Dürfen wir vorstellen? Unsere Mama-Managerinnen! Heute: Ulrike Sapiro.

„WELCOME TO COCA-COLA“ steht in großen Lettern an der Zufahrt. Gespiegelte Wolken ziehen langsam über die Glasfassade des Gebäudes. Ein heiterer Tag am Himmel über der belgischen Hauptstadt. Und ein geschäftiger in den Büros hinter der Fassade. Tageslicht fällt durch das Glasdach. Je nach Stockwerk und Lage hat man Blick auf die Stadt. „Ich sitze an der Rückseite und schaue auf den Parkplatz“, sagt Ulrike Sapiro und lacht. Für sie ist die Aussicht unwichtig. Tagträume sind nicht ihr Ding. Sie wirkt schon im ersten Augenblick klar, direkt, zupackend. Für unser Gespräch sucht sie einen stillen Raum.

Sustainability, zu Deutsch: Nachhaltigkeit.

Ulrike Sapiro hat Deutschland vor 15 Jahren verlassen. Ihr Weg führte nach Frankreich und England, vor acht Jahren dann kam der Job bei Coca-Cola in Brüssel. Sie hat zwei Söhne, Oscar und Jonah, dreieinhalb und fünf Jahre alt. Bei Coca-Cola leitet die 40-Jährige den Bereich Sustainability, zu Deutsch: Nachhaltigkeit. Hinter dem sperrigen Wort verbirgt sich viel Verantwortung und viel Gutes. Etwa die Coca-Cola Stiftung, die jedes Jahr Millionen in soziale Projekte investiert. Nicht immer gilt die Devise: Tue Gutes und sprich darüber. „Wir sind auch als stille Spender aktiv, die Wirkung steht im Vordergrund“, erzählt Ulrike. Sie braucht Augenmaß, Gespür und manchmal ein dickes Fell. Dieses Jahr engagiert sich die Stiftung auch für Flüchtlinge. Die Not der Menschen lässt sie nicht kalt. „Auch weil ich eigene Kinder habe, geht mir das manchmal sehr nah.“

Zweimal die Woche in den Flieger

Moms @ Work @ Coke – Ulrike Sapiro
DAS ERSTE MEETING am Morgen beginnt sie mit heißer Milch...

Ulrike Sapiro möchte als Frau gesehen werden, die arbeitet und auch ein Elternteil ist, „wie übrigens viele Männer auch“. Sie arbeitet viel. Im Schnitt steigt sie an zwei Tagen in der Woche in den Flieger und jettet durch Europa. Meetings, Termine, Entscheidungen mit Tragweite. Die Kinderbetreung ist auf viele Schultern verteilt: ihr Mann, der die Kinder zur Ganztagsbetreuung bringt, die Großeltern, die die Ferien organisieren und eine Haushaltshilfe. „Coca-Cola hilft durch Flexibilität, vor allem wo und wann ich arbeite; Belgien hilft durch ausreichende bezahlbare Ganztagesbetreuung.“ Solche Rahmenbedingungen machen das Leben, wie sie es lebt, erst möglich. Sie bewundert Frauen, die den Haushalt schmeißen und die Kinder versorgen. „Wo nehmen die die Kraft her?“ Es klingt anerkennend und bleibt für sie fremd. Den ganzen Tag spielen, das sei nichts für sie. Eine Rolle mit Wirkung ist ihr wichtig. Arbeit, die fordert und Spaß macht. Das schließt aber überhaupt nichts aus. In Brüssel ist die erste wichtige Runde am Tage die mit der kompletten Familie – 15 Minuten morgens und noch im Bett. Bei einem Glas heißer Milch wird beratschlagt und gelacht.

Chinesisch kann warten

Ulrike Sapiro hat jeweils vier Monate Elternzeit genommen, dann ging es zurück an den Schreibtisch. Das mag kurz erscheinen, aber sie habe die Entscheidung bewusst für sich getroffen. „Ich beobachte im Umfeld, dass sich Mütter einen unheimlichen Druck machen, weil sie meinen, eine bestimmte Rolle ausfüllen zu müssen“. „Ich finde das schade,“ sie selbst sei keine Übermutter und habe dennoch keine Angst, etwas zu verpassen oder gar ein schlechtes Gewissen. Wenn die Planung des Kindergeburtstags zur Belastung werde, bringe das keinem etwas. Ihr Rat: „Entspannt Euch, Mütter!“ Es muss nicht immer das große Ding sein und auch der frühkindliche Chinesisch-Kurs kann warten.

Moms @ Work @ Coke – Ulrike Sapiro
…doch den ganzen Tag spielen, sei nichts für sie, sagt Ulrike Sapiro 

„Kinder können mit vielen Menschen glücklich sein“, sagt sie. „Sie brauchen nicht dauernd ihre Mutter. Zeiteinteilung mit anderen, vor allem mit dem Vater, Kita-Erzieherinnen oder Kinderfrauen finde ich nicht nur legitim, sondern auch gesund, solange diese Kombination einigermaßen stabil bleibt. Ich möchte wetten, es ist meinen Kinder wurscht, wer mit ihnen auf den Spielplatz geht, Hauptsache einer von diesen Leuten tut es.“ Und doch reden Jonah und Oscar, trotz des vielfältigen Umgangs und der vielen mütterlichen Abwesenheiten Deutsch miteinander. 

Ulrike Sapiro spricht aus Überzeugung. Wenn ihre Kinder Fremdem aufgeschlossen begegnen, freut sie sich, denn das ist ihr wichtig. Perfektionistisch ist sie im Beruf, im Kreise der Familie hat sie es lieber einfach und unkompliziert. Mit Spannung schaut Ulrike Sapiro in die nahe Zukunft – es steht ein langer Familienurlaub an. Die kurze Elternzeit zahlt sich jetzt aus, sie hat noch was gut. Fünf Wochen sollen es werden, Hongkong und Australien. Gute Reise!

Steckbrief

Name: Ulrike Sapiro
Alter: 40
Kinder: Jonah und Oscar
Beruf: Direktorin im Bereich Nachhaltigkeit
Berufung: Live life to the full. Lebe so viel wie du kannst.