WENN SIE AUS DEM FENSTER SCHAUT, blickt sie auf Pferde, Wiesen und Wälder. Die Betriebsniederlassung in Perwenitz liegt zwar vor den Toren Berlins, doch von der Stadt und ihrer Hektik bemerkt man hier nichts. Auch die rund 200 Mitarbeiter sucht man zunächst vergeblich. In der großen Halle reparieren Mechaniker Kühlaggregate und sonstige Technik, im Bürogebäude sitzt das Management – und Christiane Fritsch. Die Personalreferentin kümmert sich unter anderem um Neueinstellungen und Auszubildende.

Moms @ Work @ Coke – Christiane Fritsch
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Plötzlich allein

Als sich Christiane Fritsch bei Coca-Cola bewirbt, sucht sie Veränderung. Die sieben Jahre bei einem Personaldienstleister waren schön, aber sie sollten nicht das Ende der Karriere sein. Große Chancen gibt sie sich nicht. Als Mutter von zwei kleinen Kindern und einem großen Bewerberfeld sieht Christiane Fritsch andere im Vorteil. Aber es klappt. Die Arbeit macht Spaß und fordert, am Nachmittag steht die Familie im Mittelpunkt. Doch nach der Trennung von ihrem Mann ist sie auf einmal alleinerziehend.

Die Situation ist anders, aber sie ändert nichts. Im Job muss Christiane Fritsch weiter funktionieren und die Kinder brauchen ihre Mutter vielleicht mehr denn je. „Mir war es ganz wichtig, dass meine Söhne da unbeschadet rauskommen“, erzählt sie. „Und mit zwei Kindern kommen die normalen Alltagskatastrophen ja gleich doppelt dazu“. Jetzt lacht die 36-Jährige.

Christiane Fritsch hat sich einen Rahmen des Möglichen geschaffen. „Natürlich will auch ich die perfekte Mutter sein, aber es geht halt nicht immer alles perfekt. Ich habe einmal gelesen, gut ist gut genug, das finde ich treffend.“

Knutscher für Mama

Zu Hause gibt es Rituale und Regeln. Das gemeinsame Frühstück und Abendessen sind absolutes Muss. Die Jungs helfen mit Tisch- und Katzendienst im Haushalt, der letzte und wichtigste Punkt auf der schriftlichen To-Do-Liste in der Küche lautet „Knutscher für Mama“. Dass die Söhne selbstständiger werden, sieht Christiane Fritsch mit einer Mischung aus Freude und manchmal Wehmut. Allerdings hat sie jetzt häufiger Gelegenheit, mal fünf Minuten für sich selbst abzuzwacken. Die Trennung zwischen Beruf und Privatleben zieht sie strikt: „Ich lebe Work-Life-Balance.“

Die Erfahrungen aus den letzten Jahren helfen ihr aber auch im Beruf. Sie beschreibt sich heute als ruhiger, dabei eloquent und zielstrebig. Unvorhergesehenes kommt mit zwei Kindern oft, aber es wirft sie nicht aus der Bahn. Christiane Fritsch hat sich über die Jahre ein Netzwerk geschaffen. Egal ob die Mutter anreist oder die Nanny spontan kommt, Ausfälle gibt es so nicht.

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... auf das Thema legen, empfiehlt Christiane Fritsch.

Zeugnisse sind nicht alles

„Ich kann so ein Netzwerk jedem Berufseinsteiger nur ans Herz legen“, jetzt spricht die Personalreferentin aus ihr. „Es gibt einem selbst und dem Arbeitgeber Sicherheit. Wenn das schon im Vorstellungsgespräch aktiv thematisiert wird, kann das helfen.“ So hat sie es auch gemacht.

Christiane Fritsch ist häufig dabei, wenn neue Stellen besetzt werden. Sie nimmt sich dann die Zeit, den Menschen hinter dem Zeugnis zu betrachten. „Gute Noten allein sind nicht besonders aussagekräftig.“ Sie mag es, wenn Menschen echtes Interesse und Engagement zeigen, sich ernsthaft auf das Gespräch vorbereiten. Für einen „Bauchmenschen“ wie sie ist das besonders wichtig – bei allen Entscheidungen. Christiane Fritsch fährt gut damit. Ihr neuer Partner bringt seine Tochter mit in die Beziehung. Sie freut sich auf das Patchwork.

Steckbrief

Name: Christiane Fritsch

Alter: 36

Kinder: Klemens und Konrad

Beruf: Personalreferentin

Berufung: Alltagsheldin