Bei den Aktionstagen Nachhaltigkeit von Coca-Cola engagieren sich Mitarbeiter für ehrenamtliche Projekte in Berlin – in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen zum Beispiel oder in einer Flüchtlingsunterkunft. Romy Eichler, Werkstudentin im Personalbereich bei der Coca-Cola Erfrischungsgetränke GmbH, hat Flüchtlingen Deutschunterricht gegeben. Hier erzählt sie, wie sie sich darauf vorbereitet hat und warum sie regelmäßig als Deutschlehrerin arbeiten will.

UM LEHRERIN ZU WERDEN, muss ich erst einmal selbst in die Schule. Es ist ein kühler Vorfrühlingsnachmittag, ich sitze mit Kollegen in einem Konferenzraum von Coca-Cola und lerne. Welche Arten von Unterricht es gibt, ob man Schüler beim Fehlermachen korrigieren soll, wie man das Übungsmaterial der Organisation GermanNow! nutzen kann, die diesen Kurs und unseren Einsatz in der Flüchtlingsunterkunft Berlin-Tempelhof am nächsten Tag organisiert hat. Sprechen, sprechen, sprechen! wiederholt Kursleiter Jeremias gerade und schaut uns eindringlich an.

Der Unterricht muss auf Deutsch stattfinden, fügt er nachdrücklich hinzu. Mit Händen und Füßen aushelfen, etwas aufmalen? Das ist okay. Ausweichen in eine andere Sprache? Keinesfalls.

Deutschunterricht für Flüchtlinge
DATIV ODER AKKUSATIV? Kann man auch später nachschauen

Es gibt viel zu lernen – auch für mich

Schon 2015 war ich bei den Aktionstagen Nachhaltigkeit dabei, damals sind wir mit Flüchtlingen aus einer Unterkunft in Berlin-Marzahn zum Bowling gegangen. Dieser Tag hat mich zum Nachdenken gebracht, wie ich mich langfristig engagieren könnte. Deutschunterricht, das hat mir sofort gefallen. Mit Sprache geht doch alles los, sie ist so wichtig für die Integration. Dass meine eigene Sprache auch mir selbst Probleme bereiten kann, merke ich schon nach kurzer Zeit. Ich stelle den Kaffee auf den Tisch. Der Kaffee steht auf dem Tisch. Zwei Mal auf, einmal Akkusativ, einmal Dativ. Hm, ja. Wie ich irgendjemandem erklären soll, warum das so ist, ist mir ein Rätsel. Jeremias beruhigt sofort: Wenn man mal etwas nicht weiß, ist das nicht schlimm. Man schaut es einfach bis zur nächsten Stunde nach und erklärt es dann.

Deutschunterricht für Flüchtlinge
FREUDE am Lernen ist das Wichtigste 

Unterricht für Flüchtlinge

Am nächsten Tag vor der größten Notunterkunft in Berlin. Wir warten vor Hangar 6 am ehemaligen Flughafen Tempelhof. Ein paar Männer und Jungs spielen Fußball hinter uns auf dem Asphalt. Mit der heutigen Kursleiterin Sophie geht es zur Sicherheitskontrolle, dann durch die hohe Halle des Flugzeughangars, die mit weißen Kabinen vollgestellt ist. Es ist ruhig hier. Das ändert sich schlagartig, als wir den Raum betreten, in dem der Sprachkurs stattfinden wird. Etwa zehn Biertische und -bänke stehen im Raum verteilt, jeder ist eine Klasse. An einem Tisch sammeln sich Kinder mit Bildern und Buntstiften, hinten in der Ecke sitzt ein junger Mann ins Gespräch mit seinem Lehrer vertieft. Viele Schüler laufen noch umher, nicken freundlich und entscheiden sich dann für einen Platz.

Mit Händen und Füßen aushelfen, etwas aufmalen? Das ist okay. Ausweichen in eine andere Sprache? Keinesfalls.

Ich setze mich an einen Tisch und habe schnell Schüler. Der Unterricht beginnt sofort, die drei Männer aus Syrien wollen unbedingt lernen. Es geht sofort mitten rein ins heutige Thema: Einkaufen. Wir üben kleine Dialoge mit verteilten Rollen, erst mal im Supermarkt. Was kaufst du ein? Wie viel kostet das? Vor allem am Vokabular sind die drei interessiert. Tomaten werden eingekauft, Gurken und Zucchini, aber auch T-Shirts. Ich male viel Obst und Gemüse an diesem Nachmittag und folge damit unbewusst Jeremias’ Ratschlägen. Als ich das Einschäumen meiner Haare simuliere, um das Wort Shampoo zu erklären, fangen alle an zu lachen. Selten hat Einkaufen so viel Spaß gemacht.

Deutschunterricht für Flüchtlinge

VERBALER RUNDGANG durch Supermarkt, Apotheke und Bäckerei 

Nur noch eine kleine Übung

Nach dem Supermarkt sind wir in der Apotheke und der Bäckerei unterwegs, es geht um Kopfschmerztabletten, Brötchen und Kuchen. Auf dem Weg aus der Bäckerei überlege ich, wie viel Zeit wir wohl noch haben. Wie spät ist es, frage ich in die Runde. „Fünf vor sechs“, kommt es korrekt zurück. Die Unterrichtszeit ist vorbeigeflogen, ich habe es kaum gemerkt. Eine letzte Übung machen wir noch: Jeder fragt einmal nach der Uhrzeit, dann ist Schluss. Kommt nächste Woche wieder, sage ich zum Abschied. Ich bin bestimmt auch wieder da.

Wer sich auch in der Flüchtlingsunterkunft Berlin-Tempelhof engagieren will, kann sich am InfoBus beraten lassen, der vor Hangar 3 steht. Mittwochs zwischen 15 und 19 Uhr, Samstags und Sonntags zwischen 12 und 19 Uhr ist er geöffnet. Wenn ihr Deutschunterricht geben wollt, wendet ihr euch am besten an die Mitarbeiter von GermanNow!