Stevia* hat erst vor wenigen Jahren Einzug in die westliche Ernährungswelt gehalten. Das uralte, neu entdeckte Süßungsmittel süßt ganz ohne Kalorien. In vielen Lebensmitteln und Getränken wird Stevia* hierzulande inzwischen eingesetzt, bei Coca-Cola unter anderem in Glacéau vitaminwater und Nestea Grüner Tee mit Citrus-Geschmack.

Trotz der Popularität des Süßungsmittels bleibt bei vielen Menschen die Frage: Was genau ist Stevia* überhaupt? Und ist es wirklich sicher für den Verzehr? Wir haben Dr. Cathy Kapica vom Global Stevia Institute um eine Einschätzung gebeten. Sie ist Ernährungswissenschaftlerin und seit vielen Jahren Expertin für Fragen rund um Ernährung und Gesundheit.

Kapica: „Die Vorliebe für Süßes ist dem Menschen angeboren. Seit Jahrhunderten stillt er diese Geschmacksvorliebe mit süßen Lebensmitteln aus der Natur. Verbraucher von heute interessieren sich zunehmend für Lebensmittel und Getränke, die natürlich gewonnen wurden und nachhaltig sind. Sie achten auf Kalorien, wollen aber auch nicht auf Süßes verzichten. Seit kurzem gibt es eine neue Antwort auf diese Bedürfnisse. Stevia* ist ein alternatives Süßungsmittel mit null Kalorien. Der Einsatz von Stevia* als Teil einer gesunden und ausgewogenen Ernährung kann Menschen dabei unterstützen, ihre  Kalorienzufuhr zu managen. Kein Wunder, dass Stevia gerade weltweit an Bedeutung gewinnt, sowohl bei Lebensmitteln als auch bei Getränken.

Die Pflanze Stevia wird schon seit Hunderten von Jahren als Süßungsmittel verwendet. Der Einsatz von Stevia* als Süßungsmittel begann in Südamerika: Hier verwendeten die Ureinwohner die Blätter der Pflanze zum Süßen von Getränken oder kauten sie als Süßigkeit zwischendurch. Japan war in den 70er Jahren das erste Land, das Stevia kommerziell nutzte. 2008 erhielt gereinigter Steviablattextrakt von der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) den GRAS-Status (Generally Recognized As Safe; also gesundheitlich unbedenklich). 2008 ließ Food Standards Australia New Zealand (FSANZ) die Nutzung des gereinigten Steviablattextrakts als Intensivsüßungsmittel für viele Lebensmittel zu. 2008, 2009 und 2010 hat der Gemeinsame FAO-/WHO-Sachverständigenausschuss für Lebensmittelzusatzstoffe (JECFA) Spezifikationen für die Verwendung für gereinigte Steviablattextrakte als Süßungsmittel veröffentlicht.  2011 hat die Europäische Kommission extrareines Stevia* als Süßungsmittel für Lebensmittel und Getränke EU-weit zugelassen.

Eine Gartenpflanze mit Zukunft

Steviapflanze

Heute wird Stevia hauptsächlich in Paraguay, Kenia, China und den USA, aber auch in vielen anderen Teilen der Welt, darunter Vietnam, Brasilien, Indien und Kolumbien, angebaut. Stevia wird durch natürliche, herkömmliche Pflanzenzüchtungsmethoden wie zum Beispiel Fremdbestäubung erzeugt und ist kein gentechnisch veränderter Organismus. Stevia hat eine wesentlich höhere Süßkraft als viele andere Süßungsmittel. Die süßenden Komponenten der Pflanze, die Stevioglykoside, sind bis zu 400 Mal süßer als zum Beispiel Zucker.

Der Weg zur Süße

Steviolglykoside werden aus den Steviablättern extrahiert, herausgefiltert und gereinigt.  Dieses Verfahren ähnelt den Verfahren, die zur Gewinnung anderer Pflanzenerzeugnisse wie Zucker verwendet werden. Die süßenden Moleküle der Steviapflanze werden durch das Einweichen der getrockneter Blätter in Wasser (wie bei Tee) und das Trennen oder Reinigen der Steviolglykoside gewonnen. In fünf Schritten kommt man schließlich an das süße Ziel: Die Blätter werden zuerst zerkleinert und mit Wasser extrahiert. Dann folgt das Filtrieren und Abtrennen der Flüssigkeit aus der pflanzlichen Masse, anschließend geht es in die Reinigung und Trocknung. Extrareiner Steviablattextrakt, der einen mindestens 95-prozentigen Anteil an Steviolglykosiden enthält, wird oft als Stevia, Steviaextrakt, Steviablattextrakt, Reb A oder Rebiana bezeichnet. Die Extraktion und der Reinigungsprozess verleihen dem gereinigten Steviablattextrakt einen reinen Geschmack, der dem Zucker ähnlicher ist als dies bei rohem Steviaextrakt mit Pflanzenbestandteilen der Fall ist.

Rohe Stevien verfügen nicht über die gleiche behördliche Zulassung wie gereinigter Steviablattextrakt. In einigen Ländern werden ganze Steviablätter oder Stevia-Rohextrakte als Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Allerdings haben Aufsichtsbehörden lediglich gereinigten Steviablattextrakt für den Einsatz in Speisen und Getränken geprüft und genehmigt.

Stevia: geeignet für die ganze Familie

Nach gründlicher Auswertung von über 200 Studien haben alle weltweit führenden Behörden wie die World Health Organization, die European Food Safety Authority (EFSA) und die US-amerikanische FDA keine Belege dafür gefunden, dass der Genuss von Stevia gesundheitsschädlich sein könnte. Stevia enthält keine Kohlenhydrate und hat keinen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel. Selbst Menschen mit empfindlichen Zähnen bekommen mit der zuckerfreien Süße kein Problem. Auch sonst kommt Stevia durch alle Gesundheitsprüfungen. Toxikologische Studien haben die Auswirkungen von Steviakonsum über eine gesamte Lebensspanne untersucht und keinen Zusammenhang zwischen Stevia und möglichen Krankheiten oder Allergien gefunden.“

Stevia: Intensive Süße – aber ohne Kalorien und Nährstoffe

  • Aus der Steviapflanze gewonnen: Die süßen Steviolglykoside in den Blättern der Steviapflanze werden durch einen Vorgang extrahiert und gereinigt, bei dem Steviolglykosid-Moleküle so erhalten bleiben, wie sie auch in den Steviablättern vorkommen.
  • Nicht-nutritiv: Es verleiht Lebensmitteln Geschmack, ohne Kalorien hinzuzufügen.
  • Hochintensives Süßungsmittel: Die süßen Verbindungen von Stevia sind bis zu 400 Mal süßer als Saccharose. Deshalb wird viel weniger Süßstoff benötigt, um eine vergleichbare Süße zu erhalten. 

Weitere Informationen über Stevia erhalten Sie auf der Website des Global Stevia Institutes


*Stevia wird hier als Synonym zu Steviolglycoside verwendet.