Blogs gibt es wie Sand am Meer zu jedem Thema. Um Euch eine Orientierung zu geben, stellen wir alle zwei Wochen einen unserer Lieblingsblogs vor. Heute Zockwork Orange, ein Blog über Online- und Offline-Spiele.

DIE WELT DER MÄRCHEN mit Prinzen und Prinzessinnen, mit Zauberern, Hexen und verwunschenen Schlössern haben die meisten von uns vor langer Zeit hinter sich gelassen. Aber nicht alle. Wer sich jenseits der Zwanzig über Märchenstoffe austauscht, ist nicht unbedingt begeisterter Gebrüder-Grimm-Leser oder Disney-Fan. Er ist vielleicht einfach Zocker und spricht über Computerspiele, Konsolen, E-Sports, neue Levels, Upgrades – und über Prinzessinnen.

Wer dachte, dass Computerspiel-Nerds immer im Keller sitzen und ballern, muss nach diesem Blog umdenken


„Eine mächtige Königin verlässt ihr Schloss mit einem Heer von Soldaten, denn ein Ungeheuer bedroht das Königreich. Ihre kleine Tochter, die Prinzessin Tsioque, lässt sie alleine zurück. Ein böser Haus- und Hofmagier nutzt die Gelegenheit, um die Herrschaft über Schloss und Ländereien an sich zu reißen und die kleine Prinzessin in den Kerker zu werfen. Hier startet die Demo und die erste Aufgabe besteht darin, Tsioque dabei zu helfen, aus ihrem düsteren Gefängnis zu entkommen.“ So weit ein Artikel auf Zockwork Orange. Wer bisher dachte, dass Computerspiel-Nerds immer im Keller sitzen und ballern, muss nach diesem Blog umdenken.

Spiele in der Märchenwelt

Das oben beschriebene Spiel heißt Tsioque und ist ein Point-and-Click-Adventure. Das bedeutet, dass der Spieler durch eine imaginäre Landschaft – hier ist es ein Schloss – klickt und Aufgaben löst. Wer Zockwork Orange liest, weiß solche Dinge natürlich. Der Blog, den David May vor sechs Jahren mit ein paar Studienfreunden in Düsseldorf gründete, ist eine Spielwiese für Kenner der virtuellen Welt. Der Stammleser erfährt hier Dinge, bei denen sich ein Nichteingeweihter die Augen reibt vor lauter Assassin’s Creed, Ego-Shooter und Multiplayer. Aber auch für Anfänger lohnt sich ein Blick auf den Gamer-Blog. 

Zockwork Orange – Blogoskop – Coca-Cola Journey

Spiele mit Freunden

Als David und seine Freunde sich zusammensetzten wollten sie eigentlich einen Filmblog starten. Filmblogs gab es aber schon eine Menge. Davids zweites Hobby, Computerspiele, fanden sie als Thema außerdem interessanter und vielseitiger. Dass es bei der Ursprungsidee um Filme ging, merkt der Eingeweihte noch am Namen des Blogs. Dabei hat Zockwork Orange mit dem Film „A Clockwork Orange“ nicht viel zu tun. Der Film verschaffte dem Blog lediglich Namen und Corporate Identity. Die Blog-Gründer von damals sind zum Teil heute noch dabei. Zurzeit schreiben sieben feste Redakteure und gelegentliche Gäste, darunter Programmierer, Studenten, Historiker. „Jeder schreibt ausschließlich darüber, was ihn interessiert“, sagt David. „Wir rennen nicht jedem Trend hinterher und wir berichten nicht vollständig und über alles.“

Spiele als Besuch in einer anderen Welt

Dass Frauen nicht schießen und Männer keine Häuser einrichten, mit solchen Klischees hält man sich bei Zockwork Orange gar nicht auf. Vorurteile werden hier beiläufig abgetan. Zu den redaktionsinternen Experten für Shooter gehört auch eine Frau. Dass die Begeisterung für virtuelle Welten ganz anders aussehen kann, als der Amateur sich das vorstellt, beweist auch das Beispiel eines Historikers, der sich Spiele mit historischem Bezug unter die Lupe nimmt. „Jeder von uns hat seinen persönlichen Blick auf die Sache,“ erzählt David. „Wenn es ein Remake von einem Spiel gibt, das vielleicht in der Kindheit das Lieblingsspiel eines Autors war, dann schreibt er darüber. Das sind persönliche Geschichten. Aber das sind die Punkte, die uns interessieren.“

Blogoskop

London oder Venedig?

Die Mischung ist so bunt wie die Welt der Computerspiele. Im Team hat jeder seinen Schwerpunkt und seine eigene Herangehensweise. David zum Beispiel spielt keine Shooter, er begeistert sich vor allem für Assassin’s Creed. „Damit ein Spiel mich anspricht, braucht es eine spannende Story. Bei dieser Reihe gibt es immer eine historische Rahmenhandlung. Man bewegt sich zum Beispiel im Rom des 15. Jahrhunderts und trifft auf Leonardo da Vinci und seine Zeitgenossen. Das sind Spiele, in denen ich für Stunden versinken kann. Der neuste Teil, „Assassin’s Creed: Syndicate“, spielt in meiner Lieblingsstadt London in den 1860ern.“ Interessant findet David unter anderem, dass es bei diesen Spielen viele unterschiedliche Möglichkeiten gibt. Der Spieler kann Aufgaben lösen, er kann aber auch einfach durch die historischen Straßen wandeln und eine Art historischen Tourismus ausleben. „Der Großvater eines Bekannten geht stundenlang in Venedig und Rom spazieren und sieht sich dort alles an“, erzählt David.

Spiele für Anfänger

Computerspiele sind also gar nicht so simpel, wie man sich das von außen vorstellt, wenn die einzige Erfahrung darin besteht, einmal Super-Mario gegen den Nachbarsjungen verloren zu haben. Was also soll der Anfänger tun, wenn er sich der komplexen Materie mit all ihren fremden Vokabeln und Gegebenheiten zum ersten Mal nähert? „Ich würde auf keinen Fall mit einem Shooter oder einem anderen schnellen Action-Spiel beginnen, lieber mit einem Point-and-Click-Adventure,“ rät David. „Das sind storylastige 2-D-Spiele, bei denen sich der Spieler durchklickt und zum Beispiel ein Rätsel lösen muss. Ein Point-and-Click-Adventure war doch auch Tsioque, das Spiel mit der kleinen Prinzessin und dem bösen Magier. Vielleicht ist das die Gelegenheit, sich wieder einmal mit Märchengestalten zu befassen – und sich vorurteilsfrei dem Phänomen Computerspiel zu nähern.

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Meine Filmnews bekomme ich von slashfilm.com, für Videospiele lande ich immer mal wieder auf Kotaku.com. Aber viel findet heutzutage über Twitter und Facebook statt.

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„Ich bin viel auf Twitter, Instagram und Facebook unterwegs. Auf Instagram fotografiere ich in erster Linie mein Essen.“