Lachs mit Lakritze. Private Dining in Berlin

Mett und Melone? Für Daniel Grothues sind das zwei Gegensätze, die sich definitiv anziehen. Der Guerilla-Koch aus Berlin experimentiert mit den Orten, an denen er seine Gäste bewirtet – ebenso wie mit den Zutaten, die dabei ins Spiel kommen. Und so garniert er geröstetes Brot unerschrocken mit Mett und Melonenkompott. Die Gäste von Daniel's Eatery" hat er damit längst überzeugt. Aus den ersten Essen in seiner Wohnung ist inzwischen fast ein Fulltime-Job geworden.

Warum holt sich jemand wildfremde Menschen in seine Wohnung – und kocht dann auch noch für sie? Bei Daniel gibt es auf diese Frage nicht nur eine Antwort. Er liebt Essen, das versteht sich von selbst. Und zwar schon lange. Wo sich andere Jugendliche noch mit Spaghetti und Ketchup zufrieden gaben, wollte er deutlich mehr. Daher wurde die elterliche Küche gerne und oft für ausschweifendes Kochen genutzt. Doch da ist noch mehr als die Leidenschaft für kulinarische Genüsse: eine Neugier auf andere Menschen. „Ich lerne gerne neue Leute kennen und tausche mich mit ihnen aus. Aber ich bin kein Typ, der komplett unbefangen auf Fremde zugeht. Wie praktisch, wenn sie dann zu mir nach Hause kommen.“

Wilde Mischung

Dass nur trendbewusste junge Großstädter am Private Dining interessiert sind, kann Daniel nicht bestätigen. „Natürlich sind auch immer wieder Menschen dabei, die man wahrscheinlich klassischerweise erwarten würde, aber insgesamt ist es eine sehr wilde Mischung. Ich erinnere mich zum Beispiel sehr gerne an zwei Damen um die 50 aus Mainz, die ein Dinner sehr bereichert haben, oder eine Ostasienwissenschaftlerin gleichen Alters, die den Abend, man kann es nicht anders sagen, wirklich gerockt hat mit ihren spannenden Geschichten.“ Vom Floristen über den Managementcoach bis zum Uniprofessor – langweilig wird es bei Daniels Dinners eigentlich nie. Das ist ihm wichtig, nicht nur, weil er selbst gerne Zeit in geselligen Runden verbringt. Und so fragt er schon mal nach, wenn er das Gefühl hat, dass jemand nicht rundum zufrieden war. „Ich hatte mal zwei sehr schweigsame Mädels zu Gast, bei denen ich echt befürchtet hatte, dass sie den Abend ganz furchtbar fanden. Auf Nachfrage zeigte sich dann aber, dass sie sogar sehr zufrieden waren – zum Glück.“

Fulltime-Job?

Ein aufmerksamer Gastgeber. Ein talentierter Koch und Bäcker. Die professionelle Karriere in der Gastronomie scheint Daniel in die Wiege gelegt. Doch obwohl er schon mit zwölf in der heimischen Küche im Akkord Hefezöpfe nach dem Rezept einer Schweizer Familienfreundin gebacken hat, kam eine Ausbildung in der Gastronomie für ihn nach dem Abi nicht in Frage. „Ich glaube, mein Leidenschaft fürs Kochen wäre schnell auf der Strecke geblieben, wenn ich eine Kochausbildung gemacht hätte. Jeden Tag in einer Profiküche zu arbeiten ist einfach ein knochenharter Job.“ Also hat er erst mal Marketing studiert. Und mit der Zeit aus seiner Leidenschaft dann doch einen fast tagefüllenden Beruf gemacht. „Aus dem Private Dining hat sich viel entwickelt“, erzählt Daniel, „so gebe ich zum Beispiel Kurse im Kochhaus und bin während der Berliner Fashion Week Showroom-Koch für ein schwedisches Modelabel.“

Kein Plan B

Seine Küche beschreibt der Guerilla Koch selbst als „raffiniert“. Doch schon als er das Wort ausspricht, ist ihm anzusehen, dass es noch nicht exakt beschreibt, was er auf den Teller bringt. „Ich verwende häufig unkonventionelle Produkte, experimentiere gerne mit Zutaten, kombiniere auch mal Dinge, die andere vielleicht nicht zusammen verarbeiten würden – so zum Beispiel Speck mit Karamell oder eben auch Mett mit Melone.“ Diese Experimente erscheinen noch mutiger, wenn man weiß, dass Daniel für seine Dinner noch nie einen Plan B hatte. „Da liegt keine Notfallpizza in der Tiefkühltruhe. Aber zum Glück hatte ich auch nur einmal ein Gericht, das nicht so optimal war, eine etwas trockene Ente.“ Die meisten Gäste hätten ihm das aber nicht übel genommen. Und so will er beim nächsten Dinner wieder wagemutig sein. Schwedisch soll es werden, zu den geplanten Zutaten zählen Elchsteak, Marabouschokolade, Knäckebrot und Preiselbeeren. Zur Vorspeise will Daniel Lachs mit Lakritze kombinieren. „Entweder als Lachsfilet mit Lakritzdeckel oder als Lachstartar mit Lakritzmayo – da habe ich mich noch nicht endgültig entschieden“, sagt er mit einem Lächeln. Dass er gerne mit Gegensätzen experimentiert, wissen wir ja bereits.