Im Blogoskop:
Social Media Dinner:
Foodblog im echten Leben

Von:  Felix Picker 03.08.2015

Kochen mit unbekannten Freunden – Coca-Cola Journey

DIE BLOGGER der Tafelrunde: Beim Social Media Dinner trifft man sich ganz analog

Blogs gibt es wie Sand am Meer zu jedem Thema. Um euch eine Orientierung zu geben, stellen wir hier unsere Lieblingsblogs vor. Heute: Social Media Dinner, ein Food Blog im echten Leben.

Social Media Dinner klingt zunächst einmal nach hübschen Food-Fotos auf allen Social-Media-Kanälen. Diese Fotos gibt es beim Social Media Dinner auch. Der Blog ist aber viel mehr. Er ist die Verlängerung von Social Media ins echte Leben. Hier wird nicht nur getwittert, sondern auch gegessen.

Koche Gutes und poste darüber

Kochen und Social Media – Anica Harder

REICHT dir das Leben ein Törtchen, mach’ einen Hashtag draus: Anica Harder

Beim Social Media Dinner geht es vor allem um das Dinner. Das ist sozusagen der Hauptgang. Die Vorspeise wäre, um im Bild zu bleiben, eine Begegnung im Netz, und der Nachtisch die mediale Nachbereitung auf den Social-Media-Kanälen. Hier kommt dann das hübsche Bild vom Essen ins Spiel und auf den Blog. Außerdem erscheinen im Netz die Rezepte zur Speisefolge, Fotos der fröhlichen Dinnergesellschaft und was sonst noch ein mediales Nachleben haben soll, wenn die Teller längst abgespült sind und der Duft von gutem Essen nur noch Erinnerung ist.

Promi-Dinner ohne Promi

Aber wer trifft sich hier eigentlich zum Tafeln und Twittern? Bekannte und Fremde, vor allem aber Begegnungen aus dem Netz. Meist sind es Blog-Leser und Facebook-Freunde vom Social Media Dinner, die sich bei den beiden Chef-Bloggern Anica Harder und Henry Schröder als Gastgeber für ein Dinner bewerben. Idealerweise hat der designierte Gastgeber schon eine Idee, unter welchem Motto sein Menü stehen soll. Landesküchen sind als Thema gerne vertreten, auch Vegan oder Paleo haben es schon an den Tisch geschafft. Der kulinarischen Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Wer keine Themenidee hat, keine Bleibe und außerdem nicht kochen kann, aber unbedingt ein Social Media Dinner ausrichten möchte, kann auch antreten. Eine Idee wird dann gemeinsam entwickelt, der zukünftige Hobbykoch bekommt ein kleines Coaching und stattfinden kann ein Dinner auch in der freien Natur. Am fraglichen Abend selbst kommt dann eine bunte Runde zusammen. Die Gastgeber treffen auf Henry und Anica vom Blog und auf die Gastgeber des letzten Social Media Dinners.

Kochen mit Netzwerkanschluss

Gemeinsam wird gekocht, getafelt, über Essen berichtet, über Weine philosophiert. Das also ist das Herzstück des Blogs, eine Begegnung in der analogen Welt. „Unser Blog versteht sich als Netzwerkveranstaltung und gleichzeitig als Ess-Kultur-Blog,“ erklärt Henry. „Es geht darum, dass wir Leute im Internet kennenlernen und dass die sich dann gegenseitig treffen. Wir glauben, dass es am besten ist, wenn man sich dazu an einen Tisch setzt.“ Am Tisch wird natürlich nicht nur gequatscht und Wissenswertes über Ess-Kultur erzählt. Das Dinner soll schließlich dorthin zurückgeführt werden, wo die Grundidee her kam, in die Sozialen Kanäle. Fotos, manchmal auch Videos und die Rezepte gehen vom Tisch aus in die Welt. Damit sich im Netz wiederum Kochbegeisterte finden, die – von den Rezepten, Themen und Bildern inspiriert – ihrerseits den Kochlöffel schwingen und im echten Leben nachkochen, was einmal ein Hashtag war.

Gegenentwurf zum Fernsehkoch

Medial aufbereitetes Kochen war schon mal da. Trotzdem ist Social Media Dinner anders als die Kochsendungen, die der Fernsehkonsument auf seinem Sofa zu einer Tüte Chips konsumiert. Das Social Media Dinner ist wirklich echt. „Wenn bei so einem Dinner was schiefgeht, dann ist das eben so,“ erzählt Henry. „Bei uns wird nichts ausgeleuchtet und nichts geschönt. Wir sind kein Promi-Dinner, sondern wir kommen zu Leuten, die sind wie sie sind. So soll das sein. Das ist ein soziales Event, das sich in einem Blog wiederspiegelt. Online, offline und wieder zurück. Vielleicht sind wir sogar das Gegenkonzept zu Fernsehköchen und Promi-Dinner.“

Kochen und Social Media – Henry Schröder

Online, offline und wieder zurück: Henry Schröder

Zum Dessert einen Tweet?

Bilder, Rezepte, Kommentare – das ist die öffentliche Seite des Dinners. Die andere Seite, der private Anteil des Abends, ist das Kochen, das Klönen und das Zusammensitzen. Tatsächlich dauern die Abende meist bis tief in die Nacht. Sie leben von den Gesprächen, nicht von Postings. Diese gehören dazu, sind aber nichts anderes als die digitale Erinnerung an einen gemeinsamen kulinarischen Abend.

Digital Cuisine

Essen und Social Media passen zusammen, soviel ist Henry und Anica klar. Deshalb gibt es inzwischen auch eine große Schwester des Dinners, die Digital Cuisine. Das Social Media Dinner lebt gerade von seiner Heimeligkeit mit sechs bis zehn Teilnehmern. „Digital Cuisine“ nennen die Macher das Dinner in Groß. Die Idee bleibt im Grunde auch hier die gleiche. „Bei der Digital Cuisine kommen 40 bis 50 Leute, die zusammen kochen und sich vernetzen. Sie reden über Food, über Social Media und über ganz andere Sachen.“ Social Media, so zeigt sich bei den kleinen und den großen Veranstaltungen, geht eben manchmal durch den Magen.   

Hast du einen Lieblingsblog? 

Nicht wirklich, aber über Der Postillon – Nachrichten lachen wir immer wieder gern. 

Und einen liebsten Social-Media-Kanal? 

„Am liebsten alle.“

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