„Mr. Stevia“: Der süße Erfolg

Von:  Cherotich Kenei 12.05.2015

Mr. Stevia: Charles Langat auf seiner Farm in der Nähe von Kericho

Mr. Stevia: Charles Langat auf seiner Farm in der Nähe von Kericho

Stevia verändert nicht nur unsere Gewohnheiten. Sie verändert auch die Weltwirtschaft. Wo Kleinbauern zuvor dem Boden karge Erträge abrangen, ernährt die robuste Pflanze nun Familien. Besuch bei einem Stevia-Farmer in Kenia.

Grün. In allen Schattierungen. Soweit das Auge reicht. Wie ein endloser Teppich liegt die Savanne über dem Land, sie reicht bis in die grünen Vororte der Hauptstadt Nairobi, selbst dort gibt es kleine Farmen und Teeplantagen. Unser Weg führt Richtung Westen durch das Great Rift Valley, den Großen Afrikanischen Grabenbruch, einen der spektakulärsten Orte der Welt: ein rund 6000 Kilometer langes und bis zu 100 Kilometer breites Tal. Am Rand der Schnellstraße, je nach Tageszeit: Paviane, Giraffen, Zebras.

Nach vier Stunden erreichen wir den Bezirk Kericho, schon aus der Ferne sind die riesigen tiefgrünen Plantagen sichtbar. Kericho ist das bedeutendste Teeanbaugebiet des Landes. Schon vor dem Eintreffen weht der blumige Duft zum Wagenfenster herein. Der Boden ist fruchtbar in Kericho.

Kericho ist Kenias Tee-Hauptstadt. Die Lebensbedingungen der meisten Farmer hängen von der Tee-Produktion und den Weltmarktpreisen ab, die sie für ihre Ernten erhalten. Der Gemüseanbau reicht mehr schlecht als recht, um die Familien zu ernähren. Bislang. Jetzt haben die Bauern eine Alternative: Stevia.

In Kenia wurde sie durch Purecircle Ltd eingeführt, einem der weltweit größten Anbieter, der auch Coca-Cola beliefert. Die Skepsis der Farmer war zunächst groß. Doch dann hat ein Mann ihnen allen gezeigt, dass es sich lohnt, eingefahrene Wege zu verlassen. Sie nennen ihn: Mr. Stevia.

Stevia-Blätter werden nach drei Monaten geerntet

Stevia-Blätter werden nach drei Monaten geerntet 

Eigentlich heißt er Charles Langat und ist ein bescheidener Mann, Vater von drei Kindern und ein moderner Farmer. Seine Farm in Kaborok, einem Vorort von Kericho, sieht klein aus, aber sie beherbergt mehr, als das Auge auf den ersten Blick erkennen kann. Seine Pflanzen und Tiere sind gut gepflegt und alles ist auf optimale Nutzung ausgelegt. Und doch genügte es kaum.

Eines Tages hört Charles im Radio von Stevia, einer neuen Pflanze, die das Potenzial haben soll, die wirtschaftliche Situation der Farmer zu verbessern. „Warum nicht, habe ich mir damals gesagt“, erinnert sich Charles. Er macht sich auf den Weg und holt sich die ersten Stevia-Setzlinge von Purecircle.

Stevia wächst optimal in Bergregionen mit einem subtropischen Klima und ist gut für Charles’ Felder mit ihren durchlässigen Böden geeignet. Ein weiterer Vorteil: Die Pflanze benötigt nur wenig Dünger und Wasser, bevor ihre Blätter nach sorgfältiger Pflege innerhalb von drei Monaten geerntet werden können. Zunächst war die Arbeit mit der Pflanze auch für Charles ungewohnt. Nach der Ernte muss er die Stevia auf Drahtgittern über dem Boden für eine Woche trocknen, bevor er sie an einen Großhändler verkaufen kann.

Doch inzwischen ist Stevia die Lebensgrundlage für Charles und seine Familie geworden. Sein Erfolg ermöglichte ihm den Ausbau seiner Ackerflächen, und bringt ihm etwa doppelt soviel ein wie Gemüse- und Teeanbau.

Familienfoto: Mr. und Mrs. Stevia mit ihren Kindern

Familienfoto: Mr. und Mrs. Stevia mit ihren Kindern

Charles hat es vorgemacht und Stevia erobert Kericho. Jetzt wollen alle von Mr. Stevia das Geheimnis seines Erfolges erfahren. Charles und nutzt seine Popularität. Monatelang fährt er mit seinem kleinen Moped im Auftrag von Purecircle zu anderen Farmern, um ihnen den Anbau und die Vorteile von Stevia zu erklären. „Irgendwann war es einfach zu viel. Ich hatte kaum noch Zeit, um mich um meine Familie und die Farm zu kümmern. Also habe ich die Farmer eingeladen, mich stattdessen zu besuchen.“ Charles’ Angebot wird von vielen Farmern angenommen. Früher saß Charles jeden Tag stundenlang im Minibus. Heute kommen Farmer von überallher, um von ihm alles Finnessen des „Stevia Business“ zu lernen.

„Ich hoffe”, sagt Charles, „dass bald mehr Anleger in den Stevia-Markt investieren. Das hilft dem einzelnen Farmer – und der gesamten kenianischen Wirtschaft.“ Nicht nur das: Er und seine Familie nutzen Stevia selbst als Süßstoff und können damit den für sie immens teuren Zucker ersetzen.



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