Bei ihr muss niemand still sitzen oder schlechte Noten fürchten. Monika Fahrenbach unterrichtet das Schulfach „Glück“. Das Klassenzimmer muss groß sein, denn das Glück braucht Platz. Tische stören da nur, stattdessen gibt es Musik und vor allem eins: Zeit. Zeit zum Durchatmen, in sich Hineinhorchen, um die eigene Balance wiederzufinden.

Monika Fahrenbach

Monika Fahrenbach nimmt sich die Zeit, auf die Bedürfnisse ihrer Schüler einzugehen und positive Gefühle zu erzeugen - dann klappt's auch mit dem Lernen


Monika Fahrenbach ist eine Frau mit Mission, man könnte sie auch die personifizierte Motivation nennen. Das beginnt am schon Morgen, wenn sie gut gelaunt die Schule betritt. Die 41-Jährige unterrichtet am Göttinger Felix-Klein-Gymnasium Deutsch, Politik und seit einem Jahr auch das Wahlpflichtfach „Glück“. Kann man Glück denn lernen und ist es genauso wichtig wie Französischvokabeln pauken? „Ja, klar!“, antwortet die Pädagogin. „Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass für das nachhaltige Lernen positive Gefühle wichtig sind. Wer unter Druck steht, lernt schlechter.“ Darum stehen im Mittelpunkt ihres Glücksunterrichts die Schüler.

Glücksforscher in eigener Sache

Am Anfang jeder Stunde sieht sich die Lehrerin ihre Schüler genau an. Hat sie eine müde, träge Gruppe vor sich, dann beginnt sie den Unterricht mit Musik und Bewegung, um die Lebensgeister der Teenager zu wecken. Zappeln aufgedrehte Schüler vor ihr herum, startet sie mit einer ruhigen Achtsamkeitsübung. Sie schließen die Augen, schweigen, atmen, horchen in sich hinein. „Die Schüler blühen richtig auf, wenn ich ihnen sage: Stopp, ihr müsst jetzt mal gar nichts machen.“

Seit den schlechten Ergebnissen der Pisa-Studien und der Einführung des Abiturs nach acht Jahren (G8) beobachten Monika Fahrenbach und ihre Kollegen, wie ihre Schüler unter ihrem durchgetakteten Alltag leiden. „Ich habe mich gefragt, wie es sein kann, dass gut versorgte Kinder und Jugendliche, denen es offensichtlich materiell an nichts fehlt, so missmutig und antriebslos vor mir sitzen“, erzählt Fahrenbach. Sie spürte die Überforderung ihrer Schüler, auf die nach dem Ganztagsunterricht noch Hausaufgaben und eventuell noch Geigen- und Fechtunterricht warten.

Ernst Fritz-Schubert

Der Herr der glücklichen Schüler: Ernst Fritz-Schubert, Heidelberger Oberstudiendirektor und Initiator des Schulfachs "Glück"


Aus der eigenen Erfahrung gelernt

So wurde sie auf den Heidelberger Oberstudiendirektor Ernst Fritz-Schubert aufmerksam, den Initiator des Schulfachs Glück. Sie absolvierte in ihrer Freizeit eine einjährige Zusatzausbildung mit dem Ziel, die Lebensfreude, Lebenskompetenz und Persönlichkeitsentwicklung ihrer Schüler zu fördern. „Ich wusste aus Erfahrung, wie meine eigenen Schwächen mich hemmen können“, erzählt Monika Fahrenbach. „Mir graute es zum Beispiel vor Elterngesprächen. Da habe ich kurzerhand eine Fortbildung für Elterngespräche gemacht und trete seitdem viel sicherer auf.“ Außerdem ließ sie sich zur Beratungslehrerin für Schulpsychologie ausbilden und hilft nun auch ihren Kollegen dabei, besser mit Eltern und vor allem mit ihren Schülern ins Gespräch zu kommen. „Der Umgang mit den eigenen Stärken und Schwächen ist das A und O in der Schule. Und im Leben generell“, so lautet Monika Fahrenbachs Erkenntnis. 

Schulfach Glück

Vertrauen lernen - eine wichtige Basis für ein glückliches Miteinander


„Fehler der Woche“

Zur Lebensfreude gehört nun einmal, dass man mit sich selbst im Reinen ist. „In der Schule aber sind die Kids ständig Beurteilungen ausgesetzt, sei es durch die Mitschüler, die Noten der Lehrer oder den Druck der Eltern “, sagt Fahrenbach. Deshalb hilft sie den Schülern, Kritik als hilfreiche Anregung und nicht als Angriff zu empfinden. „Wir küren sogar den ‚Fehler der Woche’. Schließlich ist nichts langweiliger als eine fehlerfreie Unterrichtsstunde!“ So werden die Schüler zu Glücksforschern in eigener Sache. Sie gehen der Frage nach, was für jeden einzelnen „Glück“ bedeutet. In der Theorie des Glücksunterrichts wird unterscheiden zwischen dem Zufallsglück, das einem widerfährt, und dem Lebensglück, das jeder selbst mitgestalten kann. „Oft stellen wir fest, dass uns die selben Dinge Freude bereiten – das stärkt dann das Gemeinschaftsgefühl“, erzählt Fahrenbach. In praktischen Übungen geht es darum, den Schülern tägliche Ängste zu nehmen und mit Stresssituationen besser umzugehen.

Das positive Feedback der Schüler ist die beste Motivation für die engagierte Lehrerin. „Einer der schönsten Momente war, als mir ein Fünftklässler erzählte, dass er nun das Rückwärtsfahren im Schulbus besser ertrage.“ Wieder einmal war es ihr gelungen, einem ihrer Schüler ein Stück Angst zu nehmen.


Und dann war da noch...

Thomas Nicolai, der die Idee hatte, Blinden und Sehbehinderten die Welt zu zeigen, indem er gemeinsam mit ihnen auf Tandem-Fahrrädern durch die Gegend radelt. Lest hier mehr über seine so einfache wie wunderbare Idee.

Fahrrad-Tandem für Blinde