Alle Mütter haben einen Fulltimejob, manche Mütter haben zwei. Wie machen die das?, fragen sich Außenstehende. Wie mache ich das?, fragen sich die Mütter. Unsere Antwort: Einfach großartig! In unserer neuen Serie Moms @ Work @ Coke zeigen wir Euch, wie sie es bei Coca-Cola machen. Dürfen wir vorstellen? Unsere Mama-Managerinnen! Heute: Hermin Charlotte Bartelheimer.

DAS ERSTE MEETING von Hermin Charlotte Bartelheimer ging um 7:00 Uhr mit großer Ernsthaftigkeit über die Bühne. Ort: Kinderzimmer. Anwesend: Mama Hermin, komplett angezogen, losgehfertig und Sohn Fritz, im Schlafie. Das Thema: Spielzeug. Sie wollte etwas von ihrem Sohn mit zum Interview zu bringen. Und der kleine Fritz hat sein Lieblingsspielzeug dann nach dem Aufwachen selbst ausgesucht und seiner Mutter mitgegeben. Als Hermin von dieser morgendlichen Entscheidungsfindung erzählt, leuchten ihre Augen und man kann sich gut vorstellen, mit welcher Akribie der Zweijährige genau diese Gefährte namentlich ausgesucht hat. Lader, Traktor, Bagger.

Es ist still im großen Haus von Coca-Cola an der Spree in Berlin. Manchmal erklingt im Foyer das „Pling“ der Fahrstühle, aber zwischen sieben und acht ist nur wenig Betrieb. Der Schreibtisch von Hermin. Gleich, draußen vor dem Fenster entsteht ein Neubau, aber der Blick aufs Wasser ist noch halbwegs frei. Hermin ist morgens eine der ersten im Büro. Sie ist Head of Digital Communications and Engagement, auf Deutsch: Sie leitet die Abteilung für digitale Unternehmenskommunikation. Facebook, Twitter, Blogs und Journey – die Kanäle sind vielfältig und das Geschäft ist schnell. Ein Beruf der viel abverlangt. Konzentration, Weitsicht, Teamfähigkeit sind unbedingte Tugenden.

Berlin, 7:30 Uhr: Hermin Charlotte Bartelheimer @ work
Berlin, 7:30 Uhr: Hermin Charlotte Bartelheimer @ work


„Natürlich muss ich alles planen, aber dann wird die Babysitterin krank und schon ist alles anders.“

„Berlin, London, Berlin – sechs Stunden Schlaf und jetzt wieder hier“, die vergangenen 24 Stunden von Hermin klingen so ganz nach Management in einem internationalen Unternehmen. Wo bleibt da die Familie? „Ich kann nicht verbissen an einem Plan festhalten. Natürlich muss ich alles organisieren, aber dann wird die Babysitterin krank und schon ist alles anders.“ Hermin spricht von dieser Flexibilität, die allen Eltern eigen ist und besonders Mütter mit Job vor immer neue und plötzliche Entscheidungen stellt. „Früher war ich anders strukturiert, strenger würde ich sagen, vielleicht verbissen. Wenn etwas nicht funktionierte, hat mich das schnell geärgert, im Beruf und auch nebenher. Das hat sich fast schlagartig geändert als Fritz kam.“

Moms @ Work @ Coke – alle Folgen

Radlader, Traktor, Bagger. Felix Picker, der Social-Media-Experte, hat richtig geraten als er dazukommt und seinen Tag am Nachbarschreibtisch beginnt. Auch der Chef der Abteilung Nachhaltigkeit, Uwe Kleinert, liegt nah dran, als er im Vorbeigehen das Spielzeug sieht. Das Arbeitsklima ist konzentriert, aber locker; der kleine Fritz stiftet Harmonie und Anknüpfungspunkte, obwohl er nur sein Spielzeug mitgegeben hat. „Teamwork ist wichtig und mein Team nimmt mir viel ab.“ Hermin blickt dankbar in die Runde der eintrudelnden Kollegen. Das Lob flüstert sie leise lachend, aber auch: stolz.

„Schon nach zwei Wochen war ich wieder total drin.“

Hermin hat das Mutterwerden mit einem Karrieresprung verbunden. Die Abteilung managt sie in einer 30-Stundenwoche, Coca-Cola sei ihr dabei entgegengekommen, und das System mit den flexiblen Arbeitszeiten funktioniert gut. Der Schritt zurück fiel nach 18 Monaten Babypause nicht leicht, aber dann erwies sich die Angst, nicht allen (Kind, Ehemann, Arbeitgeber) gerecht zu werden, schnell als unbegründet. „Schon nach zwei Wochen war ich wieder total drin.“ Dabei zeigt Hermin aber auch Verständnis für jedwedes andere Modell, zu dem sich Mütter entschließen. „Das muss jede Frau für sich ausmachen. Aber die Sorge vor der Zeit nach der Auszeit verschwindet, wenn man erstmal wieder angefangen hat. Und wenn es so nicht funktioniert, dann muss man das Modell wieder ändern, anpassen bis es sich richtig anfühlt. Es gibt keinen einzig richtigen Weg. Das ist auch eine Form der Flexibilität: Wenn es so nicht klappt, dann muss man ein anderes Modell für sich finden – ohne das Gefühl, versagt zu haben.“

Links an der Säule über dem Bildschirm lacht die kleine Familie Bartelheimer von einem Foto, Glück auf 15 mal 10 cm.

Rollentausch am Nachmittag: Auf dem Spielplatz klingelt das Telefon nur in Notfällen.
Rollentausch am Nachmittag: Auf dem Spielplatz klingelt das Telefon nur in Notfällen.


Das Kind habe sie weicher gemacht als Mensch und als Manager, Fehler mag Hermin nach wie vor nicht, aber die Wege zum Ziel sind heute vielfältiger und sie sei geduldiger geworden. Eine Babysitterin mit perfekten Deutschkenntnissen sei eigentlich die Minimalanforderung gewesen. Als Fritz ausgerechnet einer Kandidatin spontan in die Arme lief die genau diese nicht hatte, war es ihr egal. „Die beiden lernen jetzt einfach zusammen eine Sprache“, lacht sie. Hermin scheint sich über sich selbst zu wundern, wenn sie so spricht. Und sie lacht über sich selbst als „Muddi“. Trotzdem neigt sie nicht zum Tagträumen, wenn sie morgens in aller Frühe allein im Büro sitzt. „Wenn ich hier bin, dann bin ich zu 100 Prozent im Job. Ich ziehe die hochhackigsten Schuhe an, die seidigste Bluse und bin komplett auf meine Aufgabe fixiert. Nachmittags vollziehe ich dann einen Rollentausch. Bequeme Klamotten und ab auf den Spielplatz, zum Singen oder zum Kinderturnen.“ Nur in absoluten Notfällen klingelt dann das Arbeitstelefon, das Team zieht eben mit. Flexibel sind hierbei alle: der Arbeitgeber, genauso wie sie selbst, wenn wichtige Meetings anstehen. Und damit auch ihr Mann.

„Die Zeit morgens im Auto, die gehört mir. Dann gibt es laute Musik und Telefonate“

Zeit für sich selbst bleibt nicht ihr mehr viel, aber es klingt nicht bedauernd, wenn Hermin das sagt, denn die Zeit mit der Familie gibt ihr noch mehr als die Zeit für sich. Auch eine Veränderung: Man legt seinen Egoismus ab. „Die Zeit morgens im Auto, die gehört mir. Dann gibt es laute Musik und Telefonate mit den Freundinnen. Abends, wenn alles gemacht ist und der kleine Fritz im Bett und ich mich nicht noch mal an den Computer im Home-Office setze, dann ist da Zeit für mich und meinen Mann.“


Hermin ist ein Karrieremensch und erfolgreich im Job. Stolz ist sie aber weniger auf den Erfolg im Beruf, stolz ist sie auf ihre Familie, ihren Mann, auf Fritz und sich selbst, dass sie alles unter einen Hut bringen, gemeinsam. Stolz ist sie auch auf die Mütter insgesamt, weil es eben eine enorme Leistung, ein Fulltimejob ist, den sie früher unterschätzt und bei Freunden und Kollegen damals selbst zu wenig gewürdigt hat.

Hermin erwartet dafür keinen Dank, aber sie fordert Anerkennung. Hermin trifft jeden Tag Entscheidungen, die mal kleinere und mal größere Wellen schlagen. Schnell, effizient und immer durchdacht.

Die Frage nach der besten Entscheidung in ihrem Leben braucht man ihr nicht zu stellen.

Steckbrief
Name: Hermin Charlotte Bartelheimer
Alter: 33
Kinder: Friedrich Karl Bartelheimer a.k.a. Fritz
Beruf: Head of Digital Communications and Engagement
Berufung: Chief Executive of Bartelheimer Family Enterprises.

Hier geht es zu Hermins neuer Kolumne
Die Mama-AG.