DER SCHREIBTISCH IST BUNT GEFÜLLT mit Arbeit, aber Puppe und Kinderbuch passen gut ins Bild. Von einem Foto strahlen zwei lachende Mädchen. Zwei Welten, die miteinander harmonieren. Willkommen im Management bei Coca-Cola
Sanam dreht bei Coke das große Rad. Als Chefeinkäuferin geht so ziemlich alles über ihren Schreibtisch, was im Unternehmen angeschafft wird. Dafür hat sie jährlich eine beträchtliche Summe zur Verfügung. Die Zahl fällt im Gespräch beiläufig. Sanam bevorzugt die leisen Töne. Sie spricht bedächtig und hört aufmerksam zu. Die 40-Jährige hat bei Coca-Cola eine tolle Karriere gemacht. Dabei gingen Zufall und Einsatz mehr als einmal Hand in Hand. Ein ungeplantes Treffen mit dem Management erleichtert den Eintritt ins Unternehmen, dann muss sie ihr Können unter Beweis stellen. „Es geht darum, den glücklichen Moment in positives Handeln umzusetzen“, beschreibt Sanam ihren Erfolg. Als sie richtig Tritt fasst, ist plötzlich Kind Nr. 1 unterwegs. Eine Überraschung für Sanam und für den Arbeitgeber.
Moms @ Work @ Coke – Schreibtisch
ÜBER diesen Schreibtisch geht einiges: Sanam @ Work @ Coke

Das dringende Gespräch

Die Nachricht war für Sanam ein Schock. Sie hatte plötzlich Angst, den Anschluss im Unternehmen zu verlieren. Als sie ihren Chef um ein dringendes Gespräch außerhalb der Firma bittet und ein schreckliches Ereignis andeutet, befürchtet der wiederum das Schlimmste: ihre Kündigung. Als er dann von der Schwangerschaft erfährt, fällt ihm ein Stein vom Herzen, er spricht Sanam Mut zu. Heute lacht sie, wenn sie an die Situation zurückdenkt. Aber sie versteht Mütter, die in ähnlichen Konflikten stecken und rät zu Offenheit. „Denkt nach, was ihr selbst wollt und dann handelt entsprechend.“  

Es ist wichtig, immer alles klar zu kommunizieren, die eigenen Wünsche zu äußern und dafür einzustehen.


Für Sanam ist schon während der Schwangerschaft klar, dass sie nur kurz zu Hause bleiben wird, nach zweieinhalb Monaten ist sie zurück im Job. Und startet karrieremäßig richtig durch. „Es ist wichtig, immer alles klar zu kommunizieren, die eigenen Wünsche zu äußern und dafür einzustehen.“ In ihrem Fall bedeutet das, eine Struktur im Alltag zu bilden, die Arbeit und Familie zulässt. Ihr Mann unterstützt sie nach Kräften, als Selbstständiger kann er seine Arbeitszeiten flexibler planen. Und einmal mehr hat sie Glück. Die Babysitterin entpuppt sich als Fee, die der Familie bis heute die Treue hält und längst dazugehört.  

Selbstbewusst durch Erfolg

Schon während der Schwangerschaft merkt Sanam, dass sie es schafft. Sie kommt im Unternehmen voran und nutzt die Zeit, um sich die nötigen Strukturen zu schaffen. „Die neun Monate Schwangerschaft lassen sich richtig gut nutzen.“ Der Erfolg macht sie selbstbewusster, der Entschluss für ein weiteres Kind fällt quasi im Kreißsaal. Heute sind die Mädchen sieben und vier, der Alltag ist getaktet. Morgens bringt sie die Älteste zur Schule und genießt die Zeit für innigen Austausch zwischen Mutter und Tochter. Seit der Einschulung ist das Verhältnis noch enger geworden, die Älteste sucht Halt. Abends liebt Sanam das gemeinsame Abendessen und die ausgiebige Spielzeit. Die Kleine textet derweil Lieder und unterhält die Familie mit Gesang. Ein Tag in der Woche bei Oma und Opa bringt Großeltern und Kindern Freude – die enge Familienbindung ist Sanam und ihrem Mann wichtig.

Der Familienkalender entscheidet

In der Firma legt sie sich die Termine so, dass es für die Familie passt. Der Familienkalender bildet den Rahmen des Möglichen ab. „Man muss lernen Nein zu sagen, auch im Unternehmen.“ Wenn sie Montag abends nicht fliegen kann, weil die Familie sie braucht, nimmt sie die erste Maschine am Dienstag. „Es gibt immer einen Weg.“ Es ist ihr wichtig, dass das ankommt. Von ihrem Team fordert Sanam Offenheit und Initiative. „Meine Leute sollen ihren Weg machen. Sie sollen mich nicht um etwas bitten, sondern vielmehr ihre Wünsche äußern. Sagen was sie wollen. Natürlich gibt es Weg A und B, aber es gibt auch noch Weg C.“ 

Weniger ist mehr 

Sanam ist zwar oben angekommen, aber längst nicht am Ziel. „Ich lebe 100 Prozent Familie, aber ich habe zurzeit keine Hobbys und manchmal komme ich selbst auch zu kurz.“ Den „Sanam-Slow-Day" gönnt sie sich selten aber regelmäßig. Sie nimmt dann einen Tag Urlaub und macht einfach nur das, worauf sie Lust hat. Café, Lesen, Sport oder einfach auch nichts. Irgendwann testet sie die Viertage-Woche als Führungskraft. Ihr Chef findet die Idee toll. 

Steckbrief
Name:  Sanam Moayedi-Stummer
Alter: 40
Kinder: Soudi und Mina
Beruf: Director Procurement
Berufung: Kein Typ für entweder oder