Wenn wissenschaftliche Studien zu dem Ergebnis kommen, dass junge Menschen häufig einen inaktiven Lebensstil pflegen, lässt das aufhorchen. Mit Unterstützung der Coca-Cola Foundation hat deshalb ein europäisches Forschungsteam unter Leitung von Prof. Hans Peter Brandl-Bredenbeck bei Kindern und Jugendlichen nachgefragt, warum ihnen Bewegung so schwer fällt. An der „Jugend von heute“ liegt es nicht alleine, so Brandl-Bredenbeck.

Viele Kinder und Jugendliche bewegen sich heute nicht ausreichend und entwickeln zunehmend einen inaktiven Lebensstil. Dies hat negative Folgen für eine gesunde Entwicklung der Heranwachsenden und belastet langfristig auch die Gesundheitssysteme der Gesellschaft. Eine wachsende Zahl von Programmen soll junge Menschen zu einem aktiveren Lebensstil animieren. Bisher allerdings mit wenig Erfolg.

Schlechte Erfahrungen prägen

In einer von der Coca-Cola Stiftung finanzierten internationalen Studie (2011-2013) haben Sportpädagogen aus sechs europäischen Ländern untersucht, welche Gründe von den Heranwachsenden selbst für ihre Inaktivität genannt werden. Ein Hauptziel der qualitativen Untersuchung war es, der sogenannten Risikogruppe – also den inaktiven Jugendlichen selbst – eine Stimme zu geben. Die Ergebnisse zeigen: Trotz aller kulturellen Unterschiede sind die Gründe, warum Heranwachsende inaktiv sind, erstaunlich ähnlich.

Viele der befragten Kinder und Jugendlichen haben von schlechten Erfahrungen berichtet. So erleben sie häufig, dass ein leistungsorientiertes Angebot sich nur an die ohnehin schon aktiven Kinder und guten Sportler richtet, sie mit ihren Bedürfnissen nicht ernst genommen werden und dass sie sogar aufgrund ihrer motorischen Schwächen beleidigt und bestraft werden. Das sind Erfahrungen, die sie sowohl im Sportunterricht als auch im Vereinssport gemacht haben.

Junge Menschen wollen selbst entscheiden

Die befragten Jugendlichen geben zudem an, dass sie gerne selbstorganisiert mit Gleichaltrigen sportliche Aktivitäten ausüben würden. Außerhalb von Vereinen und Schule stehen ihnen dafür aber keine Sportflächen zur Verfügung.

Die befragten Heranwachsenden haben bisher noch keinen Zugang zu körperlicher Aktivität und Sport gefunden. Vielen fehlt es nach eigener Aussage schlichtweg am Vertrauen zum eigenen Körper und dessen Leistungsfähigkeit.

Insgesamt ergibt sich aus der Studie folgendes Bild: Die Jugend ist eine komplexe und anspruchsvolle Entwicklungsphase. Junge Menschen wägen darin Vor- und Nachteile bestimmter Lebensbereiche ab, wollen selbst entscheiden. Schlechte Erfahrungen im sportlichen Bereich hemmen die weitere aktive Entwicklung. Es ist also auch an uns über grundlegende Veränderungen in den Angebotsstrukturen nachzudenken. Dann haben wir auch eine Chance diese jungen Menschen für körperliche Aktivität und Sport zu gewinnen.