Die Zahl der sozialen Netzwerke und Sharingplattformen wächst. Facebook, Google+, Instagram, Twitter - hinter diesen Namen stehen Milliarden Nutzer weltweit. Neue Plattformen kommen und viele gehen auch wieder.  „Etablierte“ Marken legen zwar weiter zu, aber die haben mit dem Image zu kämpfen. Ein Gespräch mit dem Unternehmer und Kommunikationsdesigner Stefan Landrock. 
Wie haben sich aus deiner Sicht die sozialen Netzwerke in den letzten Jahren entwickelt? 
Es hat eine Art Monopolisierung stattgefunden. Es gibt zwei große Netzwerke: Twitter und Facebook, wobei Facebook das größere ist und die kaufen gerade richtig viel auf. Alles, was so gerade interessant werden könnte. Diese Entwicklung steht dem Ursprung des Internets als eigentlich dezentrales Netzwerk gegenüber. Jetzt kommen wir immer mehr zu monopolistischen Strukturen.
Bekannte Netzwerke wie Facebook scheinen, so heißt es ja schon seit einiger Zeit, bei jungen Leuten an Strahlkraft zu verlieren. Ist Facebook irgendwann out? 
Quo vadis Social Media
Stefan Landrock

Viele Jugendliche,so scheint es, sind nicht begeistert, dass Eltern und Lehrer sich ebenfalls bei Facebook tummeln. Andererseits haben sich auch die Inhalte, die auf Facebook geteilt werden total verändert. Persönliche Statusnachrichten á la „ich bin da und dort“ gibt es kaum noch. Heute werden Werbung und Links geshart, oder extrem lustige Videos. Junge Leute suchen sich immer wieder andere Spielplätze zum Austoben. Portale wie snapchat, wo sich Bilder z.B. sofort wieder löschen. Secret ist auch so ein Netzwerk was angenommen wird. Dort ist alles nicht öffentlich sondern anonym. Es gibt immer wieder neue Spielplätze. 
Glaubst du, dass den Usern die Coolness ihrer Plattform wichtiger ist als ihre Funktionalität? 
Ich denke, am allerwichtigsten ist und bleibt den Usern der Kontakt zu ihren Freunden. Die müssen auch dort sein. Und das hat Facebook fantastisch erreicht. Die haben das beste Angebot gehabt und den Auftritt auch technisch immer besser gemacht. Auf diesem Niveau wird in absehbarer Zeit nichts in der Größe nachwachsen. 
Facebook bleibt also weiterhin die größte Plattform? 
Facebook ist 2004 gestartet - die Wahrscheinlichkeit, dass es weitere zehn Jahre in dieser Größe existiert ist, liegt aus meiner Sicht allerdings nur bei 50 Prozent. Ob das in 20 Jahren noch der Fall ist, werden wir sehen. 
Wie wichtig ist den Digital Natives eine einfache Bedienung und Struktur? 
Sehr wichtig! Das Schlagwort heißt convenience. Ein Netzwerk muss schnell, einfach und nützlich sein. Allerdings ist das nicht automatisch das Erfolgsrezept für ein Netzwerk. Myspace war zu seiner Zeit erfolgreich, weil User rausgefunden hatten, wie sie ihr Profil individualisieren konnten.
Faebook kam später mit genau dem entgegengesetzten Konzept: Alle Profile sehen gleich aus und da kann man sich dann besser zurechtfinden. Die haben das standardisiert.   
Du hast selbst ein Publishing-Tool programmiert und an den Markt gebracht. Die Plattform salon.io richtet sich an Kreative. Was macht sie besonders? 
Wir haben bei Salon eine Struktur geschaffen, die das Gestalten von Webseiten denkbar einfach macht. Ich werfe meine Bilder da rein und kann dann die Größen und das Layout selbst bestimmen. Das passiert in Echtzeit. Ich muss nicht zwischen Fenstern hin- und herspringen, sondern mache das alles auf einer Seite. Das sorgt für einen flüssigen Gestaltungsprozess.
Die etablierten Netzwerke sind durchweg standardisiert und geben dem Nutzer wenig Gestaltungsraum, das machen wir bei Salon.io anders. Wir wollen eine alte Idee wieder aufleben lassen, der Kreativität Raum geben und das Netz dem User überlassen, nicht andersherum.