• Jeden Monat stellt euch die Journey Redaktion ein spannendes Start-up vor!
  • Wir wollen uns aber nicht auf schöne Versprechungen verlassen, sondern die Angebote selbst ausprobieren.
  • Diesmal: Eine App für Auszeiten vom Smartphone

EIGENTLICH BIN ICH NICHT SÜCHTIG. Eigentlich. Aber wenn ich gerade ein gelungenes Foto bei Instagram hochgeladen habe, möchte ich schon wissen... Und wenn die Anfrage für das Hotel am Valentinstag unterwegs ist, wäre es schon schön... Nein, süchtig bin ich nicht. Nennen wir es: sehr interessiert. Gerade am Jahresbeginn kann das zum Problem werden. Denn die Arbeit stapelt sich, ich bin noch halb im Urlaubsmodus und muss mich wirklich konzentrieren, damit alles rechtzeitig fertig wird. Höchste Zeit, die App des Start-ups (OFFTIME) auszuprobieren.

(OFFTIME) soll mir helfen, mich aufs Wesentliche zu konzentrieren und digitale Ablenkungen zu blockieren. Ich kann mir selbst Ziele setzen, wie lang das Smartphone in Gebrauch sein soll und das eigene Verhalten kontrollieren. Acht Prozent mehr mentales Abschalten, je fünf Prozent mehr Entspannung und Motivation bei der Arbeit, neun Prozent weniger Erschöpfung – das sollen die positiven Effekte der App sein. „Auch wir finden, dass es ein Maß an Smartphone-Nutzung gibt, das viele von uns längst überschritten haben – mit all den negativen Effekten, die damit einhergehen“, schreibt Mit-Gründer Alexander auf der Website des Berliner Start-ups.

Ach ja, telefonieren...

Also her mit Entspannung und Konzentration! Ich lade die App und setze mir ein Tageslimit von 60 und ein Sitzungslimit von zehn Minuten. Das bisschen Social Media, ab und zu die Mails abrufen, mehr brauche ich bestimmt nicht. Ein Minutenzähler zeigt, wie viel Zeit übrig bleibt. 59 Minuten, ach, mehr als genug. Ich schaue mir noch den Tagestipp „Effizienz durch Abschalten“ an, dann liegt das Smartphone auf dem Tisch. Einige Stunden später, drei Mal hatte ich das Telefon in der Zwischenzeit in der Hand, lese ich bei (OFFTIME): 35 Minuten hab ich heute noch. Mein Problem: Das Gerät ist auch zum Telefonieren da. Und genau das muss ich jetzt. Aber eine gute halbe Stunde, das wird knapp. Tages- und Sitzungslimit schnellen deutlich in die Höhe, da ich nicht weiß, was die App mit mir macht, wenn ich mitten im Gespräch meine Grenze erreiche. Willkommen in deiner Smartphone-Realität, scheint (OFFTIME) mir zuzuflüstern.

Ohne (OFFTIME) – unkonzentriert?
Mein konzentriertes Ich lässt sich durch nichts von der Arbeit abhalten. Naja, durch fast nichts...

Ich mogele. Ein bisschen.

Nächster Tag. Ein wichtiger Text muss fertig werden. Dafür nehme ich mir eine bewusste Offtime. Ich stelle den Timer auf zwei Stunden ein. Diese Auszeit könnte ich anderen mitteilen, entscheide mich aber für den direkten Weg in den Flugmodus. In der Android-Version des Start-ups könnte ich sogar einzelne Apps oder Anrufe filtern und eine automatische Antwort einstellen, für mich bleibt gerade nur: kalter Entzug. Kein Problem, denke ich. Bis ich mein Wörterbuch brauche. Ich greife zum Telefon. „Hey, so wolltest du deine Offtime nicht verbringen, oder?“ faucht die App mich an. Schon gut, schon gut. Ich lege das Smartphone wieder beiseite

Die Ruhe hält nicht lang. Ein Taschenrechner muss her. Ich suche kein zweites Mal die Konfrontation mit (OFFTIME) und werfe das Internet an. Und wenn ich schon mal hier bin, könnte ich doch ganz kurz bei Instagram... Ich fühle mich wie eine Betrügerin. Bin ich ja auch. Gepackt vom schlechten Gewissen mache ich das Fenster schnell wieder zu. Schreibe den Text fertig, in einem Rutsch. Rechnen und nachschlagen kann ich später schließlich immer noch. Da blinkt es plötzlich auf meinem Smartphone:. „Congratulations. You reached the end of your offtime.“ Ich war so vertieft, ich hätte es beinahe nicht gemerkt.

Newsletter Abo