Ein Job bei der Feuerwehr? Tierärztin? Fußballprofi? Mittlerweile gibt es einen neuen Berufswunsch bei Kindern und Jugendlichen: Influencer. Natürlich mit eigenem Kanal bei YouTube und einem gigantischen Profil bei Instagram.

Rob Vegas
ROB VEGAS, Blogger, Autor und Moderator, kennt noch Disketten und führt wichtige Telefonate weiterhin per Festnetz. Hier staunt er regelmäßig mit uns über die Wunder des digitalen Lebens.
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DIE STARS DER SZENE bekommen die tollsten Produkte geschenkt, übernachten in Luxus-Hotels und sind auf jedem Event eingeladen. Influencer sind der digitale Jetset – und die Fans wollen es ihnen gleichtun. Taschenrechner, Skalpell und Fußballschuhe haben als Arbeitsgerät ausgedient. Besser Katzenfotos als Tierarztpraxis. Es genügt die eigene Persönlichkeit, ein Gespür für Mode und ein Smartphone mit einer guten Kamera. Schon wird man von aller Welt geliebt, die Firmen stehen Schlange und jeden Tag bringt der Postbote einen Schiffscontainer voller Produkte, welche man natürlich behalten darf. Für Schminke, Klamotten und Videospiele muss man nie wieder einen Cent vom Taschengeld ausgeben.

„In die Kamera lächeln, lustiges Zeug erzählen. Es könnte so leicht sein.“

Wer möchte dieses süße Leben nicht sofort leben? Die Fans warten nur auf den neuen Star am Influencer-Himmel! In die Kameralinse lächeln, lustiges Zeug erzählen und schon wenigen Videos darf der Bankberater im Heimatort die erste Million auf dem Sparbuch vermerken. Es könnte so leicht sein. Lediglich die Eltern sind bei diesem Berufswunsch oft im Weg, denn sie plädieren für eine ordentliche Ausbildung und ein Studium an einer Uni. 

Hier hörst du die Kolumne von Rob Vegas als Podcast:


Bibi und Co. leben diesen Traum vor. Sie verdienen sogar oft mehr Geld als die eigenen Eltern. Die digitale Welt hat zwar unseren Alltag auf den Kopf gestellt, doch der Weg zur ersten Million bleibt auch im Jahr 2017 steinig. Vor allem aber braucht es auch gute Tierärzte, denn wo sollte ich in einer Gesellschaft voller Influencer sonst meinen Kater Uwe hinbringen, wenn es ihm mal nicht gut geht?

Rob Vegas: Influencer
VOM SOFA zum Jet-Set: Bibi und Co. leben diesen Traum vor

Viele Kids träumen vom Leben als Influencer, so wie früher Jungs und Mädchen von einer Karriere in Hollywood geträumt haben. In der Realität zwischen Bielefeld und Berlin verläuft das eigene Leben nur oft ganz anders. Man lernt einen Partner kennen, macht zwei Praktika, eine Ausbildung und schon hat man einen festen Job, Familie und sucht einen gebrauchten Kombi.

Man kann sich leicht über Influencer aufregen, aber das Leben der Stars wirkt nur auf den ersten Blick locker und leicht. Hier sind viele Fans naiv. YouTuber müssen täglich Videos produzieren, immer neue Geschichten finden und im Hintergrund mit Kunden an Konzepten arbeiten. Das haben sie mit den großen Namen bei Instagram gemeinsam. Dazu die vielen Einladungen zu Events und der Druck, immer wieder neue Inhalte zu teilen, welche auch spannend sind. Immerhin schläft die Konkurrenz nicht: Jeden Tag kommen neue Influencer und junge Menschen, die den gleichen Traum leben wollen. Zeit für Freunde und die Familie ist in diesem Leben rar.

Rob Vegas: Influencer
IN DER REALITÄT ist es nicht ganz so einfach

Kinder haben Träume und durch die YouTuber sieht man dieses tolle Leben direkt auf dem eigenem Smartphone in einer vergleichsweise hohen Frequenz. Man ist als Fan anscheinend live dabei, sieht dabei aber nur das fertige Produkt. Natürlich will man es da vielleicht selbst versuchen. Allerdings merkt man oft schon nach wenigen Videos, dass man der Welt vielleicht doch besser als Tierarzt dienen kann. Nur ganz besondere Charaktere eignen sich überhaupt für die Rolle eines Influencers. Man muss auf Anhieb dem großen Publikum gefallen, trotzdem anders sein und eine gute Geschichte erzählen können. Wirkt ganz einfach, ist es aber nicht.

Spricht man persönlich mit den Stars der Branche, so fehlt es dieser neuen Berufsgruppe oft an Freizeit, Privatleben und einem eigenen Zuhause. Man ist immer unterwegs, und das nächste Event wartet schon. Dazu müssen auch dauernd neue Inhalte generiert und produziert werden. Im Hintergrund wartet dann noch das explodierende Mailpostfach mit Anfragen, Absprachen und neuen Terminen.

„Auch die erfolgreichsten YouTuber müssen irgendwann ihre Belege für die Steuererklärung sortieren.“

Nicht umsonst haben viele Influencer dann auch schnell ein Künstlermanagement. Vor allem müssen auch die erfolgreichsten YouTuber irgendwann ihre Belege für die Steuererklärung sortieren. Beim Papierkram filmt man sich halt meist nicht. In diesem Beruf wird man meist auch nicht besonders alt. Man hat nur einen kurzen Zeitraum für den ganz großen Erfolg. Nach ein paar Jahren ist man dann schon wieder zu alt für die junge Zielgruppe und die Fans von einst haben sich doch für ein Studium und den Besuch von Musikfestivals entschieden. Sie träumen nicht mehr vom Selfie und einer Umarmung mit einem YouTuber, sondern haben einen eigenen Freund gefunden.

Wenn das eigene Kind die große Karriere bei YouTube und Instagram plant, so sollte man diesen Wunsch nicht bremsen. Sich wohl vor einer Kamera zu fühlen ist gut für das Selbstbewusstsein. Das kann sogar später bei einem Vorstellungsgespräch und bei Vorträgen helfen. Vor allem aber werden die jungen Wilden selbst sehr schnell erkennen, dass Traum und Wirklichkeit auch bei Influencern zwei ganz verschiedene Dinge sind. Noch besser wäre es allerdings, wenn ich mich irre und ihr Kind einen echten Hit im Netz landet. Dann müssen selbst die Eltern nicht mehr klassisch arbeiten gehen, sondern können das Jetset-Leben ebenfalls genießen.