Blogs gibt es wie Sand am Meer – zu jedem Thema. Um Euch eine Orientierung zu geben, stellen wir alle zwei Wochen einen unserer Lieblingsblogs vor. Heute: Filmtourismus.de, den Blog für reisende Filmfans.
Wer Filme sieht, geht virtuell auf Reisen. Echte Filmfreunde drehen den Spieß auch um und reisen ganz real an die Drehorte ihrer Lieblingsfilme. Diese Menschen nennen sich Filmtouristen, oder etwas mondäner „Setjetter“. Andrea David ist professioneller Setjetter. Sie recherchiert Drehorte und reist an Schauplätze auf der ganzen Welt. 
Café Amelie
In diesem Café kellnerte die fabelhafte Amélie


Keine Burg wie die andere

Angefangen hat Andreas Reise durch die Welt der Filmschauplätze, als sie im Tourismus-Studium nach einem Diplomarbeitsthema suchte. Auf einer Schottlandreise hatte sie damals die Burgen entdeckt, auf denen „James Bond“, „Highlander“ und „Die Ritter der Kokosnuss“ gedreht wurden. Sie fragte sich: Wie kommt es, dass gerade diese Burgen eine größere Anziehungskraft haben als andere? Warum reisen Menschen an Orte, an denen Filme spielen oder gedreht werden? Für ihre Diplomarbeit suchte Andrea David eine Menge Informationen über Filme, Drehorte, Reisen und Filmtourismus. Später stellte sie ihre Erkenntnisse online, nur für den Fall, dass auch andere sich dafür interessieren.

Rosamunde Pilcher oder Zombie-Film?

Es interessierten sich bald eine ganze Menge Leute und ihr Interesse ist bis heute ungebrochen. 50.000 Leser schauen pro Monat vorbei auf Filmtourismus.de, etwa 20 Prozent davon sind Stammleser. Die Zielgruppe reicht circa von 14 bis 70 Jahren. Das liegt vor allem daran, dass sowohl Rosamunde-Pilcher-Liebhaber als auch „Walking-Dead“-Gourmets auf der Seite finden, was sie suchen. Was sie eint, ist der Wunsch, hinter die Kulissen zu blicken und gleichzeitig ihren realen Reisen einen Hauch von Illusion zu verleihen. So unterschiedlich wie die Filmgeschmäcker, so verschieden auch die Nutzung der Informationen auf Andreas Blog. Wer gerade aus „Fifty Shades of Grey“ kommt und wissen möchte , wo gedreht wurde, wird ebenso fündig wie der Paris-Reisende, der ein paar Filmlocations zur Einstimmung sucht. Manche Filmtouristen surfen durch die Filmliste mit 250 Titeln, schmökern sich durch die über 1.000 Drehorte oder sie reisen mit dem Mauszeiger auf der Landkarte von Film zu Serie zu Studio.
Blogoskop April filmtourismus.de
Auf dem Red Carpet: Andrea David


Filmtouristen sehen mehr

Manche Leser wollen nur wissen, ob die Lieblingsserie in einem Studio gedreht wurde, die meisten aber packen ihre Koffer, nehmen die Infos von Andrea mit und machen sich auf den Weg. Sie trinken Kaffee im Café des deux moulins, wo Amélie tout Paris verzauberte, sie lassen in Berlin das Brandenburger Tor links liegen und suchen nach der Oberbaumbrücke aus „Lola rennt“, sie trinken in Bangkok einen Cocktail, der nach „Hangover 2“ kreiert wurde, sie fotografieren Häuser, an denen eigentlich nichts Besonderes ist – es sei denn man reist mit der Filmtourismus-Brille. Denn Filmtouristen sehen mehr. Sie sehen Städte mit anderen Augen, wenn Straßenzüge sich mit Filmhandlungen überlagern und so zur Sehenswürdigkeit werden. „Als Filmtourist kann ich Städte, die ich kenne, immer wieder neu entdecken“, beschreibt Andrea David den Reiz, den das Setjetting ausmacht. „Gleichzeitig reise ich bei der Drehortsuche in Gegenden, auf die ich nie gekommen wäre.“ Tatsächlich fliegt Andrea David bei ihrer Drehortsuche durch die ganze Welt. Etwa 80 Prozent der Orte, die sie auf Filmtourismus nennt, hat sie selbst besucht. Manche Informationen kommen auch von eifrigen Lesern, die sich von ihren Filmreisen melden, Infos bestätigen und Neues hinzufügen. Überhaupt ist der Austausch mit den Fans außergewöhnlich rege. Auf der Filmtourismus-Facebook-Seite laden die umtriebigen Cineasten Reisebilder oder nachgestellte Filmszenen hoch, gelegentlich gibt es auch ein Bilderrätsel.

Rick’s Café, verzweifelt gesucht

Schottland
Es kann nur eine geben: Die Burg aus „Highlander“


Wer Drehorte aufsucht, der mag das Spiel zwischen Illusion und Realität. Weil es inzwischen eine ganze Menge Menschen gibt, die als Filmfans auf Reisen gehen, verwundert es nicht, dass sie auch ihre Spuren hinterlassen. So wurde in Casablanca zum Beispiel so lange nach Rick’s Café gesucht, bis sich eine US-Amerikanerin erbarmte und ein Café nach dem Vorbild des Films eröffnete. Heute gehört es zu den Attraktionen der Stadt. Eine ähnliche Geschichte ergab sich in Görlitz, wo das stillgelegte Kaufhaus, in dem „Grand Budapest Hotel“ gedreht wurde, durch die Bekanntheit des Filmes wieder ins öffentliche Bewusstsein rückte. So fand sich ein Investor, der das Kaufhaus wieder eröffnen will.

Andrea, hast du einen Lieblingsblog?

„Ich habe einen neuen Lieblingsblog: Travel Episodes von Johannes Klaus. Da wird multimedial von Reisen erzählt. Das ist super gemacht. Schöner kann man online von Reisen fast nicht erzählen.“

Welches ist dein meistgenutztes Social Network?

„Momentan ist es Facebook. Da habe ich den aktivsten Austausch mit meinen Lesern und von dort kommen auch die meisten Anregungen.“