Wie kommt es, dass mehr als 100 Musikgrößen – von Ray Charles über James Brown bis zu Aretha Franklin – sich darum rissen, den Jingle Things Go Better with Coke einzuspielen?

Um dieses Phänomen zu verstehen, ist ein Zeitsprung nötig. Ein junger Werbekaufmann namens Bill Backer hörte 1962 den Titel „Palisades Park“ von Freddy Cannon. In dem Text geht es um das schlichte Vergnügen, einen Hotdog zu essen. Das faszinierte Backer. Er dachte sich damals: Wenn Hotdogs in einem Song besungen werden, warum dann nicht auch Coca-Cola? Und wenn Coke in einem Song vorkommt, kann man daraus einen Jingle fürs Radio produzieren?

Schallplatte 'Things Go Better With Coke'

So sahen Datenträger damals aus: die Schallplatte 'Things Go Better With Coke'


Eine Idee war geboren: Things Go Better with Coke. In dem schlichten Satz, so erzählt Backer im Zeitzeugeninterview, steckte der Stoff für eine komplette Kampagne. Die Worte waren eine Verheißung von allem, wozu Coca-Cola passt: Zu Hamburgern, zum Studium, zur Liebe, zum Leben.

Mit dieser Idee machte sich Backer auf. Die Werbeabteilung von Coke war schnell überzeugt, eine Demo-Aufnahme musste her.

Mut zur Lücke

Backer schrieb eine erste Version des Jingles und ließ sie von der Folkmusik-Band The Limelighters in einem heruntergekommenen Aufnahmestudio in einem Apartment in New York einspielen. Die Akustik war schrecklich, einige Töne schief, und das Demo-Band musste an zwei oder drei Stellen geklebt werden.

Aretha Franklin Poster

Auch Aretha Franklin sang einen Jingle für Coca-Cola


Backer spielte der Coca-Cola Company das Stück trotzdem vor. Er erntete Begeisterung, der Slogan wurde prompt eingeführt. Man blieb sogar bei den schiefen Tönen. Sie machten das „Gewisse Etwas“ in dem Radiowerbespot aus, so Backer. Er hatte einen der beliebtesten Coke Jingles aller Zeiten erfunden. Doch das war erst der Anfang.

Swing the Jingles

Der findige Backer wollte mehr: Sein Ziel war kein geringeres, als die Radio-Werbung zu revolutionieren. 1965 trat er an Künstler heran und bat sie, eigene Versionen von Things Go Better with Coke zu komponieren. Die Titel dauerten zwischen 30 und 90 Sekunden, wurden in Plattenstudios produziert - und klangen ganz anders als alle Jingles, die bisher im Radio zu hören waren: Sie klangen wie Songs.

Im März 1965 ging eine Sondermeldung an die Coca-Cola Abfüllbetriebe raus, dass eine neue Art Werbung im Radio anläuft. Die erste Welle begann mit The Four Seasons, Jan and Dean, The Shirelles und John Bubbles, die den Slogan in Melodien einfügten, die sich an ihre großen Hits anlehnten. Das neue Format eroberte den Kontinent. Radiostationen im ganzen Land bekamen Hörernachfragen mit der Bitte, Coca-Cola Werbespots zu spielen. Die Kampagne wurde aus dem Stand zum Erfolg – und rollte wie von selbst. Bald fragten Künstler an, ob sie mitmachen könnten. Neue Gruppen und Stars wie Roy Orbison, Ray Charles, Tom Jones, Petula Clark, The Coasters und The Supremes kamen hinzu.

James Brown Poster

It's the Real Thing - fand auch James Brown und spielte einen Jingle für die Kampagne ein


Die Welle rollt weiter

Wohl mehr als 100 Musiker aus allen Teilen der Welt nahmen ihre Version von Things Go Better with Coke auf. 1969 änderte Coca-Cola den Slogan in It’s the Real Thing. Das Konzept blieb. Auch diese Jingles wurden hochkarätig produziert, unter anderen mit James Brown, The 5th Dimension und Moody Blues. Aretha Franklin und Ray Charles spielten sogar eine Plattenaufnahme im Duett ein – geschrieben vom großen Neil Diamond. 

Das neue Werbe-Konzept dehnte sich auf die ganze Welt aus. Der Erfolg der Kampagne war riesig. Die Coca-Cola-Werbespots landeten regelmäßig in den Top 40. Und die Idee lebt bis heute. Coke’s Projekt "52 Songs of Happiness” knüpft an diese glorreiche Zeit an: Junge Künstler sind aufgefordert, Songtexte zu schreiben und Tracks einzusenden. Das Thema ist das Entdecken und Teilen von Musik mit anderen an Lieblingsorten.