Kind und Karriere? Kann ich, denken viele Frauen. Doch was sie wirklich erwartet, wenn Konferenzen und Zahnungsschmerzen zusammenkommen, wenn Kita-Ferien die Urlaubsplanung bestimmen und Kita-Viren alles hinfällig machen, das sagt einem natürlich keiner. Komisch, findet Hermin – und erzählt einmal im Monat aus ihrem Leben zwischen Coke, Kind und Kegel. 

Wäsche, Windeln, Mails checken

Eine Freundin erzählte neulich von einem Gespräch mit ihrer Nachbarin. Die kinderlose Nachbarin deutete auf den Kinderwagen und meinte, der Kleine müsse doch bestimmt nicht in die Kita. Doch, sagte meine Freundin, natürlich. Wenn er 18 Monate alt ist. Darauf die Nachbarin: „Aber Sie arbeiten doch zuhause.“ Da fiel meiner Freundin erst mal nichts mehr ein. Sie ist freie Journalistin und arbeitet seit Jahren gerne und erfolgreich zu Hause. Dass die Freiberuflichkeit von vielen als Hobby angesehen wird, wusste sie. Das konnte sie locker weglächeln. Dass die Welt da draußen denkt, Menschen, die zuhause arbeiten, können nebenher noch locker ein entdeckungsfreudiges Kleinkind im Auge behalten, fand sie dann doch ein wenig befremdlich.

Willkommen im Vorgestern 

Die Mama-AG

Wer arbeitet, der muss auch zur Arbeit gehen. Logisch. Sonst ist die Arbeit eher so etwas wie ein Hobby, das sich neben den Haushaltspflichten ein bisschen wichtigtut. So weit die landläufige Meinung, die immer noch dazu führt, dass in vielen Büros das hohe Lied auf die Präsenzpflicht gesungen wird. Gewonnen hat, wer als letztes sein Auto aus der Tiefgarage fährt. Dabei wissen wir alle: Das ist doch von gestern. Zuhause, im Café oder sonst wo kann genauso effektiv gearbeitet werden wie im Büro. Außerdem wissen wir: Beim Parkhausbelegen können Mütter gar nicht gewinnen. Da gibt es nämlich meistens jemanden, der aus dem Kindergarten abgeholt werden will und erzählen muss, was er dort erlebt hat.

Ich halte nicht viel von Präsenzpflicht und bin großer Fan von flexiblen Arbeitszeitmodellen, Telearbeitsplätzen und Home-Office-Möglichkeiten. Aber: Ich arbeite sehr gerne im Büro! Ich mag meinen Alltag, meinen Arbeitsweg (ok, der könnte kürzer sein), die räumliche Grenze zwischen Arbeit und Familienleben, ich möchte meine Kollegen sehen und ich gebe viel auf den persönlichen Austausch und die Ideen, die fernab der Meetings entstehen.

Mom@Work@Home. Wo ist die Patentlösung?

Gleichzeitig ist es großartig, mal einen Tag zuhause zu arbeiten. Das gilt sowohl für den Idealfall, wenn das Kind gut versorgt bei der Tagesmutter oder im Kindergarten ist, als auch für den Notfall. Manchmal brauche ich einfach eine hochkonzentrierte Arbeitsphase, in der ich etwas fertigkriegen möchte. Da hilft nur der Arbeitsplatz ganz alleine zuhause: keine Kollegen, kein Kind, kein Haushalt. Dann gibt es natürlich noch den Notfall, also das kranke Kind zuhause. Da rettet einen das Home-Office als Mutter immer wieder! Aber Arbeiten wird unter den Umständen zu einer echten Herausforderung. Kranke Kinder beschäftigen sich – noch mehr als kleine Kinder normalerweise – kaum mal am Stück alleine. Das bedeutet für mich: Fallen dem Kleinen die Augen zu, spurte ich an den Rechner und arbeite so schnell und so lang ich kann. Keine Idealsituation, aber oft eine Rettung.

Coca-Cola Journey: Die Mama-AG
Schlecht geträumt, kleiner Mann?

Mal hier, mal da

Neben den beiden Sonderfällen, dem Arbeiten in Klausur und dem Notfall-Plan, spielt das Home-Office bei mir vor allem eine Alltagsrolle. Ich kombiniere Büro und den Schreibtisch zuhause in einem flexiblen Arbeitszeitmodell. Den Großteil meiner Arbeitszeit verbringe ich im Office, am Nachmittag bin ich frei für Fritz. Abends, wenn der Kleine schläft, setze ich mich dann noch einmal ins Home-Office. Das hat – auch für die Arbeit - eine ganze Menge Vorteile. Der Conferececall mit Übersee sprengt durch die Zeitverschiebung oftmals die übliche Arbeitszeit. Meinen Kollegen in Atlanta passt es oft gut in ihren Terminkalender, dass ich mir in Deutschland die Nachmittage für Fritz freischaufele und dann abends für sie erreichbar bin. Problematisch nur: Aus der einen schnellen Stunde, die ich mir vorgenommen habe, wird gern eine halbe Nacht. Nicht gut. Weder für die Arbeit, noch für mich oder den kleinen Mann, der vielleicht um vier Uhr morgens an meinem Bett steht, weil er schlecht geträumt hat.

Home-Office ist, das merke ich immer wieder, vor allem eine Frage der Disziplin. Sich abends noch einmal dranzusetzen nach einem schon recht vollen Tag ist das eine – rechtzeitig aufzuhören ist das andere. Und mehrmals am Tag vom Mama-Modus in den Arbeits-Modus und wieder zurück zu schalten ist außerdem noch eine Leistung, die ich immer mal wieder unterschätze

Die Kunst der Grenzziehung

Ich bin froh, dass sich mein Arbeitsleben zum allergrößten Teil im Büro abspielt und finde es toll und zeitgemäß, dass ich meine Nachmittage durch mein flexibles Arbeitsmodell ungestört mit Fritz verbringen kann. Dabei bewundere ich jede Arbeitnehmerin, die genau den richtigen Kontakt zu den Kollegen hält, ohne immer da zu sein, die nicht unendlich Überstunden in die Nacht zieht und es genau deshalb schafft, ihr Familienleben und ihren Arbeitsalltag unter einen Hut zu bringen. Letztlich geht es darum, die Grenzen richtig zu ziehen. Ich mache das am aller liebsten räumlich. Arbeiten im Büro – und spielen auf dem Spielplatz. 

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