• In der realen Welt heißt er Maurice Stückenschneider, online ist sein Name Amazing.
  • Er ist der einzige deutsche Profi bei der „League of Legends”-WM und besetzt die Rolle des Jungler im Team Origen.
  • Hier erzählt er, wie das Spiel sein Leben verändert hat.
Hallo Amazing, Glückwunsch zum Weiterkommen ins Halbfinale! Habt Ihr gefeiert?
„Also mir geht's gut, ich hab geschlafen. Ich war noch etwas krank und bin deshalb früh ins Bett, aber das werde ich auf jeden Fall noch nachholen.“
Wie war die Vorbereitung?
„Es geht vor allem darum, dass man das Spiel für sich selbst automatisiert. Du musst die Spielzüge mehr im Blut haben, als ständig darüber nachdenken zu müssen, welcher Schritt jetzt der nächste sein soll. Man muss den Schritt wissen, bevor man ihn wagt.“
League of Legends – Coca-Cola Journey
ACHT STUNDEN TRAINING pro Tag sind für einen Profi normal, sagt Amazing

Was macht Dich konkret aus?
„Spielintelligenz. Die macht auch den Unterschied zwischen den Profis und den Hobby-Spielern aus. Es gibt viele sehr gute Spieler, die aber den Sprung nicht schaffen, weil sie zwar das Spiel spielen können, es aber trotzdem nicht verstehen."
Hast du das Spiel denn umfassend verstanden?
„Es gibt immer weiße Flecken, auch für mich. Vor allem, weil „League of Legends“ ständig mit neuen Elementen erweitert wird.“
Welchen Charakter würdest du gern spielen, wenn Du die Wahl hättest?
„Am liebsten würde ich die ganze Zeit nur Lee Sin und ELISE spielen. Das sind meine Lieblingscharaktere, aber das geht halt nicht immer.“
Amazing – League of Legends
DEN SCHRITT kennen, bevor man ihn wagt: Amazing im Match

Ihr habt in der heißen Phase der Vorbereitung im Bootcamp trainiert. Wie läuft das ab?
„Wir sind nach Korea geflogen, haben uns eine Wohnung mit PCs gemietet und uns dann tatsächlich zwei Wochen lang nur miteinander unterhalten und so viel wie möglich trainiert – diese Isolation von allen äußeren Umständen, die bringt das Team zusammen.“
Und in der spielfreien Zeit geht Ihr dann auseinander? Oder gibt es Platz für Freundschaften?
„Das hängt vom Team ab. Einige sind auf einer rein professionellen Ebene unterwegs und haben auch ihre Differenzen. Da bleiben dann auch die Verbindungen rein professionell. Bei uns gibt es auch Freundschaften zwischen den Spielern und wir werden wohl auch nach der Season noch miteinander abhängen. Aber wir haben fast zehn Monate miteinander gespielt, da braucht man auch mal eine Auszeit."

Ich will meine Arbeit nicht herabgesetzt sehen, so wie das auch ein Fußballer nicht sehen will.


Hast Du noch Zeit für ein Privatleben?
„Man muss Einschränkungen hinnehmen. Ich wohne derzeit in Berlin, meine Freundin wohnt in Bocholt. Es gibt Momente, wo ich sagen muss: Ich kann derzeit nur eingeschränkt für dich da sein, weil ich mich auf das Spiel konzentrieren muss. Wenn ich mich aber zum Beispiel nach einem schlechten Spiel an jemanden wenden will, der nichts mit dem Spiel zu tun hat, dann ist es schon problematisch. Wir halten aber täglich Kontakt.“
Du hast Dein Hobby zum Beruf gemacht, bist Du ein Zocker?
„Den Begriff mag ich nicht. Man kann eSports nicht mit Zocken vergleichen. Es stellt meine Arbeit auf ein Level mit einer Person, die jeden Tag zehn Stunden vor den PC sitzt und darüber ihr Privatleben vernachlässigt. Ich will meine Arbeit nicht herabgesetzt sehen, so wie das auch ein Fußballer nicht sehen will. Ich spiele nicht wirklich, ich arbeite. Das ist ein wichtiger Unterschied.“

Ich spiele nicht wirklich, ich arbeite. Das ist ein wichtiger Unterschied.


Trotzdem klingt dein Leben für Außenstehende nach Rockstar.
„Ich wünschte, es wäre so. Es ist extrem viel Training. Man muss das Spiel immer im Hinterkopf haben. Sobald man andere Dinge hat, die mehr Gehirnschmalz verbrennen als League of Legends, wird man schlechter im Spiel. Acht Stunden Training am Tag sind normal. Danach kann man sich entscheiden, ob man noch alleine weiterspielt und seine mechanics, also die Fingerfertigkeiten, trainiert. Oft sind es zehn Stunden Training und im Kopf bleibt man eigentlich dauernd dabei."

Sobald man andere Dinge als „League of Legends“ im Kopf hat, wird man schlechter im Spiel


Ohne Fleiß kein Preis, auch beim Gaming…
„ …ich glaube, dass die Entwicklung in Europa viel damit zu tun hat. FNATIC, ein europäisches Team, hat sich früh etabliert und so auch Einfluss auf die Szene genommen. Die waren mit ihren Strategien immer einen Schritt voraus. Die haben ein europäisches Meta etabliert, anstatt andere zu kopieren. Die nordamerikanische Szene macht das zum Beispiel gerne. Doch in Europa will man keine Kopie eines anderen Spielstils, wir haben hier eine eigene Philosophie entwickelt. Das macht uns jetzt stark.“
Für Deine Fans bist Du ein Star, bekommst Du das mit?
„Ich habe erst letztes Jahr angefangen mit Social Media und nach eineinhalb Jahren sind da 160.000 Anhänger. Das ist crazy. Und auch bei den Spielen. Wenn ich die Fans Namen schreien höre und sie unseren Teamnamen singen, habe ich ein Lachen im Gesicht. Die stehen alle hinter dir. Dieser Fansupport ist extrem motivierend.“
Du hast aber via twitter Deine Fans auch schon mal ausgebremst, weil die einen Gegner im Netz attackiert haben.
„Das muss man einfach unterscheiden. Positiven Support unterstütze ich immer. Ich finde es super, wenn Fans ihr Inneres nach außen kehren und auch richtig draufhauen, aber sobald es kippt, wenn plötzlich über Social Media negativ über Spieler geredet und diese runtergemacht werden, dann greife ich da auch ein. Auch für andere Spieler.“
Amazing – League of Legends
MEGA-EVENT: das „League of Legends“-Finale

Wie kommst Du zu Deinem Namen?
„Ich bin ein großer Basketball-Fan und mein Team, die Lakers, hatten 2009 Play-offs in den USA und immer wenn es ein großes Spiel gab, hat die NBA Kanye Wests Song „Amazing“ gespielt. Ich hab mir gedacht, so will ich wahrgenommen werden, Amazing. Mein Name ist Ziel und Stil meines Spiels.“
Bei den World Finals stehst Du jetzt im Halbfinale, darf geträumt werden?
„Man fängt vielleicht an, aber man sollte nicht träumen. Ich will im Halbfinale gut spielen und dann vielleicht auch gewinnen, aber träumen will ich nicht. Lieber step by step und ein gutes Spiel machen. Jetzt geht es erstmal weiter nach Brüssel und dort wollen wir gewinnen. Nach Berlin zum Finale komme ich auf jeden Fall. Als Spieler oder als Zuschauer.“
Was nimmst Du mit auf die Bühne?
„Tatsächlich und das ist kein Witz, ich nehme immer zwei Coke mit auf die Stage. Die sind umgefüllt in neutrale Becher wegen der Werbung. Aber die beiden Cokes sind immer dabei.“
Hier könnt Ihr Amazing spielen sehen.