Für ein paar Minuten wieder Kind sein, einfach lachen und Spaß haben – Jeff Waldman weckt Emotionen, die in jedem von uns schlummern und viel zu selten zum Vorschein kommen: mit Schaukeln, die er überall in der Stadt aufhängt. Bäume, Brücken, Torbögen – alles, worüber sich ein Seil schwingen lässt, eignet sich für die Befestigung der kleinen Zeitmaschine, die uns mit dem ersten Schwung direkt in unsere Kindheit befördert. Diese einfache Idee machte den 29-jährigen Straßenkünstler aus San Francisco zum Star im neuen TV-Spot von Coca-Cola.

Zutaten für eine Reise in die Kindheit

Ein Brett, ein Seil, ein Tennisball (um das daran befestigte Seil einfacher über einen Ast schwingen zu können) – das war alles, was Jeff Waldman an einem sonnigen Tag vor ein paar Jahren mit in den Golden Gate Park nahm. Seine Kumpels Jarrett und Bob begleiteten ihn mit einer Videokamera. „Wir haben einfach nur gedacht, dass es ein riesen Spaß wird und uns daran erinnert, wie cool wir das als Kinder fanden“, sagt Jeff. Den jungen Amerikanern war klar, dass sie damit die Blicke auf sich ziehen würden. Was sie nicht erwarteten, war dieses unglaubliche Gefühl: „Ein bisschen wie Fliegen, meditativ und bei jedem neuen Schwung will man Schreien und Lachen zugleich. Die Kindheit liegt zu lange zurück, man vergisst dieses Gefühl einfach“, so Jeff.

Inzwischen erinnert er hunderte Menschen immer wieder daran, wie sich das anfühlt und welche Emotionen eine paar Schwünge freisetzen – mit seinen Aktionen hat er nach San Francisco und Los Angeles inzwischen auch Lateinamerika erobert. „Schaukeln sind genau das Richtige, um diese einfache, fast kindliche Freude zu spüren. Sie geben im wahrsten Sinne des Wortes den Anstoß“, sagt der Straßenkünstler. Viele finden Jeffs Aktionen eigenartig, manche halten ihn für verrückt. Aber jeder, der sich auf eine seiner Schaukeln setzt, verwandelt sich innerhalb kürzester Zeit wieder in ein Kind. „Manche Leute muss man auch ein bisschen zu ihrem Glück zwingen“, so der 29-Jährige. Das macht laut Jeff auch den Nervenkitzel seiner Aktionen aus. Zu sehen, wie sich diese Freude im Alltag der Menschen ausbreitet.

Jeder Ort wird zum Spielplatz

Damals wusste Jeff schon nach den ersten Reaktionen, dass er weitermachen will. Es gab kein zurück mehr. Einmal in Schwung gekommen, gab jede Schaukel, mit der er die Menschen begeistern konnte, den Anstoß für die nächste. Erste Blogs und Zeitungen berichteten über den außergewöhnlichen Straßenkünstler, der jeden Ort zum Spielplatz machen konnte. Die ersten Artikel und Videos reichten Jeff und seine Freunde bei der „The Awesome Foundation“ ein – einer Stiftung, die in verschiedenen Städten monatlich 1.000 Dollar für Künstler und Erfinder bereitstellt, die etwas Fantastisches („something awesome“) umsetzen wollen. Jeff überzeugte und durfte mit Unterstützung der Stiftung 50 Schaukeln in L.A. aufhängen. Für die „Awesome Award“-Verleihung baute er sogar ein ganz besonderes Exemplar. Beim Webforum Reddit.com landete der „Mann mit den Schaukeln“ für elf Stunden auf Platz 1. Das war der Durchbruch, denn Reddit bezeichnet sich selbst als die Titelseite des Internets. Über die Crowdfunding Plattform „Kickstarter“ sammelte Jeff kurz darauf Spenden für ein weiteres Projekt in Bolivien.

Im Auftrag der Freundlichkeit

Nicht einmal ein Jahr später ist er nun einer der Protagonisten des neuen TV-Spots von Coca-Cola. Er und seine Schaukeln stehen stellvertretend für die kleinen, spontanen Freundlichkeiten im Alltag, zu denen Coca-Cola motivieren möchte. „Menschen wie Jeff machen die Welt Stück für Stück ein bisschen besser. Wir brauchen mehr von diesen Gesten! Es ist so einfach, andere Menschen glücklich zu machen“, so Lars Senhen, Director Trademark Coca-Cola in Deutschland. Für den Erfrischungsgetränkehersteller startete Jeff eine Aktion in Buenos Aires. Die Reaktionen waren überwältigender denn je.

„Ich hänge Schaukeln auf, um die Menschen zum Lachen zu bringen“, erklärt Jeff beim Interview für den TV-Spot. Das ist der Teil, der ihm am wichtigsten ist. Er mag es unterwegs zu sein, mag es sogar, die Knoten für seine Schaukeln zu binden. „Aber nichts ist großartiger, als jemanden auf eine Schaukel zu setzen und zu sehen, wie sich sein Gesichtsausdruck verändert.“ In Jeff schlummern sicher noch weitere großartige Ideen. Auf seiner Website sind einige seiner Projekte zu finden. Jeff ist jemand, der kreative Ideen nicht gern in der Theorie belässt. „Mit den Schaukeln war es damals ähnlich“, erinnert sich Jeff. „Ich habe mit den Jungs darüber geredet, bin aber als einziger dran geblieben. Während die anderen das schon längst wieder vergessen hatten, habe ich noch Wochen später darüber nachgedacht und meinen Plan in die Tat umgesetzt.“ Bleibt zu hoffen, dass es auch in Deutschland bald ein paar „Jeff Waldmans“ gibt, die Schaukeln abseits der Kinderspielplätze aufhängen. Oder gibt es sie vielleicht schon?


Und dann war da noch...

Piotrus Szczeniowski ist Straßenkünstler und will die Menschen zum Staunen bringen. Er gibt Workshops und studiert mit den Kindern Bühnenstücke voller Seifenblasen ein.

Seifenblasen

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