Seit 40 Jahren stellt Coca-Cola in Lüneburg Erfrischungsgetränke her. Seit 10 Jahren auch ViO, eines der beliebtesten natürlichen Mineralwässer Deutschlands. Betriebsleiter Thorsten Kiehn steuert sein Team mit Begeisterung – und wird in diesen Tagen ebenfalls 40 Jahre alt. Was alle verbindet, ist der Stolz, etwas geschaffen zu haben. Gemeinsam.

DAS WASSER hat er schon immer geliebt, sagt Thorsten Kiehn. Als Kind machte er „jedes mögliche Schwimmabzeichen“, verließ das Freibad im Sommer eigentlich nur zum Schlafen. Als Teenager genoss er die Ruhe beim Angeln, später die Urlaube am Meer. Heute ist seine Leidenschaft für Wasser einer der Gründe dafür, dass er einen Betrieb mit 223 Mitarbeitern leitet.

Coca-Cola Mitarbeiter in Lüneburg
TEAMGEIST: 223 Mitarbeiter, die nicht nur zusammen arbeiten

Das Wasser aus der Lüner Quelle ist von hervorragender Qualität – und ViO heute eines der beliebtesten Mineralwässer Deutschlands. Mittlerweile gibt es eine ganze Produktfamilie: Spritzig, Medium, Still. Dazu Limonaden und Schorlen, auf Wunsch auch bio-zertifiziert und mit Obst aus heimischem Anbau. Das ist das Verdienst von Thorsten Kiehn und seinen Mitarbeitern. Kiehn sagt: „Ich muss in meinem Leben etwas tun, das mich berührt.“

In diesen Tagen wird der Wassermann Thorsten Kiehn, Sternzeichen Waage, 40 Jahre alt. Ebenso der Coca-Cola Standort Lüneburg. Berührt haben sich beider Geschichten schon früh. Aber der Reihe nach.

„Für mich war Coca-Cola immer Teil meiner Heimat“

Im Jahr 1977, als Thorsten Kiehn geboren wurde, schlossen sich 16 norddeutsche Coca-Cola Abfüller zusammen, um eine Dosenabfüllfabrik in Lüneburg zu errichten. Getränke in Dosen galten zu dieser Zeit als Inbegriff modernen Lebens. Das Werk in Lüneburg wurde schnell zu einem Wirtschaftsmotor, zum Auftraggeber für Dutzende mittelständische Unternehmen. 1988 wurde die Anlage nochmals aufgerüstet, sie produzierte nun 120.000 Dosen pro Stunde.

„Für mich war Coca-Cola immer Teil meiner Heimat“, sagt Kiehn. Nicht nur mit den Kumpels im Freibad. „Coca-Cola war bei uns in der Familie immer etwas Besonderes. Etwas, das es Weihnachten, Ostern oder bei Familienfesten gab.“

Anfang der neunziger Jahre arbeiten bereits 110 Mitarbeiter bei Coca-Cola in Lüneburg, doppelt so viele wie zu Beginn. Thorsten Kiehn ist mittlerweile leidenschaftlicher Handballer. Die Begeisterung, der Zusammenhalt als Mannschaft – das prägt ihn.

ViO Produktion in Lüneburg
WIRTSCHAFTSMOTOR:
Rund 100 Millionen Euro hat Coca-Cola in Lüneburg investiert

2002 modernisiert Coca-Cola das Werk abermals. Wo früher mit Handzetteln gearbeitet wurde, regeln nun Computer den Produktionsfluss. 249 Millionen Liter Getränke werden in diesem Jahr abgefüllt. Die Geschichte der Erfolge könnte so weitergehen, aber dann kommt der 1. Januar 2003: das Einwegpfand.

Zunächst ist die Situation für die Verbraucher unklar, es gibt kein einheitliches Rücknahmesystem. Das Produktionsvolumen an Dosen sinkt um 80 Prozent, über 100 Mitarbeiter müssen entlassen werden. Die Abfüllung in Lüneburg steht kurz vor der Schließung.

„Was alle verbindet, ist der Stolz, etwas geschaffen zu haben. Gemeinsam."

Thorsten Kiehn steckt zu dieser Zeit mitten im Studium: Angewandte Automatisierungstechnik. Nach dem Abitur hatte er eine Lehre als Elektroniker gemacht und dabei etwa an Fertigungsstraßen für Automobilhersteller gearbeitet. Während Kiehn sich noch auf sein Diplom konzentriert, beginnen in der Goseburgstaße erste Überlegungen, ob man den auf dem Gelände vorhandenen Brunnen nutzen könnte. Mineralwasser ist der beliebteste Durstlöscher der Deutschen geworden. Der Pro-Kopf-Verbrauch hat sich seit den siebziger Jahren verzehnfacht.

„Menschenführung lernt man nicht im Studium“.

Als Thorsten Kiehn seinen Abschluss hat, beginnt er eine Trainee-Stelle bei Coca-Cola. In diesem 18-monatigen Programm für angehende Führungskräfte lernt er vom LKW bis zur Vorstandsetage alle Bereiche des Unternehmens kennen. Kiehn wird 2006 übernommen, kurz darauf fällt die Entscheidung für den Brunnen. Aus dem Stand heraus steuert er den Produktionsbeginn von ViO. Er hat Verantwortung für 70 Mitarbeiter. „Das war schon ein Sprung ins Kalte“, sagt er heute. „Menschenführung lernt man nicht im Studium“.

ViO Produktpalette

Aber nun beginnt jener Teil der Geschichte, der von Zusammenhalt und Familiengeist handelt. Vom Blick dafür, was die Zeit verlangt. Vom Mut zu einer vollständigen Neuausrichtung.

2007 werden die ersten ViO Flaschen abgefüllt. Und das Wasser aus Lüneburg kommt bei den Verbrauchern an: ViO mit seinem besonders weichen Geschmack wächst schnell und wird zu einer der beliebtesten Wassermarken auf dem deutschen Markt. 2009 sind schon zwei Produktionslinien komplett ausgelastet. 2015 kommt einen zweiter Brunnen hinzu. 2017 werden hier gerade noch 20 Prozent Softdrinks abgefüllt.

„Wer heute nicht nachhaltig produziert, ist morgen nicht mehr da“

Rund 100 Millionen Euro hat Coca-Cola seit dem Start von ViO in den Umbau des Standortes Lüneburg investiert. Die Anforderungen haben sich geändert. „Wer heute nicht nachhaltig produziert, ist morgen nicht mehr da“, sagt Thorsten Kiehn. Und weiter: „Für mich ist es wichtig, etwas Greifbares zu machen. Da muss am Ende etwas rauskommen, das man sehen und anfassen kann.“ Das ist ihm gelungen.

Mitarbeiterzahlen Lüneburg

Ebenso erfreulich ist für ihn, dass Coca-Cola 187 neue Arbeitsplätze geschaffen hat. Auch Ehemalige sind wieder dabei. Manche arbeiten seit fast 40 Jahren in der Goseburgstraße. „Sie haben die Hochs und Tiefs erlebt. Sie wissen, wie wertvoll es ist, dass es jetzt wieder gut läuft.“ Kiehn kennt jeden einzelnen, gab auch vielen Quereinsteigern eine Chance. Was alle verbindet, ist der Stolz, etwas geschaffen zu haben. Gemeinsam.

Wenn er in seinem Büro sitzt, die Wand voller Listen mit anstehenden Aufgaben, sieht Thorsten Kiehn immer noch aus, als würde er gleich zum Handball-Training gehen. Sein Sportsgeist wirkt ansteckend: Er erzählt, wie Mitarbeiter sich engagieren, wie sie sich zu Fitness-Challenges und Firmenläufen melden. Und dabei entdecken, dass es nicht nur um die sportliche Leistung geht, sondern, ganz ohne Zeigefinger, auch um ihre eigene Gesundheit.

Thorsten Kiehn - Produktion
SPIELMACHER: Thorsten Kiehn hört seinen Mitarbeitern gut zu

Er arbeitet in seinen Traumberuf, sagt Thorsten Kiehn. Einen Betrieb zu leiten erfordert Teamgeist, Überblick, zielgerichtetes und strategisches Denken. Er sieht sich als Spielmacher, behält den Überblick und hört gut zu, besonders seinen Mitarbeitern.

Wie gehen sie mit neuen Herausforderungen um, mit der immer feiner werdenden Technik? Wie können sie Schichtbetrieb und Kinderbetreuung vereinbaren? Hat jemand private Probleme?

„Ich wüsste nicht, was passieren sollte, damit ich aus Lüneburg weggehe.“

Diese Art von Unternehmenskultur bringt mit, wer Land und Leute im Herzen hat – auch und gerade in einem global agierenden Unternehmen. Thorsten Kiehn sagt: „Ich wüsste nicht, was passieren sollte, damit ich aus Lüneburg weggehe.“ Früher wohnte er in der Altstadt, er mag das quirlige, studentische Lüneburg, aber eben auch, dass er jetzt mit seiner Frau in Scharnebeck lebt und die beiden Kinder glücklich aufwachsen.

Glück. Dafür hat er vermutlich ein ähnlich gutes Gespür wie für Wasser. Denn die 187 Arbeitsplätze, die in diesen zehn Jahren entstanden sind, bedeuten: 187 Existenzen, Familien, Lebensentwürfe. Auch das ist eine Art von Nachhaltigkeit. Und es sollen noch mehr werden. Weitere Einstellungen sind geplant.

„Diese Reise, die wollen wir weiter gestalten“, sagt Thorsten Kiehn. Seine Augen funkeln dabei vor Unternehmungslust.