Dürfen wir vorstellen? Unsere Mama-Managerinnen! Heute: Svenja Christen.

VIELLEICHT ist es eine deutsche Eigenart, immer nach dem Haken zu fragen, wenn sich alles zu gut anhört. Svenja Christen ist so ein Fall. Sie hat eine Situation geschaffen, in der es wirklich nur Gewinner gibt. Allen voran Loui. Der ist 16 Monate alt und hat nicht nur das Leben von Svenja Christen entscheidend verändert. Der „junge Mann“ hat auch Einfluss auf die Personalentwicklung beim Weltkonzern Coca-Cola genommen. Freilich ohne es zu wissen, aber mit nachhaltigem Erfolg.

„Junger Mann“ bestimmt Personalentwicklung bei Coca-Cola

Svenja Christen arbeitet im Bereich Training und Development. Die 29-Jährige sitzt an den Stellschrauben im Bereich der Personalentwicklung. Svenja Christen ist breit aufgestellt. Sie entwickelt neue Trainingsformate und arbeitet an Strategien rund um das Thema Lernen, Kompetenzerwerb und Weiterentwicklung. Dazu gehört häufig Überzeugungsarbeit. „Wenn ich an etwas glaube, dann setze ich mich auch dafür ein.“ Svenja Christen erscheint analytisch, aber nicht verkopft. Die studierte Psychologin arbeitet gradlinig und fokussiert, aber Spaß und Offenheit gehören für sie auch dazu, wenn es erfolgreich werden soll.

Rückkehr nach acht Monaten Elternzeit

Vor gut fünf Jahren kam Svenja Christen zu Coca-Cola. Sie hatte sich schon in der Vergangenheit mit Teilzeitmodellen beschäftigt. Bei einem früheren Arbeitgeber gab es ein Tandem im gehobenen Management. „Das lief dort richtig gut“, erinnert sie sich.

Moms @ Work @ Coke – Bottles
DOPPELT schön: Svenja Christens Schreibtisch in Berlin

Dann kam die Schwangerschaft. Die acht Monate Elternzeit waren schön, viel Zeit mit dem kleinen Loui und die Aussicht auf eine Rückkehr in den Job mit leicht verkürzter Wochenzeit. Drei Stunden weniger sollten es sein, in der Praxis sah es häufig anders aus. Zu der Zeit noch kein Problem, ihr Freund befand sich 6 Monate in Elternzeit, Loui hatte eine tolle Zeit mit seinem Papa.

Abstellgleis Teilzeitstelle?

Neben ihrem Job bei Coca-Cola arbeitet Svenja Christen noch an einem eigenen Projekt: Die Arbeit als systemischer Coach macht Spaß, ist aber zeitaufwendig. Kind, die Arbeit bei Coke und das Coaching – irgendwann wurde es dann doch so viel, dass der Stress kein positiver mehr war. „Ich habe mich zuerst mit meinem Freund hingesetzt und über eine Lösung gesprochen, dann bin ich zu meinem Arbeitgeber“, erinnert sich Svenja Christen. Sie schlug ihrer Chefin eine Tandemlösung vor. Die Stelle wurde ausgeschrieben und eine Mitarbeiterin entpuppte sich als perfekt. Denn sie war fachlich bestens geeignet und wollte noch ein berufsbegleitendes Studium beginnen. Die Chefin stimmte zu und das Projekt nahm Fahrt auf.

Moms @ Work @ Coke – Svenja Christen
STRESSFREIE Rahmenbedingungen: Svenja Christens Partner arbeitet ebenfalls in einem Tandem 

„Teilzeitarbeit kann auch ein Abstellgleis sein.“ Viele Mütter haben diese Sorge und manchmal bestätigt sich das leider auch nach der Rückkehr aus dem Mutterschutz. Bei Svenja Christen ist es anders gelaufen, sie hat die Teilzeit sogar mit einer Beförderung verknüpfen können. Es ist ein Junior – Senior Tandem entstanden, in dem sie die disziplinarische Verantwortung in dem Zweiergespann übernommen hat. Neben der täglichen Arbeit nimmt sie also noch Führungsverantwortung wahr und lernt an dieser Stelle dazu. Die Kollegin geht als Juniorpartnerin ebenfalls auf in ihrem Job und hat gleichzeitig Zeit für das Studium.

Der Erfolg der beiden zeigt auch der Chefin von Svenja Christen, dass es richtig war, gemeinsam die progressive Idee eines Jobsharings umzusetzen. Das Team arbeitet effizient und harmonisch. „Der organisatorische Aufwand hält sich in Grenzen“, erzählt Svenja Christen. 25 Stunden verteilt sie nun auf vier Arbeitstage. Svenja Christen hat den strategischen Part übernommen, die Kollegin ist mehr operativ unterwegs. Zehn bis zwölf Stunden pro Woche arbeitet Svenja Christen selbstständig.  „Für meine Arbeit bei Coke ist meine Coachingtätigkeit enorm hilfreich. Weil sich mein externes Netzwerk und meine Perspektiven erweitern, kann ich gleichzeitig viel von meinem neuen Know-How bei Coke gewinnbringend einsetzen.“

Beide Eltern haben Zeit für den „jungen Mann“

Das Tandem hat vieles einfacher gemacht. Zwei, dreimal in der Woche bringt Svenja Christen ihren Sohn zur Kita, an zwei bis drei Tagen holt sie ihn ab. Ihr Freund, der ebenfalls in einem Tandemmodell arbeitet, übernimmt die anderen Wege. „Freitags hab ich derzeit Coke-frei und oft holen wir Loui dann zusammen ab und starten gemeinsam ins Familienwochenende.“ Gerade jetzt ist es schön, Zeit für das Kind zu haben. Der Kleine entwickelt sich rasend und für Loui ist es doppelt schön, wenn beide Eltern gleich viel Zeit für ihn haben.

Das Kind, die Arbeit bei Coke und das Coaching – das ist bei allem Schönen auch herausfordernd. „Da macht es doch Sinn, wenigstens die Rahmenbedingungen stressfreier zu gestalten, wenn ich die Möglichkeit dazu habe.“

Man möchte unumwunden zustimmen und stellt trotzdem die Frage nach dem Haken an der ganzen Sache. Svenja Christen denkt nach, nicht lange, und sagt mit entwaffnender Offenheit: „Es gibt keinen.“

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Steckbrief

Name: Svenja Christen
Alter: 29
Kinder: Loui
Beruf: Referentin Training und Development
Berufung: Verantwortung übernehmen, kreativ sein und aufgeschlossen bleiben.