Spätestens seit dem Aufstieg des Zweitligisten SC Paderborn in die 1. Fußball-Bundesliga ist das öffentliche Interesse an Süleyman Koç riesig. Seine Geschichte liest sich ein bisschen wie ein Märchen - doch an manchen Tagen war sie für Süleyman mehr wie ein Alptraum, bei dem sich das Happy End nicht gerade deutlich abzeichnete. Journey traf den Profifußballer zu einem offenen Gespräch über Träume, Vorbilder und die Rolle von Fußball in seinem Leben.
Journey: Was ist beim Aufstieg mit dem SC Paderborn in dir vorgegangen? Das muss sich unglaublich angefühlt haben, oder?

Süleyman: Was da in den letzten Monaten passiert ist, kann ich gar nicht richtig glauben! Unvorstellbar. Ich kam im Winter nach Paderborn und habe meine ersten Spiele in der 2. Liga gemacht und plötzlich sind wir in der ersten Bundesliga. Ich kann es immer noch nicht glauben, die ganze Stadt und Region standen nach dem letzten Spiel auf dem Kopf. Ich bin so glücklich, dass ich Teil dieser Mannschaft sein darf.
Journey: Hand aufs Herz Sülo, wie lange habt ihr gefeiert?
Süleyman (lacht): Eins kann ich sagen: die Party war sehr, sehr gut und lange. Wir haben mit den Fans in der Stadt gefeiert und sind danach noch mit der Mannschaft weitergezogen.
Journey: Was für ein Jahr - wie fällt dein persönliches Fazit aus?
Süleyman: Das ganze Jahr ist für mich gelaufen wie im Film. Wirklich sensationell - die letzten Monate kann man nicht zusammenfassen, das muss man erleben. Für mich ist das immer noch schwer alles zu begreifen. Vor einiger Zeit wusste ich überhaupt nicht wie es mit mir weitergeht und jetzt bin ich Teil einer Bundesliga-Mannschaft. Das ist das größte für mich. Ich danke allen Personen sehr, die mir dabei geholfen haben.
Journey: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Coca-Cola?
Süleyman: Als ich vor gut einem Jahr vom Interesse seitens Coca-Cola an meiner Geschichte gehört habe, wusste ich sofort, dass ich das machen möchte. Vor allem die Chance den WM-Pokal mit meinen Jungs aus Babelsberg in echt erleben zu dürfen war ein Traum. Die größten Fußball-Stars wie Pele, Maradona oder Beckenbauer haben die Trophäe schon angefasst – das sind meine Idole und der Grund wieso ich mein Leben lang schon verrückt nach Fußball bin.
Journey: Wie war es für dich, nochmal zurück in das Gefängnis zu gehen?
Süleyman: Das war nicht einfach für mich, ganz ehrlich! Der JSA-Besuch hat mich an eine schwere Zeit in meinem Leben erinnert. Das war sehr hart für mich! Trotzdem hat mir die Zeit im Gefängnis geholfen aus meinen Fehlern zu lernen. Ich habe viel nachgedacht und viel trainiert. Mein Ziel war wieder Profi-Fußballer zu werden. Das hat geholfen die Zeit durchzustehen.
Journey: Was sind die 3 wichtigsten Dinge, die du in deiner Zeit im Gefängnis gelernt hast?
Süleyman: Das Wichtigste ist nie aufzugeben. Das hab ich im Gefängnis gelernt. Man darf seine Träume und Ziele nicht aus den Augen verlieren. Und ich bin ich ruhiger geworden und hab mehr Disziplin. Das hilft mir sehr in meinem Leben und auf dem Fußballplatz.
Journey: Was für Reaktionen hast du von den jugendlichen Straftätern erhalten, denen du deine Geschichte beim Besuch im Gefängnis erzählt hast?
Süleyman: Ich hoffe, dass viele der jugendlichen Insassen sich mehr Gedanken machen, wie es nach der Haftstrafe weitergehen kann. Sie dürfen ihre Ziele und Träume einfach nicht aus den Augen verlieren. Ich hoffe sie haben jetzt noch mehr Motivation auch nach der Strafe sauber zu bleiben und zu kämpfen für die Zeit danach.
Journey: Ab 12. Juni geht es in Brasilien um den WM-Pokal, den auch du schon aus nächster Nähe gesehen hast. Freust du dich auf die WM? Wo wirst du Spiele sehen und wem drückst du die Daumen?
Süleyman: Ich freue mich total auf die WM - sie ist für jeden Fußball-Fan das allergrößte. Die Besten der Welt spielen gegeneinander und das auch noch in Brasilien, diesem tollen und fußballverrückten Land. Vielleicht kann ich mir auch ein paar neue Tricks für das nächste Jahr in der ersten Liga abschauen (lacht). Ich hoffe, dass das Wetter auch hier gut wird und werde zusammen mit meinen Freunden möglichst viele Spiel anschauen. Ich drücke Deutschland natürlich die Daumen, aber mich würde es auch freuen, wenn Brasilien im eigenen Land den Pokal holt. Die Türkei ist dieses Mal ja leider nicht mit dabei.
Journey: Welche Pläne hast du für die Zukunft – sportlich mit Paderborn in der Bundesliga und natürlich auch abseits des Fußballplatzes?
Süleyman: Ich freue mich sehr auf die erste Liga. Von mir aus könnte es schon morgen wieder losgehen. Wir wollen natürlich versuchen nicht abzusteigen, das ist erstmal mein größtes Ziel für die Zukunft. 
Journey: Vielen Dank für das Gespräch, Süleyman Koç, und viel Erfolg mit dem SC Paderborn.