● Nach dem Abi tingelt er als Straßenmusiker durch Australien und Neuseeland
● Vor zwei Jahren sammelt er bei Fans Geld für sein erstes Album
● Heute steht er auf Platz Eins der Charts
● Max Giesinger schafft mit „80 Millionen“ den Überraschungshit zur Fußball-EM

Vor zwei Jahren treffen wir Max Giesinger nach einem kleinen Clubkonzert in Berlin. Wir sprechen über seine Zeit nach „The Voice of Germany“, einen geplatzten Plattendeal und seine Crowd-Funding-Aktion. Max sammelt Geld bei Fans, um sein Debütalbum auf den Markt zu bringen – und hat das Geld nach nur einem Tag zusammen. 
Jetzt, zwei Alben später, sprechen wir wieder mit ihm. Am Vorabend hat er vor Zehntausenden auf der Coca-Cola-Fanmeile in Berlin gesungen. Heute spielt er in Kassel ein schon lange gebuchtes Wohnzimmer-Konzert. „Ein echtes Kontrastprogramm!“ Mittlerweile ist Max angekommen im Musikgeschäft. Und wie! Er hat sein Liebeslied „80 Millionen“ leicht umgeschrieben und EM-tauglich gemacht. Platz Eins bei iTunes, Platz Zwei in den offiziellen Single-Charts. 

Vor zwei Jahren hast du noch Geld für dein erstes Album gesammelt. Wie weit entfernt erscheint dir das heute?
„Eigentlich scheint mir das noch gar nicht so lange her. Das ging alles so schnell rum, weil ich mich nach der Tour damals sofort hingesetzt habe, um eine Platte zu schreiben, bei der wirklich alles für mich passt. Ich wollte mich textlich und musikalisch weiterentwickeln und hab' fast jeden Tag daran gearbeitet.”
Max Giesinger auf der Coca-Cola Fanmeile 2016
„wenn wir uns begegnen, dann leuchten wir auf wie Kometen“

Wie wichtig war im Rückblick diese Zeit ohne Plattenfirma und mit ungewisser Zukunft?
„Eigentlich war das eine wichtige Zwischenphase. Ich habe in kleineren Clubs gespielt, meine erste Platte gemacht und überlegt, was für mich funktioniert und was nicht. Hätte ich vor dem jetzigen Erfolg gar keine Musik gemacht, hätte ich das bestimmt nicht so gut verarbeiten können.”

Da muss jeder mal durchgehen. Die Kunst ist es, sich nicht von den Rückschlägen entmutigen zu lassen


Was waren die wichtigsten Stationen auf dem Weg vom Crowdfunding bis hierher?
„Auf jeden Fall die Tour 2014, als schon doppelt so viele Leute kamen wie ein Jahr davor. Dann der Kontakt zu meinem Produzenten Jens Schneider aus Mannheim, mit dem ich ganz viele Songs geschrieben habe. Ich habe immer versucht, dranzubleiben. Im August wollte ich den Schreibprozess erst beenden, habe dann aber doch nochmal zwei Wochen Songs rausgeballert. In der Zeit sind die vier, fünf wichtigsten Tracks der Platte entstanden.”
„Immer weitermachen" - die Devise von Oliver Kahn also...
„Genau. Jeder muss da mal durchgehen. Die Kunst ist es, sich nicht von den Rückschlägen entmutigen zu lassen. Hätte ich das 2012 oder 2013 gemacht, als die Plattenfirmen noch abgesagt haben, dann wäre alles ganz anders gekommen.”

Max Giesinger auf der Coca-Cola Fanmeile 2016
„es wird nicht leicht, aber ihr schafft das schon!“

Du wirktest damals erschüttert vom Musikgeschäft: „Ich komme ja vom Dorf, also aus einer heilen Welt und glaube tendenziell eher an das Gute im Menschen. Dann ging es aber nur darum: Was bringt Geld?”. Hat sich deine Meinung mittlerweile geändert?
„Damals habe ich mich vor allem auf die Castingshow bezogen, bei der du Musik für ein ganz anderes Konzept machst. Da bist du erstmal ein Produkt. Es geht nicht darum, dass dort Künstler längerfristig aufgebaut werden, sondern dass am Ende die Einschaltquoten stimmen. Da macht man natürlich alles andere als die Musik, die man eigentlich machen will. Jetzt nach den vier Jahren, in denen ich mich musikalisch gefunden habe, ist es was ganz anderes, mit einer Plattenfirma zu arbeiten. Die haben mich nicht genommen, weil ich ein paar Coversongs bei einer TV-Show gesungen habe, sondern weil ich meine eigenen Songs geschrieben habe, hinter denen ich zu 100 Prozent stehe. Deshalb habe ich jetzt doch eine sehr positive Erfahrung in Bezug auf Plattenfirmen gemacht.”

Gerade in der Bahn hat mich das ganze Abteil erkannt. Gefühlt kennt gerade jeder dieses Lied.


Was hat sich durch „80 Millionen” verändert?
„Gerade in der Bahn hat mich das ganze Abteil erkannt. Gefühlt kennt gerade jeder dieses Lied, das haben alle auf dem Schirm. Letztens stand ich am Bahnsteig und es kamen sechs, sieben Mädels angelaufen und haben einen hysterischen Anfall bekommen. Da dachte ich: Okay, irgendwas passiert hier gerade.”
Wie fühlt es sich an, am Brandenburger Tor vor einem schwarz-rot-goldenen Farbenmeer zu singen?
„Das ist natürlich eine ganz andere Erfahrung als auf meinen Konzerten oder auf Festivals, wo die Leute wegen der Musik kommen. Auf der Fanmeile geht es primär ums Partymachen. Die Leute wollen mitsingen, klatschen und die deutsche Mannschaft siegen sehen. Da muss man etwas mehr Power geben und nicht mit Kuschelrock kommen. Die EM-Version von ‚80 Millionen' passt da natürlich super hin.”
Die schwierigste Frage zum Schluss: Wer wird Europameister?
„Ich hoffe, dass sich die Deutschen spielerisch noch fangen. Aber 2014 in der Vorrunde haben wir auch nicht übermäßig gut gespielt. Ich denke schon, dass wir das hinbekommen. Finale, da müssen wir nochmal gucken, wie es ausgeht. Aber ich glaube, dass wir das packen können.”

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