Was passiert, wenn drei Food-Bloggerinnen sich zusammentun und Post aus ihrer Küche verschicken? Es entsteht eine Ideenküche, die mehrere hundert Hobbyköche dazu bringt, im realen Leben die wunderbarsten Köstlichkeiten zu tauschen.

Angefangen hat alles mit einem Schokoriegel. Clara, die Food- und Geschmacksbloggerin von „tastesheriff“ hatte ihn erfunden, fotografiert, beschrieben und online gestellt. Das konnte die zwei Blogger-Kolleginnen Rike und Jeanny nicht kalt lassen. Sie wollten mehr als Bild und Beschreibung, sie wollten kein Rezept, sie wollten den Schokoriegel selbst. Und sie waren bereit, etwas zum Tausch anzubieten: Kuchen, Pralinen, Käsestangen, was auch immer. Die Idee war eigentlich ganz einfach. Jede schickte ein Päckchen und probierte sich durch die Küche der anderen. Das spontane Tauschen führte vor etwa einem Jahr zu einem ersten Treffen in Hamburg. Dann kam eins zum anderen. In wenigen Stunden hatten sie „Post aus meiner Küche“ ausgekocht und die Website aufgesetzt. So wurde aus den drei einzelnen Bloggerinnen ein großartiges  Gemeinschaftsprojekt. Ach, „bürgerliche“ Berufe haben die drei leidenschaftlichen Bloggerinnen, Bäckerinnen und Köchinnen auch noch: Clara ist Interior Stylistin, Rike PR-Beraterin und Jeanny Brand Managerin.


Aus dem Netz in die Küche

Post aus meiner Küche

Selbstgerührt, selbstgebacken, selbstverpackt und selbstverschickt: Was mit so viel Liebe hergestellt ist, muss einfach gut schmecken

Fotograf: Cristopher Santos


Die Idee ist bestechend. Alle paar Monate verkünden die drei Küchenpostboten ein Thema, zum Beispiel „Schokoladiges“ oder „Picknick“. Andere Blogger, Leser und sonstige Begeisterten melden sich an, bekommen einen Tauschpartner zugeteilt und lassen sich etwas zum Thema einfallen. Die eigene Marmelade, Praline, der Kuchen, die Soße, der Schokoriegel wird hübsch verpackt und auf den Postweg gebracht. Damit nicht nur der eine sich freut, sondern alle, wird die Köstlichkeit fotografiert und gepostet. Dann beginnt das gespannte Warten. Auf die Post aus einer anderen Küche und natürlich auf die Jubelrufe des Bekochten. Die Begeisterungsstürme der kochenden Netzgemeinde konnten sich schon von der ersten Minute an hören lassen. „Als wir das erste Thema online stellten, hatten wir mit etwa 20 Teilnehmern gerechnet,“ erzählt Jeanny. Als mehrere hundert Kochbegeisterte sich anmeldeten, flippten die drei Erfinderinnen der Küchenpost fast aus. Weil alle Leckereientauscher dabeibleiben und neuen Themen ungeduldig entgegenfiebern, zählt Post aus meiner Küche inzwischen 1.200 Begeisterte. Flankiert werden die fleißigen Vorkoster, Tüftler und Verpackungskünstler von über 4.000 Facebookfans.

Kreativität kulinarisch

Von der Kreativität ihrer Mittauschenden sind die drei Gründerinnen tief beeindruckt. „Da entstehen so viele schöne Sachen, Eingemachtes, Gebackenes, Suppen,“ erzählt Rike. „Es gibt auch viele tolle Kombinationen, auf die man nicht gekommen wäre. Bei „Very berry“ gab es Ketchups aus Beeren.“ Kreativität ist aber nicht nur gefordert, wenn es um das Erfinden eines Rezepts geht. Das Ergebnis der Kochbuchwälzerei sollte auch noch hübsch aussehen und genießbar sein, wenn es einige hundert Kilometer und drei Tage Postweg hinter sich hat. „Eine Sahnetorte ist lecker aber ungeeignet,“ gibt Clara zu bedenken. „Eine Linzertorte hingegen reift in den drei Tagen und sieht noch schön aus wenn sie angekommen ist.“ Beim Verpacken geht es den Küchenkünstlern aber nicht nur um den sicheren Transport, sondern auch um eine besonders nette Präsentationsform. Auch da lassen sich die Hobbyköche aus Deutschland, Österreich und aus der Schweiz eine Menge einfallen, wie Clara berichtet. „Viele verpacken wahnsinnig aufwändig mit Schleifen und Anhängern. Einmal habe ich ein Päckchen bekommen mit einer Lichtinstallation. Das leuchtete, wenn ich es aufmachte.“

Wer kocht denn da?

Post aus meiner Küche

Zu Besuch bei Coca-Cola in Berlin: Die Gründerinnen von Post aus meiner Küche

Fotograf: Christopher Santos


Auspacken, Einpacken, Rezepte erfinden und ausprobieren oder Thema ausdenken, was an der Aktion am meisten Spaß macht, ist nicht leicht zu sagen. „Natürlich freut sich jeder über Päckchen. Richtig aufgeregt bin ich immer, wenn ich darauf warte, was mein Tauschpartner sagt, wenn er auspackt“ meint Rike. „Es geht darum, jemand anders, auch einem Fremden, eine Freude zu bereiten,“ erzählt Jeanny. Jemanden zu bekochen, den man selbst nicht kennt, ist immer spannend. Vor allem, weil die Post-aus-meiner-Küche-Fans eine bunte Gemeinde sind. Andere Foodbloggerinnen sind dabei, aber auch Mutter-Tochter-Teams, Omas, vereinzelte Männer, Hobbyköche. Manchmal lernen sich die Tauschpartner kennen, wenn sie beschließen, aus der Übergabe ein kleines Essen zu machen. „Beim Thema Picknicken haben wir die Leute nach Postleitzahlen zusammengewürfelt, viele haben sich dann getroffen. So holen wir 2.0 zurück ins echte Leben,“ erzählen die drei. Bleibt abzuwarten, wie viele Küchenpostboten die nächste Tauschaktion wörtlich nehmen und sich mit fremden Menschen zum Essen treffen. Umgesetzt wird das Coke-Thema „Zusammen schmeckt’s besser“.

Ein Stück vom Glück

Jeder weiß es, trotzdem essen wir viel zu oft alleine: Dabei schmeckt es einfach besser zusammen mit Freunden, mit der Familie oder auch mit den Nachbarn. Und noch viel, viel besser schmeckt es, wenn man Leckereien tauscht. Deshalb lautet das Thema genau: „Zusammen schmeckt’s besser – ich schenke Dir ein Stück vom leckeren Glück”. Und weil Essen bekanntlich Freunde macht, wurde der Tag der Freundschaft am 30. Juli 2013 zum „Tag des Leckereientauschens“ umbenannt. An diesem Tag sollten alle freudestiftenden Köstlichkeiten beim glücklichen Empfänger angekommen sein. Die Aktion ist dieses Mal kein reines PAMK-Projekt, sondern - passend zum Thema - eine Kooperation mit dem Onlinemagazin sisterMAG und Coca-Cola. Als besonderes Bonbon gibt es unter den Teilnehmern übrigens eine coke-rote KitchenAid zu gewinnen. Alle Infos zum Gewinnspiel gibt es bei sisterMAG.