwei Tage nach Ankunft, wenn man sich gerade mit der linken Zehenspitze ein wenig mit der Umgebung am Urlaubsort angefreundet hat. Nicht zu vergessen außerdem die spontanen Anrufe von Mitmenschen, welche gar nichts von unserer Urlaubsplanung wussten und nun doch erst nach 25 Minuten auflegen wollen.

Rob Vegas – Dummphone statt Smartphone
DUMMPHONE statt Smartphone: im Urlaub eine schlaue Lösung

Wir sollten endlich aus unseren Erfahrungen lernen. Kaufen wir uns für den Urlaub ein klassisches Handy ohne Touchdisplay und Internetzugang. Ginge es um Leben und Tod in der Heimat, so würde man sicher einen Anruf bekommen. Zur Not finden einen auch das Auswärtige Amt oder der Bundesnachrichtendienst. Ein smarter Urlaub beginnt erst, wenn das Smartphone daheim allein Urlaub macht.