An sommerlichen Sonntagen scheint die halbe Stadt im Berliner Mauerpark unterwegs zu sein. Viele kommen inzwischen hierher, um gemeinsam mit Joe Hatchiban zu singen. Seine Karaoke-Sessions auf der Freilichtbühne sind Kult geworden – für Bewohner und Besucher der Hauptstadt. 

Bühne frei für alle!

Karaoke im Berliner Mauerpark

Nicht nur bei Berlinern beliebt: Joe Hatchiban's Karaoke im Mauerpark - jeden Sonntag um 15 Uhr


Wann immer sonntags das Wetter mitspielt, steuert der Fahrradkurier Joe Hatchiban sein Lastenfahrrad samt eingebauter Soundanlage in das Amphitheater im Mauerpark. Die Sonne brennt, nebenan schlendern Besucher zwischen den Ständen des Sonntagsflohmarktes umher. Die Sitzreihen des Theaters sind trotz der Hitze gefüllt mit Berliner Ehepaaren, Singles, Hipstern, Ökos, Punks, Kindern und Touristen aus aller Welt. Sie alle warten auf den „Karaoke Guy“. „Das erste Lied singe ich selbst“, sagt der 39-Jährige. Schnell ist dann das Eis gebrochen. Wer gerade noch auf den Sitzbänken oder im Gras lümmelte, wird im nächsten Augenblick unten auf der Bühne zum Star.

Spaß statt Pakete

Begonnen hat alles 2009. Da zog Joe Hatchiban, der eigentlich Gareth Lennon heißt, mit seinem Fahrrad los, um Menschen in Berlin zum Singen zu animieren. „Am Anfang dauerte das etwas, aber nach und nach kamen immer mehr Leute, die singen wollten“, erinnert sich der gebürtige Ire. Die Idee, den Menschen mit seinem Fahrrad Musik und Spaß statt Pakete und Briefe zu liefern, nahm Fahrt auf: Ausgerüstet mit Box und Laptop begeisterte er damals die Mauerpark-Besucher. Heute ist er weit über die Grenzen des Stadtteils Prenzlauer Berg bekannt.

Der „Karaoke Guy“

Karaoke im Berliner Mauerpark

Ein bisschen Mut gehört dazu - aber die Stimmung kommt bei Joe Hatchiban's Karaoke garantiert von alleine


Ist die Bühne erst eröffnet, füllt sich die Liste der Sänger schnell. Die Sammlung der CDs, die Joe Hatchiban dabei hat, ist mit der Zeit auf einen stattlichen Umfang angewachsen. Ältere Herren bringen das Publikum mit Schlagern zum Schunkeln, die ganz jungen Sänger rühren die Gäste mit „Hänschen klein“ zu Tränen. Touristen aus aller Welt bilden zusammen spontan eine Abba-Coverband, Teenies legen ihre Hemmungen ab und werden zu selbstironischen Madonnas oder Michael Jacksons. „Wie hat euch das gefallen?“, ruft Moderator Joe Hatchiban am Ende eines Liedes ins Publikum. Die Zuhörer antworten mit tosendem Applaus und wohlwollender Kritik zwischen den Showacts. Ob die Sänger den richtigen Ton treffen, ist hier egal – er trifft ihn immer: Mit seiner Herzenswärme ermutigt Joe Hatchiban jeden der Interpreten. Ob leidenschaftliche Luftgitarrensoli oder männliche Hüften, die zu Sambarhythmen kreisen – mit kleinen Tricks steht er ihnen zur Seite und holt die „Rampensau“ aus jedem heraus, der auf die Bühne tritt.

Sein Lohn: „Eine gute Zeit!“

Wer nach Berlin kommt, hat oft längst von den Sonntagen im Mauerpark gehört, zum Beispiel auf der Facebook-Seite, die inzwischen rund 25.000 Fans hat. Auch Einwohner werden des Spektakels nicht müde, kommen mit ihren Freunden und Gästen her. Immer mittendrin: ein Mann, der für die Menschen ein Teil Berlins geworden ist, bei dem sie in eine andere Rolle schlüpfen und am Sonntag ihren Alltag vergessen können. „Jedes Mal, wenn ich hier bin, weiß ich: Irgendetwas besonderes wird irgendwann im Laufe des Nachmittags passieren.“ Was genau ist das? „Das lässt sich schwer beschreiben. Nur soviel: Die Leute, die da sind, spüren in diesem Moment alle dasselbe. Manchmal treffe ich in der Woche danach Leute auf der Straße, die sich an genau diese Augenblicke erinnern.“

Wer solche Erlebnisse teilen will, jedoch vorerst nicht in die Hauptstadt kommt, dem empfiehlt Joe Hatchiban einen Blick auf seinen Youtube-Kanal. In einigen Videos lässt sich das gewisse Etwas erleben, was ihn und viele Menschen Jahr für Jahr, Sonntag für Sonntag in den Mauerpark treibt – ein Ende ist für ihn vorerst nicht in Sicht, sehr zur Freude der musikbegeisterten Besucher.


Und dann war da noch...

...Can Akca, der 2006 die Bolzplatzliga gründete. Bei der es um mehr als Fußball geht: Es geht darum, Toleranz zu leben.

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