Sie sind mitten unter uns, um die Ecke, über die Straße, am anderen Ende der Stadt, für jeden wahrnehmbar und doch sind es geheime Orte: Spielplätze. Wer keine Kinder hat, weiß nichts von diesen Parallelwelten, von ihren Bewohnern, ihren geheimen Regeln, von Grabenkämpfen im Sandkasten. Unsere Autorin verbringt dort ihre Nachmittage.

ES GIBT EINEN TERMIN im Jahr, vor dem alle Eltern kleiner und wahrscheinlich auch größerer Kinder berechtigte Angst haben: Es ist nicht Weihnachten, es ist nicht der Sommerferienrückreisetag, nein, es ist der Kindergeburtstag. Dieser eine Tag im Jahr, an dem Eltern und Kinder gemessen werden, an dem nichts schiefgehen darf, an dem alles schiefgehen kann.

„Wir feiern dort, wo wir ohnehin den Großteil der Nachmittage verbringen: auf dem Spielplatz.“

Eigentlich geht es beim Kindergeburtstag darum, dass die Kleinen Spaß haben. Aber auch wenn ich mir dieses Mantra tagelang vorsage, ertappe ich mich dennoch bei dem Gedanken, wie viele Flaschen Sekt ich eigentlich für die Eltern einpacken sollte, welches der geeignete Ort ist, was an Essen und Trinken da sein muss, welche Logistik wir brauchen und überhaupt. Und weil ich das alles gerade ganz gut hinter mich gebracht habe, schreibe ich das für euch zusammen. Bitte sehr: die Checkliste für den Kindergeburtstag auf dem Spielplatz.

Neulich auf dem Spielplatz - Gäste
WER steht auf der Gästeliste?

1. Der Ort

Bei Kindergeburtstagen beneide ich jeden, der einen eigenen Garten hat – noch mehr als sonst. Hilft aber nichts, wir wohnen mitten in Berlin und haben keinen Quadratzentimeter eigenes Grün. Weil mein Sohn im Spätsommer Geburtstag hat, bietet es sich trotzdem an, draußen zu feiern. Für Zoo-Führungen und Bio-Bauernhof-Programme sind die Kinder noch zu klein. Also feiern wir dort, wo wir ohnehin den Großteil der Nachmittage verbringen: auf dem Spielplatz. Dieses Mal haben wir uns für einen netten kleinen Spielplatz um die Ecke entschieden. Dort sind wir unter uns, aber wenn Fremde dazukommen, ist es auch nicht schlimm. Und der Spielplatz ist nicht so unübersichtlich, dass die Eltern ständig aufpassen müssen.

2. Die Gäste

Wenn alle Kitafreunde, bei denen das eigene Kind schon eingeladen war, bedacht werden, ist die Liste meist schon komplett. Weil eigentlich immer auch die Geschwisterkinder und die Eltern – und zwar meist beide – mitkommen, waren wir schon bei stolzen 30 Gästen angekommen.

Schwierig finde ich ja immer die Frage der großen Kita-Diplomatie: Welche Kinder sollten nicht als einzige traurig zurück bleiben? Wenn die Kindergruppe unter der Woche direkt aus der Kita zum Festplatz tingelt und ein Kind nicht mitdarf, ist das natürlich gemein. Dann lieber gleich alle. Augen zu und durch.

Wenn man aber am Sonntag feiert, bekommen die nicht eingeladenen nichts davon mit. Deshalb habe ich es dabei belassen und wirklich nur die Kinder eingeladen, mit denen mein Sohn viel zu tun hat.

3. Essen und Trinken

Natürlich gibt es diese tollen Geburtstagstorten, die aussehen, als hätten Architekten und Konditoren zusammengearbeitet. Diese Wunderwerke haben aber einige Nachteile: Bis ich sie auf einen Spielplatz geschafft habe, sehen sie aus wie von mir gemacht. Zum Verzehr braucht man Gabeln.

„Faustregel: Zu essen gibt es nur Dinge, die ohne Verlust mit der Hand gegessen werden können.“

Und außerdem wollen Kinder sowieso am liebsten Smarties-Kuchen. Faustregel für den Kitageburtstag ist also: Zu essen gibt es nur Dinge, die ohne Verlust mit der Hand gegessen werden können und Getränke aus dem Pappbecher. Wir standen am Ende da mit einem bunten Buffet aus Fanta-Muffins, Smarties-Kuchen, Mini-Frikadellen, Brezeln, Schaum-Küssen, Obst-Spießen, Blätterteig-Taschen, Salzstangen. Alles ließ sich problemlos auf einem Bollerwagen zum Spielplatz fahren und am Ende war fast alles weg.

Neulich auf dem Spielplatz - Trinken
APFELSCHORLE ist beliebt. Aber wohin später damit?

4. Logistik

Kinder, die zwei Stunden lang Apfelschorle trinken, müssen irgendwann auch mal. Ganz kleine können vielleicht an den Baum, größere Kinder und Erziehungsberechtigte mögen das in der Regel nicht so gern. In unserem Fall hat eine Freundin mitgefeiert, die zwei Häuser weiter wohnte und gelegentlich eine Toiletten-Eskorte stellte. Plan B war ein Café gegenüber. Dort hätte ich zehn Euro in die Kaffeekasse gesteckt und darum gebeten, dass unsere Gäste sich gelegentlich frischmachen dürfen. Wäre auch kein Problem gewesen. Darf aber nicht vergessen werden.

5. Programm

Es gibt Kindergeburtstage mit Clown, Kindergeburtstage mit Zauberer und Kindergeburtstage mit einem Spieleprogramm, bei dem die Kinder kaum noch Luft bekommen. Davon halte ich nicht viel, vielleicht später. Eigentlich wollen die Kinder nach einem kleinen Geburtstagsständchen ihre Ruhe. In unserem Fall wollten sie buddeln, klettern, Laufrad fahren und Ball spielen. Alleine. Das war für alle Eltern sehr entspannend. Wir konnten nämlich einfach mal quatschen und mussten nicht ständig Spielregeln aufstellen, Verlierende trösten und Streit schlichten. Nächstes Jahr werde ich vielleicht mal Eierlaufen und Sackhüpfen vorschlagen. Oder auch nicht.

Neulich auf dem Spielplatz - Geschenk
GESCHENKE: Koordiniert kommen sie besser an

6. Geschenke

Wir halten es zum Glück meist so, dass die Geburtstagskindeltern einen Wunsch äußern und die eingeladenen Eltern sich zusammentun. Das hat eine ganze Reihe Vorteile: Die Kinder packen nicht 15 Geschenke aus, sondern vielleicht zwei, sie sind danach nicht restlos überdreht, die anderen nicht gelangweilt, Eltern können in etwa steuern, was später im Wohnzimmer landet und – ganz wichtig für die Feier auf dem Spielplatz – am Ende müssen nicht unendlich viele Geschenke nach Hause transportiert werden. Alle glücklich.

Neulich auf dem Spielplatz - Wetter
DIE PARTY ist da, wo getanzt wird

7. Wetter

Ich habe schon Kindergeburtstage erlebt, da ging der Platzregen in dem Moment los, als die Deko perfekt war. Wir sammelten dann alles ein, packten die Kleinen in die Regenmäntel und feierten unter der Markise eines Cafés weiter. War auch irgendwie nett. Im Grunde reicht ein Dach zum Unterstellen und im Notfall der Rückzug ins eigene Wohnzimmer. Trotzdem war ich natürlich froh, dass das Wetter hielt. Am Ende war der Spielplatz genau der richtige Ort. Und deshalb feiern wir nächstes Jahr bestimmt wieder dort. Ist fast so gut wie der eigene Garten.

Übrigens: Die Gewinner der Fanta Spielplatz-Initiative stehen fest. Wer sich über einen Scheck freuen darf, erfahrt ihr hier.