Weil viele Autofans ein bisschen verrück sind, gibt es „Rad-Ab.“ den Blog für Fahrer, die mehr wissen wollen, als im Autoquartett abgefragt wird.
Rad Ab - Portrait Jens Stratmann

Jens Stratmann testet Fahrzeuge auf ihre Alltagstauglichkeit.


Hubraum, Geschwindigkeit, von Null auf Hundert, Verbrauch, schöne Bilder - all das bekommt der Autofan auch beim Hersteller. Bei Rad-Ab bekommt der interessierte Leser nicht nur alle technischen Daten, Filme, Bilder, sondern vor allem auch den Test auf die Alltagstauglichkeit eines Autos. Was bringt der Traumwagen, wenn er sich nicht parken lässt, wenn keine Coke-Kiste in den Kofferraum passt und wenn die Rücksitzgurte zu kurz sind um den Kindersitz anzuschnallen? Gar nichts. Um den potentiellen Autokäufer vor Enttäuschungen zu bewahren, testet Jens Stratmann Neuerscheinungen auf ihre Straßentauglichkeit im Familienalltag. Er fährt, beschreibt, fotografiert und filmt die Objekte der Begierde.

Schnelle Autos, bewegte Bilder

Rad-Ab ist seit drei Jahren online. Bis Februar war er noch eine reine Text- und Bildstrecke. Autos aber will der potentielle Fahrer in Bewegung sehen. Deshalb tat sich Jens Stratmann mit Jan Gleitsmann zusammen und gründete Ausfahrt.tv, den zu Rad-Ab passenden Video-Blog. Gemeinsam bilden Jan und Jens das „dynamische Duo aus Bielefeld“. Sie testen zusammen, filmen zusammen, verlinken sich und sind dabei sehr erfolgreich. Rad-Ab erreicht täglich etwa 2.600 bis 3.000 Leser. Mit den Videos auf Ausfahrt.tv und dem verlinkten Youtube-Kanal kommen die Blogger auf 16.000 bis 20.000 Abrufe am Tag. Nach sechs Monaten zählen die beiden Blogger eine Million Aufrufe.
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Rad-Ab.com testet, wie gut man mit einem Kleinwagen einkaufen kann, ob in den Sportwagen ein Kindersitz passt und ob man damit auch einen Weihnachtsbaum transportiert bekommt.


Schreiben ohne Einbahnstraße

Wer aber sind die Besucher von Rad-Ab und Ausfahrt-tv? Nicht der klassische Anfang-20-Blog-Leser, wenn es den überhaupt gibt. „Unsere Zielgruppe ist überwiegend männlich, über 30 und denkt über die Anschaffung eines Neuwagens nach,“ erklärt Jens Stratmann. Der Leser steht mitten im Leben und verfügt über eine gewisse Kaufkraft. „Manche Autotypen sprechen eher Leserinnen an, bei sportlichen Autos schwärmen auch Teenager mit.“ Die klassische Situation, in denen nach Auto-Blogs gesucht wird, ist die Suche nach der Entscheidungshilfe. Leute, die sich für einen Neuwagen interessieren, holen andere Meinungen und Ansichtspunkte ein. Meist geht es um Fakten und Ansichten, die man nicht in der Werbung schon gesehen hat. Auto-Blogs tragen dann zu Kaufentscheidungen bei. „Leser suchen sehr genau,“ weiß Jens Stratmann. „Sie wollen zum Beispiel wissen, ob der Kindersitz in das Modell passt oder ob sie  zweimetergroße Gegenstände im Kofferraum unterbringen können.“ Der Großteil der Leserschaft besteht also nicht aus Auto-Nerds, die täglich das Neueste wissen wollen, sondern aus ganz normalen Autofahrern mit sehr persönlichen Bedürfnissen. Finden diese Leser ihr Thema auf Rad-Ab nicht, dann werden sie vertrauensvoll an Kollegen weitergeleitet. Das Autobloggernetzwerk, dem auch Jens Stratmann und Jan Gleitsmann angehören, arbeitet konkurrenzdruckfrei zusammen. „Wir verlinken uns gegenseitig. Auch Jan und ich stehen in keinem Wettbewerb. Wir ergänzen uns, das bietet natürlich einen Mehrwert für den Leser. So ein Arbeiten wäre bei der herkömmlichen Presse undenkbar.“
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Wenn Jens Stratmann mit einem Coupé Laminat kauft und mit einem Kleinwagen zu Ikea fährt, wundert er sich manchmal selbst, wie gut das passt. 


Familienkutsche undercover

Jeder Blog im Netzwerk hat eine andere Ausrichtung, der eine achtet mehr auf die Performance, der andere mehr auf die technischen Daten. Rad-Ab ist der „Auto-Blog für die ganze Familie,“ so steht es auch im Claim. Das bedeutet nicht, dass die ganze Familie Rad-Ab liest. Es bedeutet aber, dass alle Familienmitglieder hinterher bequem im neu erworbenen Auto sitzen. „Ich bin Familienvater und meine Ansprüche an Autos messen sich daran. Das wissen meine Leser. Sie bekommen die Familienperspektive. Ich teste, wie gut man mit einem Kleinwagen einkaufen kann, ob in den Sportwagen ein Kindersitz passt und ob man damit auch einen Weihnachtsbaum transportiert bekommt.“ Dabei erlebt selbst der versierte Autojournalist gelegentlich Überraschungen. Wenn Jens Stratmann mit einem Coupé Laminat kauft und mit einem Kleinwagen zu Ikea fährt, wundert er sich manchmal selbst, wie gut das passt. Wenn dann noch der Einklemmschutz für die Finger und die Ablagefläche für Coke-Flasche vorhanden sind, bekommt auch schon mal ein Kleinwagen das Prädikat familienfreundlich.