Viele sprechen über das smarte Haus der Zukunft. Der Begriff „Smart Home“ ist in den Prospekten der Lebensmittel-Discounter angekommen. Schon bald werden wir vor unseren Waschmaschinen sitzen und Updates installieren. Schöne neue Welt?

Rob Vegas
ROB VEGAS, Blogger, Autor und Moderator, kennt noch Disketten und führt wichtige Telefonate weiterhin per Festnetz. Hier staunt er regelmäßig mit uns über die Wunder des digitalen Lebens.
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WAS IST EIGENTLICH ein Smart Home? Denkt es mit und kann selbstständig für mich den Abwasch erledigen? Bringt mir ein lächelnder Roboter morgens einen Latte Macchiato ans Bett und liest mir die Nachrichten vor? Letzteres geht sogar schon über Alexa von amazon, doch mit dem frischen Kaffee hat das smarte Zuhause noch so seine Probleme. 

Vor allem aber ist der Begriff „Smart Home" bislang ziemlich ungenau. Ist mein Zuhause schon schlau mit einem SmartTV? Oder muss ich dafür auch die Heizung von Papua-Neuguinea aus regeln können? Will ich überhaupt einen Chat mit meinem Kühlschrank führen? Wie kann ich in Zukunft noch heimlich Lieder von Yvonne Catterfeld mitsingen und es nicht gleich automatisch dem ganzen Internet mitteilen?

„Bislang waren Gebäude stumme Zeugen unserer Geschichte. Nun greifen sie selbst ins Geschehen ein.“

Es gibt also mehr Fragen als Antworten beim smarten Heim. Spannend ist dagegen der radikale Wandel für Häuser und Wohnungen. Ich liebe es, an alten Gebäuden in der Stadt entlang zu laufen. Sie stehen mitunter hunderte von Jahren dort und interessieren sich nicht für mein neues Smartphone. Sie existieren viel länger als meine Wenigkeit und werden auch noch kommende Generationen an sich vorbeilaufen sehen. Nur konnten Häuser, Bibliotheken, Büros und Wintergärten bislang nicht sehen. Gebäude waren stumme Zeugen unserer Geschichte.

Rob Vegas - Smart Home
STETS zu Diensten: Wann wird das schlaue Heim sich selbst putzen?

Nun greifen Räume selbst ins Geschehen ein. Sie können erstmalig erkennen, dass ich mich darin befinde. Sie können sich selbst steuern und die Musik passend zu meinen Vorlieben in den verschiedenen Räumen abspielen. So folgt mir Yvonne Catterfeld von der Dusche bis ins Wohnzimmer. Lautsprecher vernetzen sich und die Musik wandert mit dem Bewohner automatisch weiter bis ins Auto. 

„Ich bekomme selbst in Kapstadt eine Nachricht, wenn die Tochter um zwei Uhr nachts nach Hause gekommen ist.“

Ein automatisiertes Haus ist natürlich ein Traum, weil es mir Arbeit abnimmt. Der Rasenmäher findet zu hohe Grashalme automatisch über GPS, die Heizung temperiert sich selbst und die clevere Hütte schickt mir alle Benachrichtigungen einfach auf das Telefon. So bekomme ich selbst in Kapstadt eine Benachrichtigung, wenn die Tochter erst um zwei Uhr nachts von der Party nach Hause gekommen ist.

Nur sind wir noch nicht ganz so weit. Zwar bieten einige Hersteller schon Komplettsysteme an, doch im Massenmarkt hat das bekannte Möbelhaus aus Schweden nun erst einmal ein kleines Set für eine smarte Beleuchtung ins Programm aufgenommen. Hersteller wie Sonos, Yamaha und LG vernetzen mittlerweile die Lautsprecher im Haus. Musik, Licht und Überwachungstechnik machen den Anfang beim Smart Home und die Menschen rüsten langsam ihre Wohnstuben um. Erst einmal muss man sich daran gewöhnen, dass man sein Wort an den eigenen Fernseher richten kann. Meine Frau wehrt sich dagegen zum Beispiel immer: „Ich werde nicht mit einem Fernseher sprechen!“ Ich dagegen finde es praktisch, wenn ich nicht mehr jeden Buchstaben einzeln über die Fernbedienung reinfriemeln muss.

Rob Vegas - Smart Home
ALLES dem Schirm: Aber ein existentielles Problem wartet noch auf seine smarte Lösung

Das größte Problem bei einem Smart Home ist übrigens nicht die Sicherheit. Natürlich wird uns die NSA auf Schritt und Tritt orten können. Sie werden über den smarten Mülleimer sogar den Verbrauch an Windeln pro Tag und Woche nachverfolgen können. Doch die häufigste Frage, die ich bei diesem Thema höre, ist die nach der smarten Kaffeemaschine. Das wünschen sich die Menschen wirklich. Niemand will mehr morgens mit Schlaf in den Augen wie ein Zombie zur Kaffeemaschine taumeln müssen. Die Menschheit will Kaffee auf Knopfdruck und ohne Hilfe.

Natürlich gibt es auch hier schon Lösungen, aber sie erfüllen den smarten Wunsch der Menschen noch nicht. Sie können zwar über ein berührungsempfindliches Display bedient werden. Sie haben auch Apps und verschiedene Profile für den eigenen Lieblingskaffee. Sie können sich sogar schon automatisch Updates aus dem Netz ziehen und erkennen die Sorte der Kaffeekapsel über eingebaute Kameras. Nur leider kann noch keine smarte Kaffeemaschine selbst ausreichend Wasser nachfüllen und eine leere Tasse bereitstellen. Seien wir ruhig ehrlich! Erst wenn ein Smart Home auch diese Disziplin in Vollendung beherrscht, kann es sich auch wirklich als „smart" bezeichnen. Bis dahin tapsen wir morgens weiter verschlafen in die Küche.