In den 80er Jahren leitete Dr. Christoph Benn ein Krankenhaus in Tansania und erlebte dort massenhaftes Sterben. Ganze Dörfer fielen AIDS und Malaria zum Opfer. Wenn Benn heute nach Tansania kommt, sieht er, dass die medizinische Versorgung funktioniert – selbst in entlegenen Dörfern. Dies gelang mit „Last Mile“, einem Projekt, bei dem Regierungen, NGOs und Coca-Cola gemeinsam daran arbeiten, Medikamente für alle Patienten zugänglich zu machen. „Last Mile“ ist ein Erfolgsprojekt – und wird immer größer: Die Initiative wird nun von Tansania und Ghana ausgedehnt auf acht weitere afrikanische Länder und mit einer Summe von 21 Millionen US-Dollar unterstützt. Die Rolle von Coca-Cola: Wissen vermitteln, vor allem in Sachen Lagerhaltung und Transport.

Bilder zum Projekt "Last Mile" gibt es in der Fullscreen-Slideshow. Weitere Informationen hier.
Dr. Christoph Benn vom Global Fund To Fight AIDS, Tuberculosis and Malaria, hat uns erläutert, wie es zu dem Projekt kam und warum es so wichtig ist.
Last Mile
Dr. Christoph Benn

Was ist Ihre Aufgabe beim Global Fund?
Ich bin Arzt und Public Health Spezialist. In den achtziger Jahren habe ich ein Krankenhaus in Tansania geleitet. 2001 war ich involviert in die Gründung des Global Fund, der weltweit finanzielle Mittel einwirbt, um Programme in ärmeren Ländern zu unterstützen. Ich hatte schon länger um Spenden für die AIDS-Prävention geworben, nachdem ich die vernichtende Wirkung der Krankheit in Afrika erlebt habe. Heute kümmere ich mich in erster Linie um die Außenbeziehungen und sehe, dass finanzielle Mittel von Regierungen und Privatwirtschaft erworben werden. Gegenwärtig verfügen wir über vier Milliarden Dollar an Zuwendungen pro Jahr.
Hatten Sie früher schon mit Hilfe zur Selbsthilfe zu tun?
1988 habe ich eines der ersten HIV-Präventionsprogramme aufgebaut. Damals habe ich viel im Bereich Gesundheitsversorgung in ländlichen Gebieten gearbeitet. Das führt mich zum heutigen Thema. Damals wurde mir bewusst, wie schwierig es ist, mit medizinischer Versorgung in ländliche Gebiete vorzudringen. Dort leben aber die meisten Menschen in Tansania. So kamen wir auf die Idee, mit Coca-Cola zusammenzuarbeiten. Coke gibt es in jedem Winkel Tansanias. Das Know-how war also da. Wir wollten Medikamente in Gebiete jenseits der Verteilungsstationen bringen. Coca-Cola hat die Expertise und so kam die Kooperation zustande. Diese beiden Dinge zusammenzubringen, war eine meiner spannendsten Aufgaben in den letzten Jahren.
Warum lässt sich ein Erfrischungsgetränk mit Medikamenten vergleichen?
Es geht um die Logistik. Wenn es gelingt, Erfrischungsgetränke überall hin zu bringen, dann muss das auch mit Medikamenten und Moskitonetzen gehen. Da geht es um Transport, Lagerung und kontinuierliche Versorgung. Coca-Cola hat bewiesen, dass eine lückenlose Versorgung möglich ist. Dabei war die Idee nicht, dass wir Hilfsmittel mit den Lastern von Coca-Cola transportieren. Es geht vielmehr darum, dass Mitarbeiter der Regierungen lernen, selbst zu planen. Coca-Cola hilft den Leuten dabei, sich das Wissen anzueignen. Das ist funktionierende Hilfe zur Selbsthilfe.
Last Mile
Coca-Cola hilft mit "Last Mile", lebensrettende Medikamente in Afrika verfügbar zu machen.

Haben Sie Beispiele für die Zusammenarbeit?
Das geht los bei der Lagerhaltung. Mit der richtigen Technologie können Mitarbeiter überblicken, was reinkommt, was rausgeht, was bestellt werden muss. Früher wurde mit Papier und Bleistift geplant. Von Lagern aus kommen die Medikamente in regionale Zentren und Dörfer. Da geht es um Verträge mit Transportunternehmen. Durch die Zusammenarbeit mit Coke funktioniert das schneller und billiger, weil Coca-Cola viel mit Kooperationspartnern arbeitet und viele Verträge aushandelt. Das war eine wichtige Erkenntnis für die Leute vom Gesundheitsministerium.
Das Schlagwort „Golden Triangle“ bedeutet, dass Regierung, private Partner und NGOs zusammenarbeiten. Wie sieht das in der Umsetzung aus?
Wir haben mit Last Mile etwas komplett Neues angefangen. Bis vor ein paar Jahren gab es in Tansania kaum Hoffnung für AIDS-Kranke. Medikamente waren teuer oder nicht verfügbar. AIDS-Medikamente müssen täglich genommen werden. Damit das klappt, kommt es auf drei Faktoren an: Zum einen muss die Regierung es als ihre Aufgabe erkennen, sich darum zu kümmern. Dann braucht es einen internationalen Finanzierungspartner wie den Global Fund, der sie dabei unterstützt, Medikamente zu kaufen. Schließlich braucht man Expertise, um eine Infrastruktur aufzubauen. Die haben private Unternehmen, wie zum Beispiel Coca-Cola. Heute haben Menschen in ländlichen Bereichen Zugang zu Medikamenten. Kranke in Tansania nehmen ihre Medikamente genauso regelmäßig wie Kranke in Paris oder New York. Das war vor zehn Jahren nicht so. Dabei geht es nicht nur um AIDS, auch um Malaria, Tuberkulose und anderes. Die Malaria-Sterblichkeit ist außerdem um 50 Prozent zurückgegangen, seit Millionen von Moskitonetzen verteilt wurden.
Was ist der Plan für die Zukunft?
Wir haben große Pläne. Unter anderem sind die Bill und Melinda Gates Stiftung und mit USAID die US-Regierung involviert. Wir wollen Last Mile auf zehn weitere Länder in Afrika ausdehnen, damit unser Projekt eine noch größere Wirkung entfaltet. Als ich in Tansania gearbeitet habe, war ein Drittel meiner Patienten mit HIV infiziert und die starben alle. Ich habe massenhaftes Sterben gesehen und Kinder, die niemanden mehr hatten. Heute ist AIDS zwar nicht heilbar, aber die Menschen sterben nicht daran. Sie haben wieder Hoffnung. Das macht einen Riesenunterschied.
Zur Person
Dr. Christoph Benn war als Vorstandsmitglied an der Gründung des The Global Fund To Fight AIDS, Tuberculosis and Malaria beteiligt. Seit 2003 arbeitet er als Director of External Relations dieser Organisation in Genf. 1988-1992 war er leitender Arzt am Bulongwa Lutheran Hospital in Tansania und Koordinator eines großen AIDS Präventionsprogramms in Südtansania.

Infografik - Last Mile