Blogs gibt es wie Sand am Meer zu jedem Thema. Um Euch eine Orientierung zu geben, stellen wir alle zwei Wochen einen unserer Lieblingsblogs vor. Heute #bloggerfuerfluechtlinge, eine spontane Initiative, die sich gerade zur riesigen Plattform in der Flüchtlingshilfe auswächst.

Angefangen hat alles mit einem spontanen Protest und dem Bedürfnis, Rechtsradikalen etwas entgegenzusetzen. Vier Blogger setzen von heute auf morgen einen Blog auf. Was sie dann erleben, wirft sie selbst im positiven Sinne um. Ein beeindruckendes Beispiel, wie mit einem kleinen Impuls sehr viel bewegt werden kann, wenn Menschen anderen helfen wollen.

Aus einer Idee wird eine Initiative

Als die Ausschreitungen von Rechtsradikalen in Heidenau bekannt wurden, war Karla Paul sprachlos vor Wut. „Ich dachte nur, wir müssen sofort irgendetwas machen.“ Sie fragte sich, was sie wirklich kann und kam zu dem Schluss: sie kann online Reichweite erzeugen und Menschen für etwas begeistern. Mit ihrer Buchkolumne erreicht die Bloggerin täglich ein riesiges Netzwerk. Das musste man doch irgendwie nutzen können. Dann bekam sie eine Nachricht von ihrem Bloggerkollegen Paul Huizing, der sich gerade genau die gleichen Fragen stellte. Als noch Nico Lumma und Stevan Paul dazukamen, war das Gründungsteam perfekt. Wenig später ging #bloggerfuerfluechtlinge online.

#bloggerfuerfluechtlinge – Blogoskop
Welle der Hilfsbereitschaft: #bloggerfuerfluechtlinge

Spenden für Flüchtlinge

„Ursprünglich wollten wir vor allem eine laute Stimme gegen Rechtsradikale sein und damit möglichst viele Menschen erreichen. Und ein bisschen Spenden für Flüchtlinge sammeln.“ Weil die Blogger ohnehin schon mit Betterplace, vernetzt waren, einer Plattform, die Spenden organisiert und weiterleitet, wurde schnell ein Spendenziel definiert. Die Spendenaktion lief in Windeseile durch sämtliche Social-Media-Kanäle. „Wir hatten uns das Ziel 4.000 Euro gesetzt und kamen uns dabei schon sehr ambitioniert vor.“ Nach ein paar Stunden waren 2.500 Euro zusammengekommen und alle bloggten mit. Inzwischen hat sich diese Summe vervielfacht. „Als plötzlich sogar 20.000 Euro von einem anonymen Spender eingingen, saß ich weinend im Büro, weil mich diese Hilfsbereitschaft emotional umwarf,“ erzählt Karla. „Jetzt sind es schon über 85.000 Euro und ich bin längst sprachlos ob dem, was wir mit so wenig erreichen können. Was kann dann erst geschehen, wenn wirklich jeder etwas beiträgt? Wenn alle ein bisschen machen, machen wir zusammen viel. Von Menschen für Menschen.“

Hilfe verbloggen

Was als kleiner Hashtag anfing, rollt längst als Lawine durchs Netz. Mehrere Tausend Blogger, Verlage, Autoren und Privatpersonen verbreiten die Nachrichten, die Facebookgruppe wächst stündlich, Medien berichten. Von allen Seiten melden sich nicht nur die Spender, sondern auch Menschen, die mehr einbringen wollen als Geld. Das war der Moment, in dem das Team sich zusammensetzen musste, um zu überlegen, wie es jetzt weitergeht. „Wir wurden von der Welle einfach komplett im positiven Sinne überrollt. Jetzt müssen wir sehen, wie es weitergeht.“

Helfen, wo Hilfe gebraucht wird

Blogoskop

Viele Menschen wollen helfen, wissen aber nicht wie. Gleichzeitig wird ganz konkret Hilfe benötigt. „Wir sehen, dass ein riesiger Bedarf da ist und gleichzeitig gibt es viele tolle Menschen mit Ideen und Hilfsangeboten. Unsere Aufgabe ist es jetzt, die richtigen Leute zusammenzubringen und das alles zu verknüpfen,“ erklärt Karla Paul nach dem Teammeeting. #bloggerfuerfluechtlinge hat sich in jedem Sinne verselbständigt. Aus der spontanen Aktion wächst jetzt eine Plattform, die Hilfsangebote und Hilfesuchende zusammenbringt.

Auf der Seite, die den Bloggern vorschwebt, sollen Organisationen ihre tagesaktuellen Bedarfslisten hochladen, Helfer können sich dann eintragen für Sachspenden, Dolmetscherdienste und spontanes Anpacken. #bloggerfuerfluechtlinge soll keine Eintagsfliege sein, sondern ein Projekt, das auch dann noch hilft, wenn die erste Begeisterung und Hilfsbereitschaft abgeklungen ist. „Das Thema wird uns nicht in zwei Wochen loslassen,“ soviel ist den Gründern inzwischen klar. Der Herbst steht vor der Tür, Hilfe wird dann vermutlich noch wichtiger als sie es jetzt schon ist.

Hast du einen Lieblingsblog?

„Martin Oetting hat mich mit seinem Text zur Flüchtlingssituation sehr beeindruckt – nachzulesen auf dem Omnipolis Blog.

Und einen Lieblings Social Media Kanal? 

„In Köln wird live getwittert, was gebraucht wird, wann und wo – hier werden die sozialen Medien perfekt und schnell für die aktuellen Probleme genutzt, bitte mehr davon.