Musik-Festivals sind manchmal ekelhalft, oft dreckig und immer laut. Faszinierend – denken sich jedes Jahr Millionen Besucher und ziehen los. Jetzt startet die neue Saison.
Festivals 2014
Beim Gedanken an ein Open-Air-Festival macht nicht jeder Luftsprünge. Unsere Gesprächspartnerin Christine Neder war da - und gibt zu, dass sie sich getäuscht hat

Festivalbesucher lassen sich in zwei Kategorien einteilen: die einen hören danach lieber wieder Radio – und die anderen kommen immer wieder. Jede Gruppe hat ihre Gründe. Die Autorin Christine Neder hat vor zwei Jahren Blut geleckt. Nach ihrem ersten Festivalbesuch beschloss sie, das Ganze zu einem Projekt und dann zu einem Buch zu machen. Für „40 Festivals in 40 Wochen“ reiste Christine ein Jahr lang von Festival zu Festival und insgesamt in 14 Länder. Journey hat die Schriftstellerin getroffen:

Hallo Christine, Du hast als Festivalbesucherin eine rasante Entwicklung durchgemacht. Was war passiert?
"Ich hatte bis zu meinem ersten Festivalbesuch im Sommer 2012 ziemliche Vorurteile gegenüber solchen Veranstaltungen. Der Schmutz, die Lautstärke, das Chaos. Als ich dann da war, wurden auch prompt alle Vorurteile bestätigt. Du hast aber auch die Bands und die vielen coolen Leute – die Mischung fand ich wunderbar. In puncto Festival galt ab da die Devise ‚je schrecklicher, desto besser‘."
Du bist viel rumgekommen in dieser Zeit. Gibt es so etwas wie ultimative Festivalweisheiten?
"Zu einem Festival gehören coole Bands, gute Freunde und nette Zeltnachbarn. Das sind die Basics."
Festivals 2014
Manchmal ist es vielleicht besser, nicht erkannt zu werden - so wie hier bei Rock am Ring

Klingt machbar, was noch?
"Man sollte sich auf ein Festival gut vorbereiten. Nicht erst morgens um sieben den Koffer packen. Wenn was fehlt, ist das nervig und vor Ort schwierig zu besorgen. Eine Taschenlampe gehört auf jeden Fall ins Gepäck, sonst findest Du abends Dein Zelt nicht. Außerdem Toilettenpapier und natürlich kalte Getränke."
...und sonst?
"Feuchttücher, Trockenshampoo und ganz wichtig: Bargeld. Falls man doch noch was besorgen muss. Die Schlangen vor den Geldautomaten sind ewig lang und wenn Du endlich dran bist, ist das Ding leer oder kaputt."
Du bist immer alleine auf Festivals gefahren, lernt man dort schnell Leute kennen?
"Absolut, der erste Anknüpfungspunkt ergibt sich ja schon aus dem gemeinsamen Interesse für die Musik. Auch als Kontaktbörse funktioniert so ein Festival ganz gut. Augenkontakt suchen, kurz verwirren und dann den anderen zum Lachen bringen. Das klappt."
Und wenn es tatsächlich geklappt hat?
"Es gibt so einige Sachen, die man beachten sollte. Zum Beispiel, dass man immer im eigenen Zelt schläft, auch wenn das nicht alleine passiert..."
Was ist die beste Kleidung für Festivals?
"Je nach Festival gibt es einen Dresscode unter Eingefleischten. Man spielt auf so einem Festival ja auch eine Rolle. Aber sonst sollte es vor allem bequem und praktisch sein."
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Klare Ansagen in Sachen Grundbedürfnisse: hilfreich, aber nicht jedermanns Fall

Auf dem einen Bild siehst Du etwas vermatscht aus. Was ist passiert?
"Das war in Wacken. Ich wollte eigentlich eine Schlammpfütze fotografieren. Dann kam ein Witzbold von der Seite und ich lag in der Pfütze. So etwas passiert. Ansonsten ist Wacken witzig, auch wenn ich sonst kein großer Fan von Punk- und Metalfestivals bin."
Würdest Du die Reise noch mal machen?
"Es gibt auf jeden Fall noch Festivals, die ich besuchen möchte. Das Burning-Man-Festival in Nevada schaffe ich dieses Jahr leider nicht, aber da muss ich unbedingt mal hin."
Danke für das Gespräch, Christine.

Wichtige weitere Tipps und Tricks für angehende Festivalbesucher und alte Hasen gibt es in Christine Neders Blog "Lilies Diary".