Sein Künstlername ist Peter Pan, „das Kind, das niemals erwachsen wird“. Wie die Hauptfigur der Geschichte von James M. Barrie nimmt Piotrus Szczeniowski die Menschen mit auf eine Reise in seine Welt – eine Welt voller Seifenblasen.

Die Welt zum Fliegen bringen

„Wenn man in eine Seifenblase schaut, verändert sich die Perspektive“, schreibt Piotrus Szczeniowski auf seiner Website. „Wie in einem Spiegel sieht man sich selbst und alles um einen herum. Ein Stück unserer Welt scheint für Augenblicke eingeschlossen zu sein und zu fliegen.“ Der 64-jährige Straßenkünstler will die Menschen zum Staunen bringen. Bei Kindern ist das eine leichte Übung. Sie lieben den Seifenblasenmann. Je größer die Blasen, desto größer werden die Augen der Kinder. Ihr erster Impuls ist oft, die Seifenblase zum Platzen zu bringen. Piotrus sieht es deshalb als seine Aufgabe, den Kleinen stattdessen beizubringen, wie man die Welt zum Fliegen bringt. Er gibt Workshops und studiert mit den Kindern Bühnenstücke voller Seifenblasen ein.

Seit 2002 wohnt der studierte Theaterwissenschaftler in Berlin. Dort will er nicht nur die jungen Bewohner glücklich machen. „Auch Erwachsene können ihre Perspektive wechseln und wieder ein bisschen Kind sein“, so Piotrus. Seine Seifenblasen haben etwas Therapeutisches – vor allem für viele Deutsche. „Sie sind es gewohnt, dass alles sauber, ordentlich und organisiert ist. Und dann sehen sie die schillernden Blasen – frech, frei, vergänglich, unfassbar. Für viele ist das ein meditativer Moment. Sie entspannen sich, vergessen die Sorgen, die sie so mit sich herumtragen“, sagt der gebürtige Pole.

Keine Spielerei

Seine Seifenblasen können auch Schmerzen lindern, sagt Piotrus. Als er zur Beerdigung eines dreijährigen Kindes eingeladen wurde, konnte er mit seiner Vorführung Trost spenden. Ereignisse wie diese bleiben ihm ganz besonders im Gedächtnis, zeigen ihm, wie wichtig seine Arbeit ist. Auch mit behinderten Kindern arbeitet er viel und gern zusammen. So konnte er einem Mädchen mit Down-Syndrom helfen. Es wurde ruhiger, seine Wutanfälle wurden weniger.

Dass seine Seifenblasenkunst nicht nur Spielerei ist, hätte er damals gern auch seinem Vater bewiesen. Dieser sorgte sich fortwährend um die Zukunft seines Sohnes. Piotrus sollte Arzt oder Ingenieur werden. „Er hat mir vorgeworfen, dass ich nur spiele: Theater, Puppentheater... Dann habe ich das Spielen zum Beruf gemacht. Wie erfolgreich ich damit bin, hat mein Vater leider nicht mehr erlebt“, so der Berliner. „Ein Freund von mir ist Arzt und überlegt, ob er nicht auf Seifenblasen umschwenken soll. Er hat schon angefangen zu üben. Mein Vater würde sich im Grab umdrehen, wenn er das hörte!“, sagt Piotrus lachend.

Das Geheimnis großer Blasen

Piotrus Szczeniowski

Piotrus Szczeniowski lässt Träume fliegen - mit Seife, Wasser und ein bisschen Zauberei


Was als Straßenkunst begonnen hat, ist inzwischen ein lohnender Beruf geworden. Sein selbstkreiertes Seifenpulver verkauft Piotrus in ein Dutzend Länder. So zog irgendwann auch seine Tochter nach Berlin, um ihn zu unterstützen. Um so weit zu kommen, hat er sein Rezept für die Seifenlauge immer weiter verbessert. Hilfreich war zum Beispiel das Puder eines afrikanischen Baumes. „Mit einer guten Seife ist es sehr leicht, große Blasen zu machen“, so Piotrus.

Der 64-Jährige begann schon in seiner Kindheit zu experimentieren. Jedes Händewaschen wurde zum Erlebnis. Inzwischen kann er tatsächlich nur mit seinen Händen Seifenblasen groß wie Wassermelonen formen. Seinen Meister traf Piotrus 1990 auf einem Straßenfestival in Polen. Der „Bubbleman“ Garry Thomas hatte zuvor in den USA Management studiert. Irgendwann bekam er so viele Anfragen für seine Shows, dass er sein Studium abbrach. Er zeigte Piotrus, der damals noch Puppentheaterregisseur war, wie man Laugen mischt und das nötige Werkzeug für große Seifenblasen herstellt.

Bubble-Partys für alle

Auch Piotrus will sein Wissen weitergeben und weiht so viele Menschen wie möglich in die Kunst des Seifenblasenmachens ein. Das Geheimnis der ganz großen Blasen wurde lange von Zirkussen und Varieté-Theatern gehütet. Piotrus ist der Erste, der es lüftet und die Spezialseife allen zugänglich macht – sein Erbe für die Nachwelt: „Ich freue mich zu sehen, wie sich die Begeisterung Stück für Stück ausbreitet. Es ist einfach schön zu wissen, dass hunderte und irgendwann tausende Menschen damit weitermachen, wenn ich mal nicht mehr bin.“

Vielleicht schafft der Seifenblasenmann es bis dahin auch noch ins Guinnessbuch der Rekorde. 2011 startete er im Rahmen einer großen Bubble-Party seinen ersten Versuch. Der angesetzte Rekord von 250 Menschen in einer riesigen kuppelförmigen Seifenblase ist leider nicht geglückt. Piotrus sieht das aber nicht als Misserfolg: „Rekord hin oder her. Das Beste daran war, dass wir alle eine schöne und spannende Zeit verbringen durften!“

Und dann war da noch...

...Thomas Nicola. Er hilft blinden und sehbehinderten Menschen aufs Rad: mit seinem Verein Tandem-Hilfen.

Fahrrad-Tandem für Blinde

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