Wenn der gebürtige Mexikaner Roberto Cuellar eine neue Skulptur fertiggestellt hat, dann strahlen nicht nur seine Augen. Die Kunstobjekte dienen als Skaterampen, mit denen er triste Orte belebt und schon Hunderte von Kindern und Jugendlichen begeistern konnte. Und nicht nur das: Er gibt den jungen Skatern die Chance, ihre Freizeit sinnvoll, mit viel Spaß und Inspiration zu gestalten. Roberto baut und skatet gemeinsam mit ihnen. Und bringt die Teens so wortwörtlich zum Fliegen.

Eine Herzensangelegenheit

Ein junger Skater ist extra aus Paris angereist, um Roberto Cuellar bei seinen neuen Projekten in Berlin zu unterstützen. Als Roberto im vergangenen Jahr einen Skatepark für die französische Hauptstadt entwarf, war der Junge so begeistert, dass er sich per E-Mail bedankte. Seitdem sind die beiden in Kontakt geblieben. Diesen Sommer haben sie dann sogar gemeinsam eine Rampe gebaut.

Erlebnisse wie diese motivieren Roberto. Mit der Gestaltung und dem Bau von „skatebaren“ Skulpturen in Lateinamerika und Europa lebt der 25-Jährige seinen Traum: Er ist Skateboarder – schon sein halbes Leben lang. Als 12-Jähriger zog er mit seinen Eltern von Mexiko nach Deutschland. Er interessierte sich schon früh für Kunst, Design und Architektur. Roberto reist gern, liebt es, sich für andere zu engagieren: „Wie meine Oma, die als Anwältin den Menschen geholfen hat, die sich keine rechtliche Unterstützung leisten konnten“, so der gebürtige Mexikaner. „Hätte ich die Skaterampen nicht, würde ich wahrscheinlich in einer Stadtmission arbeiten.“

Gemeinsam etwas aufbauen

Mit jedem Projekt gewinnt er neue Freunde, die seine Begeisterung teilen und die er mit seinen Skulpturen begeistern kann. Der direkte Kontakt ist ihm wichtig. Er – so sagt er – liefere lediglich die Idee, gebaut und geskatet wird gemeinsam mit den jungen Menschen vor Ort. Das alles macht Roberto unentgeltlich. Unterstützt wird er zum Beispiel von Galerien, die ihm unter anderem das Material für seine Skaterampen zur Verfügung stellen.

Manche seiner Entwürfe liegen lange im Schubfach, bevor sie umgesetzt werden. „Oft ergibt es sich aber sehr spontan, dass jemand eine meiner Ideen toll findet und hilft, sie umzusetzen“, erklärt Roberto. Auf diese Weise hat er auch seine ersten Projekte in Puerto Rico realisiert. Er arbeitete eine Weile als Grafiker in Deutschland, bis er merkte, dass eine Festanstellung nichts für ihn ist. Daraufhin schnappte er seinen Rucksack und begann zu reisen. In Puerto Rico fühlte er sich auf Anhieb wohl. Skaterparks gab es dort zu diesem Zeitpunkt noch keine. Das änderte sich schnell. Robertos Engagement stieß bei den einheimischen Skatern auf große Begeisterung. Und er macht dort weiter: „Diesen Sommer will ich in Berlin Vollgas geben und dann wieder zurück nach Puerto Rico und Mexico“, sagt Roberto. Während er in Berlin graue Orte mit seinen Skulpturen beleben will, geht es ihm in Lateinamerika darum, überhaupt erst einmal Möglichkeiten zum Skaten zu schaffen. Drei bis vier Tage dauert es, bis so eine Rampe steht. Der gesamte Prozess kann manchmal sehr anstrengend sein: mit den Dorfgemeinden sprechen, den passenden Ort finden, Material besorgen – und am Ende muss alles fest und sicher sein. Aber der Einsatz lohnt sich.

Vorbild und Freund zugleich

„Mich macht es glücklich, wenn die Rampen bei den Leuten gut ankommen und ich sie darauf Skaten sehe. Das ist besser, als jede Bezahlung“, so Roberto. Er ist Vorbild und Freund zugleich und das sind die jungen Skater auch für ihn: „Die Kinder erinnern mich immer wieder daran, wie toll es ist zu Skaten, sein Ding zu machen, das Leben zu erkunden.“ Die letzte Skaterampe, die er in Berlin gebaut hat, wird wahrscheinlich zum Festival von Pura Vida Skateboarding touren. Auch diese befreundete Skatergruppe aus Dresden setzt sich für neue Skateparks in Lateinamerika ein. Beim Festival sollen dafür Spenden gesammelt werden.

Roberto spricht bescheiden von seinen Projekten, mit denen er inzwischen zu einem gefragten Aktionskünstler geworden ist. Vor einem Jahr hat er seine Skulpturen gemeinsam mit mehreren Künstlern ausgestellt. Seitdem unterstützt ihn das Kreativnetzwerk „Gang of Berlin“ bei Organisation und Produktion. „In diesem Sommer häufen sich die Projekte, da bin ich froh die „Gang of Berlin“ an meiner Seite zu haben“, sagt Roberto.         

Denn immer öfter sind es nicht nur Skulpturen, sondern ganze Installationen und Settings, die Roberto erschafft. So hat er bereits erfolgreiche Foto- und Videoprojekte umgesetzt. Einige Beispiele finden sich auf seiner Website. Während der Fashion Week werden Plakate seiner Kunstobjekte in ganz Berlin zu sehen sein. 



Und dann war da noch...

Am meisten freuen wir uns über die netten, lieben und witzigen Dinge, mit denen wir nicht gerechnet haben. Diese besonderen Momente, die uns aus unserem Alltagstrott reißen und uns ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Und wie viel schöner und größer ist die Überraschung, wenn wir eigentlich mit dem Schlimmsten gerechnet haben. Und dann kommt es ganz anders als erwartet: