Prof. Peter Wippermann ist Trendforscher und Mitglied im Beirat des Happiness Instituts von Coca-Cola. Im Interview verrät er, wie digitale Medien unsere Freundschaften beeinflussen. 

Herr Professor Wippermann, früher mussten wir Freunde anrufen und sie treffen, um mit ihnen zu sprechen. Heute kommunizieren wir über SMS, Apps oder Social Media. Wie verändert das unsere Freundschaften?

Freundschaften sind projekthafter geworden: In sozialen Netzwerken suchen wir sie verstärkt im Zusammenhang mit bestimmten Interessen oder für einen gewissen Zeitraum. Das Internet hilft uns dabei, diese neuen Freundschaften anzubahnen. Wir können beobachten, mit wem wir Gemeinsamkeiten haben, um dann den- oder diejenige besser kennenzulernen, zu treffen und die Freundschaft im realen Leben lebendig werden zu lassen.

Das Offline-Treffen bleibt also wichtig?

Coca-Cola auf der YOU Messe

Zusammen Coke trinken geht nur offline: Fans stoßen auf der YOU mit personalisierten Dosen an


Die intensivste Form der Freundschaft wird immer im realen Raum stattfinden, indem man sich wirklich sieht. Wer sich im Netz viel austauscht, wird in der realen Welt häufiger die Gelegenheit haben, Freunde zu treffen, als jemand, der sich nicht austauscht. Der neue Aspekt ist jedoch: Wie kommt es zum Treffen? Früher musste man genau absprechen, wann man sich wo trifft. Heute ist es eher so, dass man es sich bis kurz vor dem Treffen offen hält, ob man kommt. Das wird noch weiter zunehmen – auch durch Informationssysteme, die uns mitteilen, wo sich Freunde in der Nähe aufhalten.

Wie wertvoll sind beste Freunde?

Alles was verschwindet, gewinnt an Wert: Wenn Freundschaft in der alten Form schrumpft und seltener, kostbarer wird, dann ist ein bester Freund oder eine beste Freundin immer das Größte, was man sich wünschen kann. Gleichzeitig ist es aber so, dass viele heute die Freiheit haben möchten, Freundschaften zeitlich zu begrenzen. Die Beschleunigung wird in Freundschaften zukünftig eine große Rolle spielen, sowohl beim Kennenlernen als auch beim Updaten von Beziehungen: indem neue Freundschaften alte ablösen.

Eine aktuelle Studie des Happiness Instituts zeigt, dass Teenager heute mit Freunden am liebsten über SMS und WhatsApp kommunizieren. Ein verschwindend geringer Anteil greift zum Telefon oder schreibt eine E-Mail. Was steckt dahinter? 

Prof. Peter Wippermann

Talk auf der YOU Messe in Berlin: Prof. Peter Wippermann spricht mit Digital Natives über Freundschaft


Es geht heute viel mehr um „mediales Kraulen“: Man will sich darauf verständigen, dass man noch Teil der Gemeinschaft ist. Dazu reicht eine Kurzmeldung aus, WhatsApp ist noch dazu nahezu kostenlos. Interessant ist, dass das Telefonieren so weit zurückgefallen ist. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass es telefonisch eher kompliziert ist, eine Information gleichzeitig an alle Freunde weiterzugeben, so wie wir es heute durch SMS und soziale Netzwerke gewohnt sind.

Was macht speziell die Deutschen in ihren Freundschaften lebensfroh?

Die klassische Freundschaft beruht hierzulande auf tiefem Vertrauen, auf Belastungsfähigkeit und auf Langfristigkeit. Die jüngeren Deutschen haben allerdings die Erfahrung gemacht, dass die Eltern und vielleicht auch die Großeltern ihr Leben nicht mehr so leben konnten, wie sie es sich langfristig vorgestellt hatten. Das macht für sie die Gegenwart so attraktiv: Sie wollen gemeinsam mit ihren Freunden in der Jetzt-Zeit leben, nicht weit nach vorne und schon gar nicht in die Vergangenheit schauen.

Was macht Freundschaft für Sie persönlich aus?

Eine solide Vertrauensbasis und eine gemeinsame Lust am Leben. Dafür halte ich mir gern Zeit frei.



Video: Das Coca-Cola Happiness Institut fragt Trendforscher Prof. Peter Wippermann: Wie sehen Freundschaften in Deutschland heute aus?