Prof. Dr. Ruut Veenhoven über Lebensfreude als Gesundheitsfaktor
Ruut Veenhoven ist Soziologieprofessor an der Universität Rotterdam und Mitglied im Beirat des Happiness Instituts. In der „World Database of Happiness“ hat er sämtliche Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Glückforschung gesammelt und analysiert. Im Interview verrät er, welche Faktoren zu mehr Lebensfreude führen – und wie Happiness und Gesundheit zusammenhängen.

Herr Prof. Veenhoven, in welcher Nation sind die Menschen laut Ihrer Datenbank am glücklichsten?

Besonders lebensfroh sind die Menschen in Dänemark, wo wir die höchsten Werte bei der dauerhaften Lebenszufriedenheit ermittelt haben. Auf einer Punkte-Skala von 1 bis 10 liegt der Durchschnitt dort bei 8,3. Zum Vergleich: in Simbabwe sind es nur 3,4 Punkte, in Deutschland 7,1 Punkte.

Dänemark ist ein vergleichsweise reiches Land – hängt Lebensfreude mit dem Wohlstand zusammen?

Wohlstand ist nur einer von mehreren Faktoren. Entscheidend ist die Qualität der Gesellschaft einer Nation darüber hinaus: Man muss sie in ihrer Gesamtheit betrachten. Dazu zählen zum Beispiel die freie Meinungsäußerung, ein solides Rechtssystem und die Gleichstellung von Männern und Frauen. All dies sind Determinanten, die in der Summe die Lebenszufriedenheit der Bevölkerung ausmachen.

Sind lebensfrohe Menschen auch gesünder?

Ja, und deswegen leben sie auch länger. Dazu gibt es inzwischen viele empirische Hinweise. Ich habe 30 verschiedene Studien zum Effekt der Lebensfreude auf die Gesundheit analysiert, und es zeigt sich: Lebensfrohe Menschen erholen sich nach Krankheiten schneller und leben länger. Besonders in Populationen mit überwiegend gesunden Menschen ist die lebensverlängernde Wirkung einer positiven inneren Einstellung sehr groß und in etwa vergleichbar mit dem Effekt des Nichtrauchens.

Wie beeinflusst Lebensfreude die körperliche Gesundheit?

Lebensfrohe Menschen achten mehr auf ihre Gesundheit. Sie sind zudem weniger gestresst, unter anderem weil sie aktiver am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und bessere soziale Kontakte haben.  Dadurch, dass sie weniger gestresst sind, sind sie auch weniger anfällig für Infektionen.


Welche Studie zum Thema Lebensfreude und Gesundheit hat Sie besonders beeindruckt?

Der Psychologe Sheldon Cohen hat mit seiner Forschergruppe an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh rund 400 Studenten während einer Prüfungsphase auf ihren psychischen Stresslevel untersucht und ihnen dann Nasentropfen mit Schnupfenviren verabreicht. Die Wahrscheinlichkeit, sich zu erkälten, war bei den gestressten, weniger lebensfrohen Teilnehmern dreimal so groß im Vergleich zu denjenigen, die entspannt und optimistisch blieben. Ein positiver Blick aufs Leben kann also dabei helfen, sich gegen kommende Erkrankungen zu wappnen.