Nein, Raymond Loewy ist nicht der Erfinder der Coca-Cola Flasche, auch wenn sie ihm immer wieder zugesprochen wird. Aber die Fanta Ringflasche, die in den 60er Jahren auf den Markt kam, ist eines der vielen Kultobjekte, die wir dem Designer verdanken. Die Wiedereinführung der Glasflasche für die neue Fanta Klassik wurde jetzt mit dem Preis "Verpackung des Jahres" des Deutschen Verpackungsmuseums in Heidelberg ausgezeichnet.

Raymond Loewy – Fan der Coca-Cola Flasche

Tatsächlich war Raymond Loewy ein großer Fan der Coke Flasche und machte kein Geheimnis aus seiner Meinung. In einem Brief an die Coca-Cola Company nannte er sie „ein Meisterwerk wissenschaftlich-funktionaler Planung“, „gut durchdacht, logisch, materialsparend und hübsch anzusehen“. Sie sei „die vollkommenste ‚Flüssigkeitsverpackung’ der heutigen Zeit und einer der Klassiker der Verpackungsgeschichte“. Auch wenn Raymond Loewy hier ein Objekt beschreibt, das nicht seiner Feder entsprungen ist, so lässt sich doch mit diesem kleinen Zitat einiges über den Stil sagen, mit dem er das Gebrauchsdesign des zwanzigsten Jahrhunderts prägte. 

Historische Fanta Flaschen und Dosen
Links im Bild: Die berühmte Fanta Ringflasche


Raymond Loewy und das Prinzip M.A.Y.A 

Was nach einem Geheimcode klingt, war die Abkürzung für Raymond Loewys Auffassung von gutem Design: „Most Advanced Yet Acceptable“, also etwa „äußerst fortschrittlich aber immer noch annehmbar“. Gebrauchsdesign sollte funktional sein und nicht durch futuristische Formen irritieren. Es sollte glücklich machen – und zwar alle: „Gutes Design hinterlässt den Benutzer glücklich, den Hersteller in den schwarzen Zahlen und den Ästheten unbeschädigt.“ Genau das hat er geschafft. Er kreierte Haushaltsgeräte, die gut in der Hand lagen, Fahrzeuge, die windschnittig waren und über eine perfekte Straßen- oder Schienenlage verfügten und Firmenlogos, die bis heute unverwechselbar sind. Seit den 30er Jahren kommt fast jeder täglich mit einem Werk von Raymond Loewy in Berührung. Die Autos und Lokomotiven seiner Zeit stehen zwar inzwischen in Museen, die Shell-Muschel und das Lucky-Strike-Logo prägen aber bis heute das Straßenbild.

Werbeanzeige im Magazin des Coca-Cola Bottlers

Werbeanzeige im Magazin des Coca-Cola Bottlers: Hier werden die Vorzüge des neuen, von Raymond Loewy gestalteten Lieferwagens gepriesen


Ästhetik und Funktionalität in perfekter Harmonie

Stromlinienförmig, elegant, funktional: so erscheinen alle Objekte von Raymond Loewy, dem „Vater des modernen Designs“. Das gilt für die S1 Lokomotive, den Sears Coldspot Kühlschrank, den Greyhound Scenicruise und die Airforce One. Auch bei Coca-Cola hat Raymond Loewy markante Spuren hinterlassen. The Coca-Cola Company stellte Raymond Loewy zunächst ein, um die Verkaufsautomaten zu modernisieren. Er arbeitete dann in etwa zehn Jahren an mehreren Artikeln, die heute als Klassiker gelten, vom stromlinienförmigen Kühlschrank über die Dole Deluxe Zapfanlage bis hin zur Hobbs-Truck-Karosserie.

Raymond Loewys cool designter Coke-Kühlschrank

Ein Paradebeispiel für die Handschrift Loewys war die Neugestaltung des Kühlschranks, den das Unternehmen 1947 auf den Markt brachte. Geschwungene Linien und abgerundete Kanten verliehen dem kalten Kasten seine neue Persönlichkeit. Wichtige funktionelle Verbesserungen kommen schon fast beiläufig daher. Geöffnet wurde der Kühlschrank ab sofort von oben anstatt wie bisher von der Seite. Das erleichterte dem Händler das Auffüllen und dem Kunden den Weg zur gekühlten Coke. Raymond Loewy installierte außerdem einen Flaschenöffner an der Vorderseite des Kühlschranks, ein Auffangfach für Kronkorken und die Aufforderung „Have a Coke“ an der Tür.

Cavalier 96 vending machine

Die geschwungenen Linien dieses Verkaufsautomaten 'Cavalier 96' spiegeln das kraftvolle Design von Raymond Loewy perfekt wider. Coca-Cola nutzte diese Automaten bis 1970


Das Gebrauchsdesign einer Marke

Raymond Loewy hatte dann noch an mehreren Stellen die Hände im Spiel. So verdankte die Zapfeinrichtung ihm ihr stromlinienförmiges Design und ihre Leistungsfähigkeit. Damalige Anzeigen warben damit, dass die verbesserte Maschine auch die Gewinne der Zapfeinrichtung erhöhe. Als 1947 die Dole Deluxe Zapfeinrichtung eingeführt wurde, entwickelte sie sich in kürzester Zeit zum Klassiker. Aber Raymond Loewy und seine Design-Firma hatten bei Coca-Cola noch mehr vor, zum Beispiel die Neugestaltung des Coca-Cola Lieferwagens. Auch hier stand nicht allein die Schönheit des Objektes, sondern seine Funktionalität im Vordergrund. Die Bewertung des Normungsausschusses von Coca-Cola und eine landesweiten Befragung der Coca-Cola Abfüller wurde in das Design aufgenommen, was schließlich wesentlichen Funktionen des Auslieferfahrzeuges bestimmte. Wie bei anderen Projekten gestaltete Raymond Loewy das Karosseriedesign um und verlieh ihm ein windschnittiges Aussehen. Die größte Veränderung war die Verwendung von Overhead-Türen, die sich im Sommer abnehmen ließen. Die neue Tür war stärker belastbar und verringerte die maximale Stapelhöhe der Kästen, was die Arbeit der Lieferanten erleichterte. Raymond Loewy ließ außerdem einen wetterfesten Abstellplatz für den Transport der an die Geschäfte zu liefernden Werbemittel einbauen.

Übrigens gibt es doch noch etwas zur Coca-Cola Flasche zu sagen, auch wenn Raymond Loewy die ursprüngliche Flasche von 1915 nicht zu verantworten hat. Als 1955 die King Size- und Familien-Packungsformate entworfen wurden und in den 60er-Jahren das Quart-Format verschlankt wurde, war er Teil des Teams.

 

Coca-Cola Historie - Teaser

Über den Designer Raymond Loewy

Raymond Loewy wurde 1893 in Paris geboren. Seine Mutter war Französin, sein Vater österreichischer Journalist. In Paris studierte er Ingenieurwissenschaften, 1919 emigrierte er in die USA. Er arbeitete zunächst als Modezeichner und Auslagen-Dekorateur. 1930 machte er sich mit seinem Designbüro selbständig. 1986 starb Raymond Loewy in Monaco im Alter von 92 Jahren. Er gilt als einer der wichtigsten Köpfe des amerikanischen Industriedesigns.